Osterpredigt

Jesus sagt:
„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein;
wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“
Joh 12,24

Liebe Gemeinde

Den ganzen Winter lang habe ich mich auf den Frühling gefreut. Endlich kommt die Sonne zurück. Sie bringt Licht und vertreibt die trüben und grauen Wintertage. Die nasse Kälte weicht der Frisches des Morgens, auch wenn im Lichtglanz der Morgenröte de Winter noch ein letztes Mal spürbar ist.

Die Welt wird wieder freundlicher. Das Braun der Wiesen wird von tausenden Blumen in allen Farben durchbrochen. An den scheinbar erstorbenen Ästen der Bäumen zeigen sich Knospen; Ja, erstes Grün entfaltet sich in zarten Blätter.

Nicht nur mich zieht die Kraft des Frühlings nach den langen Winternächten nach draussen. Die gemütliche Stube der frostigen Januar Nächte wird in den Sonnenstunden des Aprils eng und klein. Die Natur und der Garten rufen. Alles füllt sich mit neuem Leben. Alles will erblühen.

Dieser Kraft kann und will ich mich nicht entziehen. Es geht mir, wie vielen andern so.

Wer ein Stück Land sein eigen nennt – wer eine Garten oder zumindest eine Rabatte vor der Haustüre hat – macht sich auf. Gartenfreunde strömen in allen Baumärkten und Gartencentern des Landes zusammen.

Sie kaufen Samen und Setzlinge , Frühlingsflor und junge Pflanzen. Aber auch Gartenhandschuhe, Schaufeln und Hacken, Maschinen und Dünger.

Der heimische Garten soll zum Paradies werden.

Was Blüht erfreut die Seele. Was grünt, soll im Herbst reichlich Frucht tragen und den Köper nähren.

Es freut sich wahrhaftig, wer in diesen Tag durch das Dorf spaziert und sieht, was da in fremden Gärten blüht.

Überall schaffen fleissige Hände. Es ist ein fröhliches Umgraben, Rechen und Hacken, Säen und Pflanzen. Auch Dünger und Kompost werden eingearbeitet, damit genügend Nährstoffe vorhanden sind. Die Erde wird bereit gemacht, damit sie gut aufnehme, was in ihre wachsen soll. Alles wird getan, damit der Same aufgeht, damit die Setzlinge gut anwachsen können.

Wir Menschen vermögen vieles, damit der Same aufgeht. Wir können guten Voraussetzung schaffen. Wir können eine Pflanze hegen und pflegen. Wir können sie vor dem Verdorren im Sommer und vor dem Verfaulen Herbst – im zumindest ein Stück weit – bewahren. Doch wir vermögen es nicht, dass der Samen keimt, das ein Setzling Wurzeln schlägt.

Es ist jedes Mal ein kleines Wunder, wenn aus dem Samen zuerst ein Keimling, dann eine junge Pflanze wächst. Fast könnte man meinen, man sehen Gott selber am Werk, wenn sie erblüht und schliesslich Frucht trägt. Es ist Jahr für Jahr ein Geschenk, wenn man im eigenen Garten ernten darf. Das eigene Gemüse, die eigene Früchte und Beeren schmecken einfach ein ganzes Stück besser, als die, welche man ihm Laden kaufen kann.

Eine Same wird gesät. Eine Pflanzen entsteht.

Im Vers, der über der heutigen Predigt steht, wird dieses Bild aufgenommen. Es ist ein wundervolles Bild. Zum heutigen Osterfest passt es wunderbar. Es bringt zum Ausdruck, was wir heute feiern.

Das Weizenkorn steht für Jesus.

An Karfreitag wird er ans Kreuz geschlagen und stirbt. Seinen Leichnam legen sie in das Grab des Joseph von Arimatha. Er ist ein reicher Ratsherr und heimliche Anhänger Christi. Sein Grab ist ein Felsengrab, wie es damals üblich gewesen ist.

Mit Hammer und Meissel lies er es für sich und seine Familien aus dem Fels schlagen. Der harten Stein wurde in seinem Auftrag aufgebrochen. Mit viel Lärm und Kraft ist ein Ort der Ruhe und des Todes entstanden. Das Grab, in welches der geschundene und ermorderte Körper Jesu zur letzten Ruhe gebetet wurde.

Doch das Grab ist zum Acker geworden; die Furche, darin das Samenkorn ruht. Bestattet, wie man Tote bestattet – gesät, wie man Weizensaat auf das Feld bringt.

Das Weizenkorn im Felsengrab bricht auf. Neues Leben bricht aus ihm heraus. Gott selber weckt es auf. Es bricht durch die Erde. Der Stein rollt weg vom Grab. Es blüht auf und trägt die Frucht der Auferstehung und der Rechtfertigung. Es trägt mehr als genug.

Die Frucht des Glaubens, welche an Ostern keimt, reift heran. Sie wird zur neuen Saat. Der Saat des Vertrauens auf Christus ist unter uns und auf der ganzen Welt ausgesät.

Es die Botschaft von Ostern soll wachsen. Gott will, dass wir leben. Er selber hat uns aus der Bande von der Sünde befreit. Ostern ist die Einladung zum Freudenfest des Glaubens.

