Paradies

Gott fragt:
„Ist nicht dies ein Fasten, wie ich es will:
Ungerechte Fesseln öffnen, die Stricke der Jochstange lösen und Misshandelte freilassen und dass ihr jedes Joch zerbrecht?
Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen und dass du Arme, Obdachlose ins Haus bringst?
Jes 58,6f.

Liebe Gemeinde

In Paradiso am Lago die Lugano im Tessin verbrachte meine Familie die ersten Sommerferien, an die ich mich erinnern kann. Es sind keine klaren Erinnerungen, die ich habe. Mehr einzelne Fetzen aus Bildern, Tönen und Gerüchen. Kurze Szene mehr geträumt als erinnert. Schöne Gefühle steigen in mir auf, wenn ich Bilder davon im Familienalbum sehe. Sogar bei jenen Ausflügen, bei denen ich dabei war, was Fotografien beweisen, ich selber aber mich nicht erinnere, umfällt mich Wehmut. Die Sehnsucht ist stark in mir nach jenem Ferienort, den es so wohl nur in meinen Erinnerungen gibt. Nur oberflächlich steht er in Beziehung zu Paradiso im Tessin.

Paradiso – Es ist in meinen Ferienerinnerungen wirklich ein Paradies gewesen. Ich vermisse es. Ich möchte dorthin zurück. Wieder so unbeschwerte Tage erleben und alles ganz neu entdecken, wie man es nur als Kind kann. Im Pool planschen und mit meinem Vater am Hafen fischen. Mich als Riese fühlen im Swissminiatur und dort mit der Gartenbahn fahren. Selber Lockführer sein auf dem Spielplatz mit der echten alten Dampflock. Ach waren das schöne Zeiten in Paradiso! Ich will zurück ins Paradies.

Ein kleines Paradies zu finden ist ein Wunsch von vielen Menschen. Es muss nicht der Ferienort der Kindheit sein. Es muss nicht gross sein. Es darf ganz bescheiden sein. Hauptsache man darf sein, wie man ist. Man darf ganz Mensch sein.

Unsere kleinen Paradiese nehmen mehr oder weniger bewusst vor weg, auf was wir im Jenseits hoffen. Je nachdem, wie unsere irdischen Paradiese beschaffen sind, stellen wir uns das Jenseits und den Himmel vor. Vielleicht als Garten, vielleicht als ein altes Haus, vielleicht als Blumenwiese, bewaldete Inseln oder als sanftes Grasland mit einem Wasserfall.

So unterschiedlich wir Menschen sind, so unterschiedlich sind unsere Vorstellungen und Hoffnungen. Das darf sein. Es ist gut so. Die Bibel sagt uns nicht, wie es sein wird, sondern sie stellt uns unterschiedliche Sinnbilder vor. Das Reich Gottes sei wie ein grosses Gastmahl; wie ein Haus mit vielen Wohnungen; wie eine goldene Stadt; wie eine Perle im Acker und vieles andere mehr.

Diese Bilder sind wie die Vorstellungen von Ferienzielen im Reisekatalog. Es sind die Urlaubsorte der Reise unseres Lebens!

Auf unsere Sommerferien bereiten wir uns vor. Manchmal schon viele Wochen oder Monate vor dem Reisetermin. Wir machen uns Gedanken über das Ziel, informieren uns über landesübliche Gepflogenheiten, lesen vielleicht einen Reiseführer oder lernen gar ein paar Brocken der fremden Sprache. Selbst die Unvorbereiteten bereiten sich doch wenigsten so vor, dass sie ihren Koffer packen. Man nimmt mit, was man für nötig hält. Man nimmt mit, auf was man nicht verzichten möchte.

Der Koffer füllt sich mit Unterwäsche und Badezeug, mit Garderobe für Ausflüge und Abendessen, mit Ferienlektüre und Ladegeräten für all die Elektronik, auf die der moderne Mensch nicht verzichten will. Am Schluss ist der Koffer prall gefüllt. Gut möglich, dass man Übergepäck hat. Man nimmt einen grösseren Koffer und zahlt am Flughafen die Gebühr oder man muss doch das eine oder andere wieder auspacken. Nicht immer kann alles mitgenommen werden, was man gerne mit dabei hätte.

Wie in den Ferien, so ist es auch im Leben. Auch auf das Ziel unseres Lebens sollen und dürfen wir uns vorbereiten. Auch die Seele will sich für diese Reise rüsten.

