Konfirmationspredigt: Bedingungslose Liebe

Gott verspricht uns in Abraham: „Ich bin mit dir und behüte dich, wohin du auch gehst […] Denn ich verlasse dich nicht, bis ich getan, was ich dir gesagt habe.
Gen 28,15

Liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden
Liebe Festgemeinde

Mega toll, wie ihr miteinander das kleine Theater vorbereitet, eingeübt und uns heute vorgespielt habt. Es ist schön zu sehen, mit wie viel Einsatz ihr mit dabei seid. Es zeigt, ihr habt viel in eurem Unterricht bei Frau Frauchiger und mir gelernt.

Man könnte den Inhalt eures Unterrichtes auf die Formel bringen: Gott hat uns gern. Er liebt uns ohne Bedingungen.

Gott ist zu uns wie der Vater im Stück des verlorenen Sohnes, das ihr uns gespielt habt.

Ein Vater – und man darf wohl auch ergänzen: eine Mutter – liebt ihre Kinder. Unbedingt und ohne, dass sich das Kind diese Liebe verdienen müsste. Das könnten unsere Kinder auch gar nicht. Sie kommen als Babys auf diese Welt. Sind klein und hilflos – gar nicht fähig sich die Liebe ihrer Eltern durch irgendetwas zu verdienen.

Doch die Babys wachsen heran. Sie werden zu Kindern. Wenn Eltern ihre Kinder mit Liebe umgeben, werden sie von ihren Kindern zurück geliebt. „Mein Papi ist der Grösste!“ „Nein, mein Mami ist noch viel besser!“ tönt es, wenn sich Kindergartenkinder über ihre Eltern austauschen.

Da ist es nur verständlich, dass manche Eltern auch ein wenig geschockt sind, wenn die Kinder in die Pubertät kommen und man als Mami und als Papi nicht mehr per se der Grösste ist. Gewiss hat man es oft gelesen – aber es nun zu erleben ist doch noch etwas anderes. Als Eltern von Heranwachsenden muss man lernen „einen Kaktus zu umarmen“, wie es ein bekanntes Ratgeberbuch lehren will.

Ja, manchmal sind auch wir Erwachsenen Gott gegenüber, wie Teenager. Wir wollen uns bei ihm geborgen fühlen, aber mit ihm bloss nicht in der Öffentlichkeit gesehen werden. Ganz so, wie es auch unsere Jungen hie und da tun.

Doch hören wir auf, sie zu lieben? Wie mehr wird dann erst Gott lieben! Er lässt seine Menschen nicht aus seiner Liebe fallen. Auch wenn wir uns ihrer unwürdig zeigen. Christus ist ein Meister darin, Kakteen zu umarmen.

Gott liebt uns unbedingt – so habt ihr es, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden formuliert. Gott liebt uns – doch das soll und darf Konsequenzen haben. Es soll und darf sich in unserem Leben zeigen.

Wo es sich zeigt, reift es als Frucht der Liebe Gottes – es wird nie zur Ursache dieser Liebe, sonst wäre die Liebe von Gott nicht länger unbedingt. Doch weil es eine Frucht dieser Liebe ist, ist es ein Stück von Gottes Wirken in dieser Welt.

Auch das zeigt sich in der Geschichte des verlorenen Sohnes. Der Vater hat zwei Söhne. Einer, der in die Fremde zieht und einer, der daheim bleibt. Beiden gilt seine Liebe.

Doch nur für einen Sohn hat diese Liebe auch Konsequenzen. Der andere bleibt daheim. Er bleibt in seinem Kind sein. Er will nicht erwachsen werden, auch wenn er mit vollem Einsatz wie ein Grosser bei seinem Vater arbeitet. Er bleibt ein Kind, das es nicht wagt für ein Fest seinen Vater um einen Ziegenbock zu bitten.

Vielleicht hat der daheimgebliebe Sohn um den Wert dieser väterlichen Liebe gewusst. Vielleicht hat er Angst gehabt sie zu verlieren, wenn er sich auf sie verlässt und etwas wagt; wenn er erwachsen wird. Er schliesst die Liebe seines Vaters ein, wie man Geld in einen Tresor einschliesst. Doch eingeschlossene Liebe kann ihre Kraft nicht entfalten.

Erst im Scheitern wird sie mächtig. Das erfährt der Sohn, der die Welt entdecken wollte.

Der biblische Text schweigt sich aus über seine Motive. Ob der junge Mann eine frühe Form des Phänomens des „RichKids“ war, oder ob er mit dem Geld des Vaters eine Handelsfiliale gründen wollte, lässt der Text offen. Für das Zweite gibt es den einen oder anderen verborgenen Hinweis.

Wer auf Gott vertraut, der kann es wagen erwachsen zu werden. Der kann es wagen seinen Weg vom Jugendlichen zum jungen Erwachsenen zu gehen.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden
Ihr steht jetzt am Anfang dieses Weges. Ihr seid die ersten Schritte gegangen. Ihr habt angefangen euch auszuprobieren. Ihr beginnt eure Freiheit zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen für euer Tun und Lassen. Das ist gut so.

