Was Kinder brauchen

Die aber, die auf den HERRN hoffen, empfangen neue Kraft,
wie Adlern wachsen ihnen Schwingen,
sie laufen und werden nicht müde,
sie gehen und ermatten nicht.
Jes 40,31

Liebe Gemeinde
Liebe Tauffamilie

Sie haben heute Alina zur Taufe gebracht. Wir durften diesen grossen Moment mit ihr miterleben. Schön, dass du Alina zu unserer Gemeinde dazugehörst.

Es ist ein besonderes Erlebnis für dich hier in der Kirche, auch wenn es bei weitem nicht das erste Mal ist, denn du Alina bist eine richtige kleine Schauspielerin. Sogar eine Hauptrolle durfte sie in ihrem zarten Alter schon spielen. Beim Krippenspiel der Sonntagsschule warst du, liebe Alina, das Jesus Kind in der Krippe. Ein erstes frühes Highlight in deinem Leben – wer weiss, vielleicht war es der Anfang einer internationalen Karriere bei Film und Fernsehen…

Aber für solche Gedanken ist es noch zu früh, vorerst sollst du Kind sein dürfen. Ein Kind mit liebevollen Eltern, einem hilfsbereiten Bruder, tollen Grosseltern und sogar einem Urgrossmami. Du darfst in der Geborgenheit deiner Familie aufwachsen. Das gibt guten Grund für das Leben. Es ist guter Boden, auf dem du eine starke Persönlichkeit werden darfst.

Stark sein, nicht unbedingt im Blick auf die Muskulatur, aber im Charakter, Zuversicht und Vertrauen entwickeln, das soll nach dem Plan Gottes jedes Kind dürfen. Leider gelingt dies nicht immer. Mannigfaltig sind die Gründe, an denen es scheitert. Eltern mangelt es an Liebe, die sie weiter geben können. Niemand in der Familie hat Zeit für die Kleinsten. Die finanziellen Möglichkeiten lassen nicht zu, dass die Kinder die beste Betreuung erhalten. Ein Elternteil wird schwer krank oder verstirbt gar. Hie und da können Eltern gar nichts dafür, wenn sie in ihrer Aufgabe scheitern – sie haben einfach nicht die Voraussetzungen, die es braucht, damit ihr Kind auf die eigenen Füsse kommt, die Welt entdeckt und sich Flügel wachsen lassen kann. Das ist traurig.

Doch was braucht es, wenn alle Voraussetzungen da sind? Was kann jungen Eltern mit auf den Weg gegeben werden, damit die Erziehung gelingt. Damit das Kind Flüge wird und das Urvertrauen entwickeln kann, das nötig ist um eine eigenständige Persönlichkeit zu werden?

Eigentlich gar nicht viel. Liebe, Zuspruch und Trost. Nicht viel, eigentlich – und doch oft ganz schwer zu geben. Wie gut ist es da, dass sich Eltern auf den Zuspruch von Gott verlassen dürfen. Er macht ihnen ein Angebot. Er will, so man ihn bittet, mit seiner Kraft helfen. Eine Hilfe, die nicht bevormundet. Hilfe, die nicht unsere menschliche Anstrengung ersetzt. Aber auch eine Hilfe die unterstützen und trösten will. Es ist seine göttliche Hilf, die unsere menschliche Liebe, unseren Zuspruch und Trost umfasst und ihnen den rechten Boden gibt.

Doch eines um das andere…

Jedes Kind braucht Liebe.

Gerade bei den Babys wird das besonders deutlich. Sie können sich nicht selber warm geben oder Kleider anziehen. Sie können sich nicht selber Trinken und Essen besorgen. Sie können sich nicht selbst gegen schädliche Einflüsse der Umwelt zur Wehr setzten. Sie sind ohne ihre Mutter verloren.

Nur die liebende Zuwendung der Mama lässt sie die ersten Tage überstehen. Sie gibt dem Baby nicht nur Nahrung und Wärme. Es ist so viel mehr, dass die Liebe der Mutter beim Kind bewirkt.

Mittlerweile lässt sich dies wissenschaftlich beweisen. Untersuchungen an Frühchen haben gezeigt, dass sie sich besser entwickeln, wenn sie viel Hautkontakt zu ihrer Mutter haben. Sie entwickeln sich besser, obwohl sie beim Kontakt mit der Mutter eigentlich die schlechteren Bedingungen haben als im Inkubator.

