Välte rockt!

Meine Rettung ist bei Gott und meine Ehre,
mein schützender Fels, meine Zuflucht ist in Gott.
Ps 62,8

Liebe Festgemeinde

Ein einleuchtendes Wort, das uns im Experiment mit den Kindern begegnet ist. Das Haus auf dem Modellsandberg hält dem starken Regenguss nicht lange stand. Das Haus auf dem Fels dagegen widersteht der Naturgewalt viel besser. Ein eindrücklicher Versuch!

Doch was will das Jesuswort uns sagen?

Gewiss, es geht nicht darum klassisch-römische Baukunst und ihre Grundlagen weiter zu geben. Keine antike Architekturlehre, die da referiert wird, auch wenn Jesus das Bild vielleicht aus seinem angestammten Beruf als Zimmermann und Hausbauer nimmt. Gut möglich, dass er die Weisheit über den Untergrund und seine Beschaffenheit von Josef, seinem Ziehvater, lernte.

Dass ein Haus ein gutes Fundament braucht, soll es lange und stabil stehen, braucht kaum weitere Erklärungen. Doch das Bild des Bauens auf Sand, das stimmt zumindest in der heutigen Zeit so nicht mehr.

Das höchste Haus der Welt, der Burj Khalifa, steht ja in Dubai. Mitten in einer Megametropole, die im wahrsten Sinn des Wortes „auf Sand“ gebaut ist. Ja, erst der sandige Boden habe es möglich gemacht, einen so hohen Wolkenkratzer zu bauen. Denn der Druck und das Gewicht des Turms könnte gar nicht über ein flaches Fundament abgeleitet werden. Nur dank den Betonpfeilern, die 70 Meter tief gehen und ihrer grossen Reibungsfläche ist es möglich, so hoch in Himmel zu bauen.

Auf Sand bauen, ist viel weniger instabil, als es das Jesuswort, das uns sprichwörtlich geworden ist, vermuten lässt. Es ist sogar nicht einmal so, dass es immer eine gute Sache ist, wenn man auf Fels baut.

Wir müssen gar nicht weit suchen. Schon in die Au werden wir fündig. Wer Pech hat, dessen Einfamilienhaus steht direkt auf Fels. Es ist die selbe Gesteinsplatte, die im Steinbrauch gesprengt wird.

Bei Besuchen in solchen Häusern, bin ich schon das eine oder andere Mal heftig erschrocken, als das ganze Gebäude auf einmal von einer Sprengung erschüttert wurde. Wenn dann die Besuchten auch noch abwinken und meine: „Das ist ja noch gar nichts! Manchmal bebt es noch viel heftiger“, dann Schluck zumindest ich noch einmal leer. Das Motto vom Jugendfest, wird so zumindest für ein Teil aus der Au unangenehme Realität – Välte rockt – ganz wörtlich.

Auf Fels und nicht auf Sand bauen – zumindest für den Baustatiker scheint diese Weisheit nicht mehr länger uneingeschränkt zu gelten. So ist es dann vielleicht auch kein Zufall, dass Fels im englischen Rock heisst, sich zu wiegen und zu wanken to rock. Wer weiss, vielleicht kommt es daher, dass man schnell das Gleichgewicht verliert, wenn man auf so ein grossen, abgerundeten Stein, so einem kleinen Felsn, steht.

Doch wenn das Gleichnis so nicht wörtlich zu nehmen ist, wie ist es dann zu verstehen?

Ich meine, es geht nicht um Stabilität, sondern wie gebaut wird und ob es immer möglich ist, so zu bauen, wie es das Jesuswort nahe legt. Es gibt zwei Arten ein Haus zu bauen – Zwei Arten sein Leben zu führen. Es gibt den einfachen und es gibt den schweren Weg. Beide haben ihre Vorteile – doch nicht immer kommt man mit beiden zum Ziel.

Schauen wir zuerst auf den leichten Weg:
Die Baugrube im sandigen Untergrund ist schnell geschaufelt. Zwar gelingt es nicht nicht ohne Anstrengung und man kommt tüchtig ins Schwitzen. Doch im Vergleich zu einem Fundament, das mit Hammer und Meissel in den Felsen hineingetrieben werden muss, ist so ein Graben im Sand leicht auszuheben.

Das Fundament im Sand – Es trägt das Haus in vielen Lebenslagen sicher. Nur wenn es, wie im Gleichnis, einen Jahrhundertregen gibt und das Fundament wegspült, dann wird vom Ergebnis her deutlich – es hat nicht genügt. Wer auf sein Haus auf Sand baut, der ist kein faulen Minimalist, sondern einer, der sich an dem orientiert, was es gerade braucht.

