The Winner takes it all

Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt. Und das ist es, was uns die Welt besiegen lässt: unser Glaube.
1 Joh 5,4

Liebe Gemeinde

Der Sieger nimmt alles
Die Verlierer wirkt klein neben ihm.
Neben dem Sieger stehen sie. Es ist ihre Bestimmung…

Diesen Gedanken brachte Björn Ulvaeus im Jahr 1980 zu Papier. Er verarbeitete mit diesen Zeilen die Trennung und nachfolgende Scheidung von seiner Frau. Rund zehn Jahre lang teilten sie das Leben miteinander. Gemeinsam zogen sie zwei Kinder auf. Viele sahen in ihnen das Traumpaar der 70er Jahre. Es hätte wunderbar sein können. Doch die Liebe zwischen ihnen erlosch. Der Alltag wurde zum Kampf.

Wer ging als Sieger aus diesem Kampf hervor? Wer unterlag? Fühlten sich nicht beide als Verlierer?

„The winner takes it all
The loser’s standing small
Beside the victory that’s her destiny“

Das Lied, das aus seinen Gedanken entstand, war einer der letzten Erfolge der Gruppe ABBA. „The winner takes it all“ blickt voll Melancholie auf vergangenes Glück zurück. Ein Glück, das voll Leben war. Ein Glück, das beide in den Himmel – in den siebten – hinauf trug. Ein Glück, das unverwüstlich schien. Ein Glück…

Doch, das Glück zerbrach. Es blieb auf der Strecke, weil zwei Menschen ihr eigenes Glück mehr suchten als das gemeinsame. Einer siegte. Aber es bleibt offen, ob das neue, eigene Glück wirklich grösser sein kann, als das gemeinsame Glück, das beide gehabt haben. Es bleibt offen, ob es den Gewinner gibt, der alles nimmt.

Auch wenn das Glück zerbrach, kämpft der Verlierer weiter. Man spürt es in der Melodie des Liedes. Noch einmal bäumt sich die Liebe mit aller Macht auf. Sie wird ganz gegenwärtig. Sterbend zeigt sie sich in aller Kraft.

Es stimmt. Der Gewinner nimmt alles. Der Verlierer windet sich neben ihm in seinem Schicksal. Der Verlierer kann nicht anders – es ist seine Bestimmung.

Immer wenn es Sieger gibt, gibt es auch Verlierer.

Nicht nur im Song der schwedischen Popgruppe der 70er Jahre ist das so. Jeder Sieg gebiert auch Verlierer. Nur allzu oft sind sie den Siegern an Zahl überlegen. Es gibt mehr Verlierer auf dieser Welt als solche, die gewonnen haben. Ja, manchmal fühlt sich auch der Sieger, wie ein Verlierer. Mir wäre es an der Stelle von Björn Ulvaeus so ergangen.

Der Preis des Siegs ist mit unter ein hoher Preis. Wer gewinnen will, muss diesen Preis tragen. Er sollte sich die Frage stellen, ob er es wert ist. Wer nur den Sieg vor Augen hat, läuft Gefahr im Rückblick eine Niederlage zu erkennen.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich die Sprengkraft unseres Predigtverses. Er ist alles andere, als ein harmloser Satz. Er ist schon gar nicht der kraftlose Satz, der gern überlesen wird.

Der Vers aus dem ersten Johannesbrief ist ein Hammerschlag: „Alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt!“

Ein Hammerschlag, den ich nur ertragen kann; den ich nur verkraften kann, wenn ich ihn in drei Stücken empfange. Drei Stücke, die mit drei Fragen verbunden sind: „Wer darf von sich sagen, dass er von Gott gezeugt ist? Wer wird besiegt? Und wie sieht dieser Sieg aus?“

Wer ist von Gott gezeugt?

Wenn ich im Alten Testament die Vätergeschichten lese, dann stosse ich immer wieder auf den ganzen Stammbaum. Kapitelweise wird dabei erklärt, wer wessen Sohn war, wie dessen Frau hiess und wie viele Kinder sie gemeinsam hatten. Dabei taucht das Wort „Zeugen“ beständig auf. „Henoch zeugte Irad, Irad zeugte Mehujaël, Mehujaël zeugte Metuschaël, Metuschaël zeugte Lamech.“ (Gen 4,18) und so weiter.

Doch von keinem heisst es, dass Gott ihn zeugte. Mensch folgt auf Mensch. Der Mensch bringt den Menschen hervor. War es beim Menschen, bei Adam, anders? Vielleicht heisst es von ihm, dass er von Gott gezeugt sei?

Nein, das heisst es nicht. Adam wurde nicht gezeugt. Er wurde erschaffen. Was aber geschaffen ist, kann nicht gezeugt sein. Denn was gezeugt ist, hat das gleiche Wesen, wie der, der zeugt. Der Mensch zeugt den Menschen. Er ist von seinem Wesen her Mensch.

Weil der Mensch nicht aus Gott gezeugt ist, kann der Mensch die Welt nicht besiegen. Er kann das Schlechte und das Böse nicht hinter sich lassen. Ja, aus allem Guten und Gerechten, das er versucht zu tun, kann immer wieder nur das Falsche werden.