Was packt sie in ihren Koffer?

Früher und auch noch heute, versuchte man seinen Seelenkoffer zu packen, in dem man fastete. Fasten meint bewusst Verzicht zu üben. Wer fastet, versagt seinem Körper die Nahrung ganz oder er verzichtet wenigstens auf bestimmte Speisen. Er kann aber auch anders fasten. Heute kann man es tun, in dem man den Fernseher ausgeschaltet lässt und auf das Radio verzichtet. Oder man lässt für einmal Zigaretten und Schokolade links liegen.

Es gibt unzählige moderne Ideen des Fastens und es kann eine gute Übung sein, die eine oder andere Form selbst auszuprobieren.

Gegen das Fasten ist wenig einzuwenden. Es bereitet nicht nur die Seele auf die Begegnung mit Gott vor, sondern macht einem schon im Leben vieles bewusster. Wer fastet erfährt oft, dass er für andere Dinge Zeit hat. Zeit, die im Alltag oft fehlt.

Es ist gut das Fasten in seinen Koffer zu packen.

Doch wer in seine Reisetasche nur das Badezeug einpackt, merkt am Urlaubsort, dass er nichts für Regentage dabei hat. Wer nur für Kultur gerüstet ist, verpasst die Natur. Anstatt am paradiesischen Strand ein erfrischendes Bad in den Wellen zu nehmen, muss man weiterziehen, Badehose und -Tuch fehlen. Das ärgert und verdirbt die Freude an den Ferien.

Nur wer ausgewogen packt, ist für vieles vorbereitet. Nicht nur auf der Ferienreise. Auch Gott, unser himmlischer Reiseleiter, empfiehlt Ausgewogenheit für die Seelenreise.

Nicht nur das Fasten gehört zur Vorbereitung. Gott empfiehlt auch:
Ist nicht dies ein gutes Packen des Seelenkoffers, wie ich es will:
„Ungerechte Fesseln öffnen, die Stricke der Jochstange lösen und Misshandelte freilassen und dass ihr jedes Joch zerbrecht?
Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen und dass du Arme, Obdachlose ins Haus bringst?“

Beim Fasten konzentriert sich der Mensch auf sich selbst. Der Fastende steht im Mittelpunkt seines Fastens. Im Verzicht lernt er sich besser kennen. Man übt Verzicht und findet so zum Wesentlichen des eigenen Lebens.

In der Vorbereitung aber, die Gott uns im Prophetenbuch Jesaja empfiehlt, wendet sich der Blick vom eigenen Selbst ab. Nicht mehr der Fastende steht im Zentrum. Es geht nicht mehr um mich. In der Vorbereitung, die im Vers über der Predigt und noch ausführlicher in der heutigen Lesung vorgekommen ist, steht der Nächste im Zentrum.

Den Koffer unseres Lebens packen wir nicht durch uns allein. Wir packen ihn auch in der Gemeinschaft mit unseren Mitmenschen. In der Zuwendung zum Leidenden – ob aus eigener Schuld oder unverschuldet, spielt keine Rolle – und im Brechen des Brots mit den Hungrigen werden wir eingeflochten in das Netz des Lebens.

Es ist der Mensch in der Not, der uns näher zu Gott bringt. Doch nicht als Mittel, nicht als Empfänger einer guten Tat und nicht als einer, der uns vor Gott gut dastehen lässt. Der Mitmensch in Not bringt uns näher zu Gott, weil er mit uns auf dem Weg ist. Erst im Anteilnehmen und Helfen entsteht diese Weggemeinschaft.

Wenn wir den Koffer unseres Herzen öffnen und aus ihm Liebe und Zuwendung schenken, sind wir miteinander auf dem Weg. Da wird im Unterwegssein schon ein Stück des Paradieses Realität, auf das wir zu reisen.

Das Reich Gottes wird nicht erst dann und dort sein. In der Zuwendung zum Nächsten bricht es hier und jetzt an!

Es ist wie mit den Ferien. Wer sich gut auf seine Reise vorbereitet, der erlebt schon in der Vorbereitung ein Teil des Vergnügens und des Glücks der Reise. Das Packen des Koffers ist mehr als Vorbereitung. Es ist schon Teil der Ferien.

