Ein römischer Hauptmann mit seinen Soldaten
bewachte Jesus.
Sie sahen das Erdbeben und alles, was geschah.
Da fürchteten sie sich sehr und sagten:
»Er war wirklich Gottes Sohn!«
Mt 27,54
Von Gottes Liebe ummantelte Gemeinschaft
Kennst du die Geschichte vom König Salomo? Georg Friedrich Händel hat sie in einem Oratorium vertont. Ein paar Chorpartien hören wir heute vom SMW im Chor. Wunderbare Musik. Sie lobt Salomo als idealen Herrscher und gerechten Richter. Sie erzählt in Erhabenheit von Gott. Als Herrscher über der Geschichte thront er in einem fernen Himmel. Heilig und rein. Vollkommen und gerecht.
Ein scharfer Gegensatz zur Lesung, die wir heute Morgen gehört haben. Sie ist fast unerträglich, ob der Brutalität, dem zur Schau gestellten Hohn und der Grausamkeit des Spottes über diesen elenden Mann, der da am Kreuz zu Tode gefoltert wird. Empörung über das Geschehen ist das Erste, was ich empfinde, wenn ich mir den Bericht von der Kreuzigung anhören muss. «Warum lässt Gott das zu?», ist die erste Frage, die sich mir aufdrängt. Der erhabene, gerechte und allmächtige Gott aus der Salomo-Geschichte lässt das zu? Gott Vater, der seinen Sohn am Kreuz im Stich lässt? Der nicht einmal wie eine verzweifelte menschliche Mutter unter dem Kreuz um seinen Sohn klagt und trauert. Ein Gott, der im Sterben seines Sohnes den Tempel und damit die Welt verlässt – aber dann doch vom apokalyptischen Erdbeben ablässt und nicht das Ende der Welt anbrechen lässt. Ein Gott, der sich gerade im Anblick des Kreuzes als schwach zeigt. Der den Ohnmächtigen seiner Ohnmacht und den Leidenden seinem Leid überlässt.
Wie kann das zusammenkommen?
Ein Gedanke – das Urteil Salomos. Das Urteil, das sprichwörtlich geworden ist. Das Urteil, das Wahrheit offenbart.
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