Guter Samen und guter Boden

Seht, der Sämann ging aus, um zu säen.

Mat 13,3

Liebe Gemeinde

Vor einer Woche feierten wir das Jugendfest. Im ganzen Dorf wurden die Brunnen festlich geschmückt. Vier Bögen überspannten bekränzt die Strassen. Ein kleines Festdorf wuchs rund um die Schule.

Am Samstagmorgen durften wir über die Leistungen staunen. Vieles gab es zu sehen. Schülerinnen und Schüler, die voller Elan tanzten und sangen, regten zum Mitklatschen an. Mamis und Papis durften fröhlich lachen und applaudieren, ob ihrer Kinder, die sie mit vollem Körpereinsatz unterhielten. Ja, die eine oder andere Freudenträne floss auch an diesem Morgen.

So viel Schönes. So eine fröhlich engagierte Jugend. So viel kreatives, das entstanden war. Es war eine wahre Freude. „Välte rockt!“ – das Motto des Jugendfestes lebte auf. Wir dürfen uns auf eine engagierte Generation junger Erwachsener freuen, die da in unserer Schule heranreift. Es sind Menschen, die sich für das Wohl des Dorfes einsetzen werden!

Doch auch dieses Reifen ist ein Reifen bei dem die eine oder andere Frucht faul wird. Ein Reifen, bei dem nicht jeder Same spriesst. Nicht jede Pflanze Frucht bringt.

Als ich nach dem Festgottesdienst nach Hause ging, sah auch ich es. Vandalen hatten gewütet. Parkplätze, ein Auto und ein Garagentor waren beschmiert. Was mich am meisten geschmerzt hat, auch die schöne Dekoration der ersten und zweiten Primarklasse war zerstört. Keine reifen Erwachsenen, die hier ihre faulen Früchte brachten!

Darf es denn nicht sein, dass ein Dorffest ohne solche Zerstörungswut endet? Kann nicht einfach jeder Same aufgehen und reiche Frucht tragen? Muss denn wirklich ein Teil verdorren und verderben, damit das andere erblühen kann?

Da ist mir das Gleichnis vom Sämann in den Sinn gekommen. Jesus erzählt:

„Seht, der Sämann ging aus, um zu säen.“

Ein Teil seiner Saat wird von den Vögeln vom Weg, auf den er fiel, aufgepickt. Ein anderer Teil geht zwar schnell auf, verdorrt aber sogleich in der Mittagssonne, weil die fruchtbare Erde nicht tiefgenug ist, damit die Pflanze Wurzeln schlagen könnte. Ein dritter Teil erstickt unter den Dornen, unter die er gefallen ist. Nur der letzte Teil geht auf und bringt viel Frucht.

Es ist ein spezielles Gleichnis, das wir hier hören. Nicht sein Inhalt ist so überraschend. Speziell macht es der Umstand, dass es zu denjenigen Bildreden gehört, die Jesus selbst seinen Jüngern und damit uns erklärt. Matthäus, der uns das Gleichnis in seinem Evangelium erzählt, berichtet, wie Jesus seine Jünger zu sich nahm und ihnen im Geheimen erklärte, was es mit dem Gleichnis auf sich hat.

Der Same, das ist das Wort des Evangeliums, der guten Nachricht vom nahen Himmelreich. Grosszügig wird es vom Sämann – von Jesus Christus dem lebendigen Sohn Gottes – auf den Acker ausgebracht. So grosszügig, dass einiges auf den Weg fällt. Dieses, so erklärt Jesus, sind die Menschen, die das Wort hören, es aber nicht verstehen, so dass es schnell wieder vergessen wird.

Andere sind wie eine dünne Schicht Erde auf einem felsigen Grund. Sie nehmen das Wort an und es geht in ihnen auf. Doch kann es keine Wurzeln schlagen, sich nicht in diesen Menschen versenken, so dass es unter der Mittagssonne austrocknet und verdorrt.

Das Bild des dornenbewachsenen Landes steht für die Menschen, die zum Glauben kommen. Deren Glauben aber unter der Sorge der Welt und dem trügerischen Reichtum erstickt. Nur der gute Boden nimmt das Wort auf und versteht es richtig.

Die Predigt, die Jesus seinen Jüngern – und vermittelt durch Matthäus – auch uns hält, fragt: „Was für Boden bist du?“ Wir fühlen uns vielleicht durch sie gedrängt guter Boden sein zu wollen.

Doch hat der Boden Einfluss darauf, was für ein Boden er sein möchte? Kann eine Fettwiese beschliessen plötzlich Magerwiese zu sein? Haben sie je gehört, dass aus lehmigem Boden über Nacht sandiger Boden wird?

Boden ist nicht gleich Boden. Doch ist jeder Boden so, wie er ist. Er kann sich nicht entschliessen ein anderer Boden zu werden.

Auch uns Menschen geht es wie dem Boden. Auch wir können nicht zu anderen werden. Klar, kann Frau Müller sich entschliessen das Rauchen aufzugeben und von der Raucherin zur Nichtraucherin werden. Selbstverständlich kann Herr Mayer sich entschliessen mehr Sport zu betreiben und gesünder zu leben und so seinen Bierbauch loswerden. Natürlich kann der Sek-B-Schüler Meister sich in der Schule mehr anstrengen, mehr leisten als seine Mitschülerinnen und Mitschüler und den Wechsel zur Sek A schaffen.