Der Mensch will die Welt überwinden. Er will Sieger sein – doch der Sieger schafft viele Verlierer. Der Mensch kann sich nicht selbst rechtfertigen. Er bringt nichts Gutes hervor. Er bleibt in all seinem Streben Sünder vor Gott. Ja, in all seinem Streben verstrickt er sich nur umso deutlicher in seine Schuld.

Doch beim Menschen wird deutlich. Der Vater zeugt den Sohn.

Was für den Mensch gilt, gilt auch für Gott. Gott der Vater zeugt Gott, den Sohn. Vater und Sohn sind in gleicher Weise Gott. Sie sind eins, auch wenn wir wie von zwei Personen reden.

Es ist darum allein Gott, der Sohn, der von sich sagen kann, er sei von Gott gezeugt.

Will der Mensch die Welt überwinden; will er sie besiegen, so kann er es nicht von sich aus. Nur im Sohn, in und mit Christus kann er es. Es ist der Glaube, der dem Menschen Anteil gibt. Im Glauben werden wir neu. Im Glauben werden wir von Gott gezeugt. Nicht wir sind von Gott gezeugt, sondern im Glauben haben wir Anteil. Dem Glauben, der nicht unser Werk ist, sondern die Wirkung des Heiligen Geistes in unserer Seele.

Zur zweiten Fragen: „Wer besiegt wen?“

Zwei Parteien kommen in Fragen. Gott und der Mensch. Siegt Gott über den Menschen oder der Mensch über Gott?

Um zu verstehen, blicken wir auf den Kampfplatz und darauf, in welcher Form Gott diesen Kampfplatz betritt.

Es ist Gott der Sohn, der antritt. Er ist es, der in Jesus Mensch wird. Er kämpft mit der Liebe Gottes. Er stellt der Welt den Himmel vor. Er heilt Kranke und treibt Dämonen aus. Er vergibt dem, der um Vergebung bittet.

Doch die Welt lässt sich nicht von seiner Botschaft einnehmen. Sie will nicht umkehren. Der Mensch will nicht, dass ihm vergeben wird. Er kann es nicht wollen – denn er weiss: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen: Ich bin immer gerecht gewesen. Ich habe fair gespielt!“

So schlägt die Welt den Sohn Gottes ans Kreuz. Sie tötet ihn. Sie besiegt ihn – scheinbar.

Doch unverständlich und unbegreiflich: In diesem besiegt werden, siegt Gott am Kreuz über die Welt. Am Kreuz ist Gott und Welt besiegt. Im Streben nach dem Sieg gibt es nur Verlierer. „The winner takes it all – the loser standig small“.

Die Beziehung von Björn Ulvaeus zerbrach an seinem Sieg. Weder er noch seine Ex-Frau gewannen dabei. Auch die Beziehung von Mensch und Gott zerbricht am Kreuz.

Doch es ist die alttestamentliche Beziehung zwischen Gott und Mensch, die am menschlichen Streben nach dem Sieg zerbricht. Das Alte geht zu Grunde. Die Sünde, die vom Menschen verfälschte Gottesbeziehung, zerbricht endgültig. Am Kreuz überwindet Gott die Welt, in dem er sich von ihr besiegen lässt.

Die Qualität dieses Sieges ist ganz anders als jeder irdische Sieg. Es ist ein Sieg, der so gar nicht in diese Welt passt.

Die Antwort auf die dritte Frage: „Wie sieht den Sieg aus?“ lautet deshalb:

Dieser Sieg sieht wie eine Niederlage aus. Er ist die Umkehr aller Werte. Am Kreuz wird die Welt auf den Kopf gestellt. Oder besser: Sie wird wieder auf die Füsse gestellt. Denn es war die Sünde Adams, die die Welt auf den Kopf stellte.

Dieser Sieg bleibt eine Niederlage, wenn die Welt das Kreuz nicht annimmt. Das Kreuz bleibt eine Torheit, wenn der Mensch das Geschenk, das damit gemacht wurde, nicht annimmt.

Doch im Glauben ist uns Anteil geschenkt am Sieg Gottes. Der Sieg über die Welt – Der Sieg über ihre Verkehrtheit – ist kein Sieg, wie wir ihn kennen. Er unterscheidet nicht zwischen Verlieren und Gewinnen. Er trennt nicht Besiegte und Sieger.

Ganz anders als der Sieg, den ABBA besingt, ist der Sieg Gottes ein Sieg ohne Verlierer. Es gibt keinen, der im Schatten stehen muss. Es gibt keinen, der in ihm klein gemacht wird.

Viel mehr ist dieser Sieg ein Sieg, der gross macht. Der Besiegte – die Welt und mit ihr auch ich – darf den Sieg vom Sieger nehmen. Er ist mir und uns unverdient gegeben.

Nur einer ist von Gott gezeugt. Nur der Sohn darf den Vater nennen. Doch im Glauben wird mir Gott zum Vater durch den Sohn. In ihm darf auch ich zu Gott dem Vater kommen. Darf ihn mit Christus beim Namen nennen.

Im Sieg Christi werden ich, du und die Welt verwandelt. Wir werden zu Kindern Gottes. In Jesus dürfen wir zu Gott Vater sagen. Wir dürfen mit Jesus beten: Abba, Vater, danke für deinen Sieg. Danke, dass wir dich kennen dürfen. Danke, dass du für uns die Welt überwunden hast. Danke, dass du uns den Sieg schenkst.
Amen

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