Ich wünsche euch, dass ihr euch dabei von der Erfahrung unseres Konflagers auf der Saône leiten lasst.

Von dieser Reise, meine ich, könnt ihr drei ganz wichtig Stücke lernen.

Wir sind miteinander unterwegs gewesen. Das hat sich besonders dort gezeigt, wo wir mit unserem Hausboot durch Schleusen fahren mussten. Es brauchte jeden. Die, die auf dem Boot geblieben sind und es mit Tau und Seil an seinem Platz gehalten haben, aber auch die, die ausgestiegen sind, um die Schleusentore zu schliessen und die Schieber zu bedienen. Jeder arbeitete mit, aber nicht jeder tat das Gleiche.

Miteinander und doch im Einbringen unserer ganz eigenen Talente und Begabungen waren wir gemeinsam auf dem Weg. Das Ziel haben wir erreicht, weil wir zusammen arbeiteten. Weil sich keiner zurück lehnte, wenn es galt, anzupacken.

So hat mir das gemeinsame Unterwegs sein Spass gemacht. Ich hoffe, auch euch. Doch auch im Zusammenarbeiten sind wir nicht vor der einen oder anderen Herausforderung bewahrt geblieben.

Eine verstopfte Toilette hat uns das Unterwegs sein zwischenzeitlich etwas verleiden lassen. Gut, dass wir dabei nicht allein Unterwegs waren. Meine Mutter, die uns begleitete, konnte helfen.

Oft können uns unsere Eltern auch im grössten Schlamassel noch helfen. Unsere Mamis und Papis stehen uns auch im grössten Mist bei und helfen aufzuräumen und den Abfluss wieder frei zu kriegen.

Nicht nur bei einer verstopften Toilette können sie helfen. Wo immer euch euer Lebensweg hinführt, haltet den Kontakt zu euren Eltern. Ihr habt nur eine Mutter und einen Vater. Auch wenn sie nicht perfekt sind, sie tun doch ihr bestes. Sie gaben und geben euch auf den Weg mit, was sie können. Sie wollen euch bestimmt auch weiter begleiten. Das ist nicht selbstverständlich. Man darf es auch einmal sagen.

Doch werden unsere Eltern uns nicht immer begleiten können. Es gilt auch gehen zu lassen. Es gilt auch die eigenen Wege zu finden. Gut, wenn man auf all diesen Wegen eine Rettungsweste mit dabei hat.

Ja, ich weiss, ihr habt es gar nicht geschätzt in den Schleusen Schwimmwesten tragen zu müssen. Sie sind unbequem und schränken die Bewegungsfreiheit ein.

Mancher Zeitgenosse fühlt sich so mit dem Glauben. Er ist manchmal etwas sperrig. Hie und da wird er auch als Einschränkung der Freiheit empfunden. So lange alles gut geht, geht es im Leben ohne einen tragenden Glauben an Jesus Christus, wie es bei Hausbootfahren auch ohne Schwimmweste geht.

Zum Glück haben wir es bei unserer Reise nicht testen müssen. Aber eine Schwimmweste in der Schleuse kann Leben retten, wenn jemand über Bord fällt. An den harten Wänden der Schleuse schlägt man sich den Kopf nur allzu leicht ohnmächtig. Wer ohnmächtig ist, kann nicht mehr schwimmen.

Der Glaube kann in der Ohnmacht des Lebens tragen. Darum wünsche ich euch, dass ihr ihn nicht gering achtet. Das ihr ihn nicht möglichst schnell ablegt, wie die Schwimmwesten, die oft noch halb in der Schleuse schon wieder versorgt waren.

Damit der Glaube tragen kann in der Ohnmacht, die einem das Leben schlagen kann, muss er getragen werden. Pflegt euren Glauben! Nicht, weil Gott seine Liebe daran knüpft, das macht er nicht. Sondern pflegt ihn, weil nur ein gepflegter, ein lebendiger Glaube tragen kann, wie auch die Schwimmweste nur über Wasser hält, wenn man sie an hat.

Nehmt das Bild unserer Reise und die schönen Erinnerungen daran mit auf euren Lebensweg. Geht ihn in Gemeinschaft, in der jeder seinen Beitrag leistet. Haltet Kontakt zu euren Eltern und lasst euch auch einmal helfen. Tragt den Glauben und pflegt ihn, damit er euch trägt, wenn ihr in die Strudel des Lebens geratet.

Gott gibt uns ein Versprechen. Ein Versprechen, das er gewiss hält. Auf Gott dürfen wir vertrauen, denn er sagt: „„Ich bin mit dir und behüte dich, wohin du auch gehst […] Denn ich verlasse dich nicht, bis ich getan, was ich dir gesagt habe.“
Amen

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