Der Same ist uns gegeben. Ist der Acker unseres Herzens bereit ihn aufzunehmen?

So viel an Aufwand und Energie stecken wir in die Gärten um unseren Häuser und in die Töpfe auf unseren Balkonen. Kaum ein Aufwand ist zu gross, damit damit es blüht und Frucht trägt. Doch, wie steht es um den Garten unseres Herzens?

Manchmal, so scheint es mir, lassen wir diesen inwendigen Acker brach liegen. Seine Pflege ist nicht zeitgemäss. Ist nicht modern. Ist einem kritisch-aufgeklärten Geist, der seine Freiheit liebt, nicht angemessen.

Der Boden verhärtet. „Was da an Wunder in der Bibel erzählt wird. Das ist doch alles nicht war! Das kann nicht sein. Das sind Ammenmärchen und Geschichten für kleine Kind!“ heisst es dann. Der lockere Boden der Kindheit wird durch eine vermeintlich aufgeklärte und kritische Haltung fest getreten. Er verklumt und wird voll Lehm.

Wäscht dann noch der Regen und die Stürme eines harten Lebens den letzten Rest fruchtbaren Humuses weg, so stellt ich dann die Frage, wo hinein kann noch ein Samenkorn fallen?

Dies Herz trägt keine Frucht mehr. Es kann keine Liebe und keinem Hoffnung weitergeben. In ihm kann der Glaube keine Wurzeln schlagen.

Das Herz, welcher zum Brachland geworden ist, kann kein Ort mehr sein,an dem echtes und befreites Leben blüht. Es ist tot auch wenn es schlägt. Es ist wahrhaftig zu betrauern. Ein trostloser zustand.

Mich macht dies traurig.

Traurig, nicht weil es kein schöner Anblick ist. Sondern Traurig, weil da ein Mensch leidet. Weil es ihm an guter Frucht fehlt, welche das eigene Leben trägt.

Wohl gemerkt. Wir müssen keine Frucht bringen, damit Gott uns gern hat. Viel mehr bringen wir Frucht, wenn wir dieser Liebe Raum lassen.

Auch dort, wo wir arme Sündern sind und der Samen des Glaubens nicht auf guten Herzensgrund fällt, fallen wir nicht aus der Liebe Gottes. Doch – und gerade das ist das traurig – bemerken wir diese Liebe nicht. Es fehlt dann an Trost im Leben. Es fehlt an Zuversicht im Sterben. Es fehlt an der Gewissheit, dass es Gott gut mit uns meint.

Dies steinige Herzensgärtlein ist es, welches sich vor einem strafenden und zornigen Gott fürchtet. Es fürchtet sich, nicht weil Gott es verwirft, sondern weil es nicht um seine Liebe weiss. Es vereint Gott und hofft darauf dass es nicht geben möge, was es nicht sieht. Es hält sich für frei und ist doch in der eigene Angst gefangen. Der Angst vor einem Gott ohne Liebe – einem Gott, den es nicht gibt. Denn Gott ist Liebe.

Es ist die Angst des fest gestampften Herzens, die den Samen der Liebe Gottes nicht aufnehmen kann. Dem Samen, der die Furcht nimmt. Der wahrhaftig befreit.

Es ist diese in sich selbst verdrehte Angst, die zum Teufelskreis wird. Einem Teufelskreis, der den Herzensacker dem Sämann entziehen will.

Was ist zu tun mit solch einem Garten? Was tun wir, wenn der Garten vor unserem Haus unfruchtbar geworden?

Wir brechen den harten Boden auf. Wir lockeren ihn. Wir bereiten ihn vor. Wir streuen ihm Dünger bei. Wir arbeiten auf und in ihm.

Wie mit dem Garten, so kann es auch unseren Herzen ergehen.

Es tut wohl weh, wenn Gott als Gärtner das Beet bereitet. Nicht immer sind es die Sonnenseiten des Lebens, welche Menschen für den Glauben öffnet. Je härter der Boden, desto schmerzvoller dieser Prozess. Doch wo der Samen aufgeht, da wächst Trost und Hoffnung.

Wir müssen es nicht für wahr halten, dass ein Grab vor zwei tausend Jahren aufgesprungen ist. Wem es wider den Verstand geht, der ist deswegen nicht von Gott verworfen. Wer es für wahr hält, hat sich selber nicht gerettet.

Entscheiden ist vielmehr, das der Samen des Glaubens die Erdkruste des Herzens durchbricht. Dass die Blume des Vertrauens erblüht und Frucht trägt. Die Frucht bringt die Gewissheit: Gott sagt ja zu meine Leben. Gott will das ich leben. Gott will mich nicht dem Tod und dem Verderben überlassen.

Gott will, dass mein Herz an Ostern voll Freude jubeln kann:
„Jesus lebt – mit ihm auch ich!“
Amen

Share Button
Dieser Beitrag wurde in Predigten veröffentlich und mit diesen Tags versehen , , , , , , , , , , . Verweis sezten auf denPermanentlink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.