Die Liebe, die ein Kind erfährt, ist ganz wichtig. Nur wenn es geliebt wird, kann es das Urvertrauen entwickeln, das ein Leben in Beziehung möglich macht.

Auf der liebevollen Beziehung kann der Zuspruch als zweites aufbauen. Der Zuspruch hilft einem Kind auf eigene Füsse zu kommen. Ja, er lässt ihm ein Stück weit Flügel wachsen. Im Zuspruch darf der junge Mensch hören: „Du kannst das! Du schaffst das! Es lohnt sich, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen.“

Ein Kind, dem dieser Zuspruch fehlt, wird nicht zu einem lebensmutigen Erwachsenen heranreifen können. Wer schon als Kind hört: „Du kannst das nicht. Du bist ungeschickt. Du bist dumm“, der wird mit grosser Wahrscheinlichkeit wirklich einmal ungeschickt und dumm werden. Denn es fehlt ihm an Ansporn, seine Geschicklichkeit zu entwickeln und von seiner Intelligenz Gebrauch zu machen.

Er wird nicht der Mensch, als den Gott ihn gedacht hat. Er wird es nicht, weil ihm der Zuspruch fehlt. Weil er die Talente, die Gott ihm in die Wiege legte, nicht entdecken durfte.

Liebe und Zuspruch geben eine gute Basis. So wird ein Mensch ermächtigt die Welt zu entdecken, seine Talente und Fähigkeiten zu entwickeln und die Liebe weiter zu geben.

Doch wer sich in der Welt versucht, der wird nicht immer auf Anhieb Erfolg haben. Bis ein Kind laufen, hüpfen, tanzen und rennen kann, wird es mehrere hundert, ja mehrere tausend Mal hingefallen sein. Jeder einzelne dieser kleinen Stürze tut weh. Vielleicht nicht körperlich, aber doch dem Gemüt. Da ist es gut, wenn Mutter und Vater einem tröstend in die Arme nehmen. Wenn Sie einem Mut machen und die Träne abwischen.

Es ist ein Segen, wenn sie mit diesem Trost nicht aufhören, wenn das Kind laufen kann!

Liebe Tauffamilie, liebe Eltern, Liebe Gemeinde

Ich bin davon überzeugt, dass ihr euren Kindern all dies gebt. Dass ihr sie mit ganzem Herzen lieb habt, dass ihr ihnen Zuspruch schenkt, der ihnen Flügel wachsen lässt, und dass ihr sie tröstend in die Arme nehmt, wann immer sie hinfallen und scheitern.

Ich bin davon überzeugt, dass ihr das alles mit eurer ganzen menschlichen Macht tut und nur das Beste für eure Kinder wollt. Und doch: Eines Tages kommt der Moment, an dem wir unsere Kinder loslassen müssen. Der Moment an dem sie ihre eigenen Wege gehen wollen und wir gut beraten sind, sie ziehen zu lassen. Unsere Liebe bleibt ihnen gewiss, auch wenn wir ihnen nicht mehr denselben Zuspruch geben können und sie nicht mehr tröstend in den Arm schliessen. Eines Tages wird unser menschliches Vermögen an seine Grenze stossen.

Wie gut ist es da, dass wir von Gott ein Versprechen haben. Er verspricht uns sogar zwei Dinge, wie es ihm Taufspruch von Alina zum Ausdruck kommt. Wo du ihn bittest, da will er dir Helfer sein.

Liebe Alina, Gott will dir Flügel schenken und dir neue Kraft geben, du musst ihn nur darum bitten.

Liebe Jasmin, lieber Michael, das Versprechen gilt auch für euch. Wo ihr mit euren Kindern an Grenzen stosst, wo ihr keine Kraft mehr habt, da dürft auch ihr den lieben Gott bitten.

Doch nicht nur euch, sondern auch uns, liebe Gemeinde, will er neue Energie schenken. Wir müssen ihn bloss bitten und auf ihn hoffen. Dann gilt auch für uns:
„Die aber, die auf den HERRN hoffen, empfangen neue Kraft,
wie Adlern wachsen ihnen Schwingen,
sie laufen und werden nicht müde,
sie gehen und ermatten nicht.“
Amen

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