Ganz anders derjenige, der auf Felsen baut. Das Bild für den schweren Weg. Nicht nur Schweiss und Kraft muss er investieren. Es braucht auch viel Zeit. Das Werk ist nicht an einem Tag vollbracht. Ja, es kann sein, dass man dabei auf so harte Gesteinsschichten trifft, dass man am liebsten Hammer und Meissel von sich wirft und das Werk aufgibt, bevor es vollendet ist. Es ist mühsam. Es ist schwer in den Fels hinein zu graben!

Das Bild vom Hausbau und seinem Untergrund, es ist für mich ein Bild für das Leben. Immer wieder werden wir vor die Entscheidung gestellt. Entweder, wir machen was gerade Not tut – oder mir bauen im Blick auf veränderte Anforderungen von der Zukunft.

Dabei ist es gar nicht dumm sich durch das, was gerade im Moment nötig ist, leiten zu lassen. Nicht immer ist so eine Jahrhundertflut vorhersehe bar. Es ist unbezahlbar für alle Eventualitäten gerüstet zu sein!

Was heisst das jetzt für uns und unsere Kind?

Wir schicken sie in die Schule. Wir vertrauen darauf, dass sie das Rüstzeug für das Leben mitbekommen. Wir erwartet, dass sie das nötige lernen, damit sie später ein guten und passenden Beruf lernen können und das Leben meistern.

Die Schule legt Grundlagen, doch kann sie nicht auf alle Eventualitäten vorbereiten. Die Schülerinnen und Schüler, die sich nur an den Hausaufgaben und am Prüfungsstoff orientieren, den die Lehrerinnen und die Lehrer aufgeben, bekommen das mit, was Not tut. Sie bauen auf Sand – läuft alles normal, dann steht das Gebäude ihres Leben auf guten Füssen – doch für das Jahrhundert Gewitter sind sie nicht gerüstet.

Es braucht mehr um in Fels zu bauen, als was die Schule verlangt. Wer schon als Kind sich in seinem Lernen nicht nur von der Schule, sondern auch von den eigenen Interessen leiten lasst; Wer sich in einem Verein oder in der Kirchen engagiert; Wer mehr im Kopf hat, als das eigene Vergnügen – der baut nicht auf Sand. Der baut in Fels hinein, denn er legt Grundlagen, die tragen, auch wenn sich die Bedingungen verändert. Denn er kann, was sonst keiner kann. Er baut ein Netzwerk auf, das einzigartig ist. Er gewöhnt sich den Blick durch die Augen seines nächsten an, so dass er das Ganze erfassen kann.

Man kann schon als Schülerin oder Schüler damit beginnen, auf Fels zu bauen – doch die wenigsten tun dies. Das ist in Ordnung! Nicht jeder muss ein Streber sein. Es ist in Ordnung seine Jugend zu geniessen. Es ist nie zu spät, Hammer und Meissel in die Hand zu nehmen und ein Fundament in Fels zu treiben. Wer als Schüler nicht engagiert war, der darf es als Erwachsenen dennoch werden.

Doch was ist, wenn die Flut kommt? Was ist, wer erst in der Veränderungen – im starken Regen erkennt, dass er auf Sand baute? Ist er verloren? Hat er sein Leben vertan?

Nein. Denn auch im Gleichnis wird nur das Haus beschädigt, der Baumann aber entkommt unverletzt. Wir müssen uns nicht selber retten, indem wir mit viel Leid und Anstrengung immer darauf bedacht sind das Fundament unseres Lebens in Fels zu treiben. Wir müssen nicht in jedem Bereich krampfen und schwitzten. Wir können gar nicht immer auf Fels bauen.

Denn wir sind Menschen. Unsere Kraft ist begrenzt. Auch wenn wir unsere Häuser bis in Himmel bauen, wie der Burj Khalifa, so sind unseren Möglichkeiten doch Grenzen gesetzt. Wir müssen uns nicht selber retten.

Denn es gibt einen Felsen, in den die Baugrube bereits gelegt ist. Einen Felsen, der fest steht, auch wenn die stürmische Brandung der Zeit an seine Wände schlägt. Ein Fels steht in Ewigkeit.

Auch wer in seinem Leben oft auf Sand baute, darf sich diesem Felsen immer wieder auf das neue zuwenden. Es ist der Fels, der nicht erschüttert wird. Er steht nicht in der Zeit, sondern ist gegründet in der Ewigkeit.

Es ist Gott, der wahrhaftige Fels ist. Der Fels, in den Jesus ein Fundament hineingelegt hat. Er hat für uns die Baugrube ausgehoben. Er hat die ganze Arbeit geleistet. Er ist zur Baugrube geworden, in die wir uns gründen dürfen.

Wer in ihm verankert ist, der hat nicht auf Sand gebaut. Wer auf ihn vertraut, der darf feiern und tanzen. Er darf Välte rocken.
Amen

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