Aber verändert dies, das Wesen des jeweiligen Menschen? Bleibt Frau Müller nicht eine nichtrauchende Raucherin? Herr Mayer ein Sporttreibender Geniesser und der Schüler Meister, ein Mensch, der darunter leidet, nicht so leicht zu lernen wie andere?

So wichtig die Deutung des Gleichnisses vom vierfachen Acker durch Jesus selbst ist, so sehr führt doch die Frage: „Welcher Boden will ich sein?“ in eine Sackgasse. Die Fragen: „Wie will ich sein? Wer möchte ich werden?“ leitet in einen Kreis aus Unzufriedenheit mit sich selbst, dem Setzen von neuen Zielen „So will ich sein“ und der Enttäuschung, wenn ich einsehen muss, dass ich meine Ziele nicht erreicht habe. So bin ich wieder unzufrieden, setze mir neue Ziele und der Kreis beginnt von neuem. Kennen sie das auch?

Ich bin der Boden, der ich bin. Der Mensch, als der ich geschaffen wurde. Wenn ein Mensch zum Glauben kommt, so ist es nichts als reine Gnade, dass er von Gott so geschaffen wurde, dass der Same des Glaubens in ihm aufging.

Unser Glaube kann nie Grund sein uns selbst zu rühmen, denn er ist keine eigene Leistung. Dass wir Boden sein dürfen, der dreissig, sechzig, ja hundertmal so viel Frucht bringt, wie gesät wurde, ist ein Geschenk.

Und auch umgekehrt. Wenn jemand keine Frucht bringt, dann kann und darf er deswegen nicht gering geachtet werden. Es gehört zu seinem Wesen, dass er im Moment noch kein guter Boden ist.

Im Blick der Auslegung des Gleichnisses Jesus, steht der Boden. Seine Qualität und seine Beschaffenheit werden gedeutet. Der Sämann selbst bleibt im Dunkeln des nicht erläuterten. Was wenn wir ihn in den Blick nehmen?

In der Erzählung, wie wir sie aus dem Evangelium nach Matthäus gehört haben, ist Jesus selbst der Sämann. Jesus Christus lebt und verkündet als Mensch.

Das Kreuz und die Auferstehung – kurz das österliche Heilsgeschehen ist noch Zukunft. Unsere Situation aber ist eine andere. Wir blicken auf Ostern zurück. Das Heilsgeschehen ist Teil unserer Vergangenheit. Verändert das auch die Deutung des Sämanns?

Im zweitletzten Satz des Matthäusevangeliums steht der Auftrag des auferweckten Christus an seine Jünger: „Geht nun hin und macht alle Völker zu Jüngern: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe.“

Vor Ostern war Jesus der Sämann. Nach Ostern wird der gute Boden, der das Wort angenommen und verstanden hat, selber zum Sämann. Wir alle sind als Christinnen und Christen dazu berufen Sämänner und Säfrauen des Wortes zu sein.

Bei uns ist der Same auf guten Boden gefallen. Wir bringen Frucht. Frucht, die wir weiter geben wollen. Wo dies gelingt und die Frucht des Samens, den wir empfangen haben, aufgeht und neue Frucht bringt, da werden wohl auch wir uns beglückt und beschenkt fühlen.

Doch gehört zum Weitererzählen des Wortes auch immer wieder die Erfahrung, dass es in anderen keinen Glauben weckt. Das wir uns als Glieder einer Kirche fühlen, die von der Welt nicht mit offenen Armen empfangen wird. Ja, dass wir vielleicht auch als „Gut-Menschen“ belächelt werden. „Was die Kirche macht ist ja schon gut, aber…“ – und an dieser Stelle kann jede und jeder selbst anfügen, was er oder sie schon so alles gehört haben mag, wenn sie von ihrem Glauben und seiner Kirche erzählt haben.

Und doch: Jede Mutter und jeder Vater will gute Grundlagen für sein eigenes Kind schaffen. Auch wenn sie selber den Boden nicht bereiten können, so soll das menschenmögliche getan werden. Eltern säen und sie streuen den Samen der guten Werte und der guten Wünsche über das Leben ihrer Kinder. Sie hoffen, sie beten, sie vertrauen, dass dieser Samen aufgeht und reiche Frucht tragen wird.

Auch wenn Ereignisse wie, die in der Nacht des Jugendfests zweifeln, ja verzweifeln lassen, so sind sie doch kein Grund nicht weiter auf unsere Kinder zu hoffen. Ihnen reichlich und im Überfluss den guten Samen zu geben – nicht weil wir wissen, dass sie guter Boden sind – sondern weil wir darauf hoffen, dass in ihnen der Samen aufgeht, der den Boden zum guten Boden macht.

Und so sind wir als christliche Sämänner und Säfrauen den Eltern nicht unähnlich. Es gehört auch zu unserem Wesen als Christinnen und Christen das Wort der guten Botschaft von Jesus Christus unter den Menschen zu säen. Die Erfahrung, dass nicht alle Saat aufgeht und Frucht bringt, ist kein Grund nicht zu säen. Diese Erfahrung hat schon Jesus Christus gemacht. Er ist der erste Sämann und auch seine Saat fiel nicht nur auf fruchtbaren Boden. Doch liess er sich nicht davon abbringen zu säen. Halten auch wir am Säen fest und erfreuen wir uns an dem, was auf den guten Boden fällt. Und bleiben wir beständig im Gebet für diejenigen, die uns als Weg, als felsiger oder dorniger Boden erscheinen mögen.

Amen

Share Button
Dieser Beitrag wurde in Predigten veröffentlich und mit diesen Tags versehen , , , , , , . Verweis sezten auf denPermanentlink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.