Was für unsere Ferien gilt, das gilt erst recht für das Reiseziel unseres Lebens. Gott begegnen wir nicht erst dann. Er ist mit uns. In der guten Vorbereitung erfahren wir seine Gegenwart. Im Miteinander mit unseren Nächsten sind wir mit ihm unterwegs!

Packt eure Koffer. Macht euch bereit für die Reise. Überlegt euch, wer euer Nächster ist. Packt mit ihm zusammen. Bon Voyage – Gute Reise!
AmenGott fragt:
„Ist nicht dies ein Fasten, wie ich es will:
Ungerechte Fesseln öffnen, die Stricke der Jochstange lösen und Misshandelte freilassen und dass ihr jedes Joch zerbrecht?
Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen und dass du Arme, Obdachlose ins Haus bringst?
Jes 58,6f.

Liebe Gemeinde

In Paradiso am Lago die Lugano im Tessin verbrachte meine Familie die ersten Sommerferien, an die ich mich erinnern kann. Es sind keine klaren Erinnerungen, die ich habe. Mehr einzelne Fetzen aus Bildern, Tönen und Gerüchen. Kurze Szene mehr geträumt als erinnert. Schöne Gefühle steigen in mir auf, wenn ich Bilder davon im Familienalbum sehe. Sogar bei jenen Ausflügen, bei denen ich dabei war, was Fotographien beweisen, ich selber aber mich nicht erinnere, umfällt mich Wehmut. Die Sehnsucht ist stark in mir nach jenem Ferienort, den es so wohl nur in meinen Erinnerungen gibt. Nur oberflächlich steht er in Beziehung zu Paradiso im Tessin.

Paradiso – Es ist in meinen Ferienerinnerungen wirklich ein Paradies gewesen. Ich vermisse es. Ich möchte dorthin zurück. Wieder so unbeschwerte Tage erleben und alles ganz neu entdecken, wie man es nur als Kind kann. Im Pool planschen und mit meinem Vater am Hafen fischen. Mich als Riese fühlen im Swissminiatur und dort mit der Gartenbahn fahren. Selber Lockführer sein auf dem Spielplatz mit der echten alten Dampflock. Ach waren das schöne Zeiten in Paradiso! Ich will zurück ins Paradies.

Ein kleines Paradies zu finden ist ein Wunsch von vielen Menschen. Es muss nicht der Ferienort der Kindheit sein. Es muss nicht gross sein. Es darf ganz bescheiden sein. Hauptsache man darf sein, wie man ist. Man darf ganz Mensch sein.

Unsere kleinen Paradiese nehmen mehr oder weniger bewusst vor weg, auf was wir im Jenseits hoffen. Je nachdem, wie unsere irdischen Paradiese beschaffen sind, stellen wir uns das Jenseits und den Himmel vor. Vielleicht als Garten, vielleicht als ein altes Haus, vielleicht als Blumenwiese, bewaldete Inseln oder als sanftes Grasland mit einem Wasserfall.

So unterschiedlich wir Menschen sind, so unterschiedlich sind unsere Vorstellungen und Hoffnungen. Das darf sein. Es ist gut so. Die Bibel sagt uns nicht, wie es sein wird, sondern sie stellt uns unterschiedliche Sinnbilder vor. Das Reich Gottes sei wie ein grosses Gastmahl; wie ein Haus mit vielen Wohnungen; wie eine goldene Stadt; wie eine Perle im Acker und vieles andere mehr.

Diese Bilder sind wie die Vorstellungen von Ferienzielen im Reisekatalog. Es sind die Urlaubsorte der Reise unseres Lebens!

Auf unsere Sommerferien bereiten wir uns vor. Manchmal schon viele Wochen oder Monate vor dem Reisetermin. Wir machen uns Gedanken über das Ziel, informieren uns über landesübliche Gepflogenheiten, lesen vielleicht einen Reiseführer oder lernen gar ein paar Brocken der fremden Sprache. Selbst die Unvorbereiteten bereiten sich doch wenigsten so vor, dass sie ihren Koffer packen. Man nimmt mit, was man für nötig hält. Man nimmt mit, auf was man nicht verzichten möchte.

Der Koffer füllt sich mit Unterwäsche und Badezeug, mit Garderobe für Ausflüge und Abendessen, mit Ferienlektüre und Ladegeräten für all die Elektronik, auf die der moderne Mensch nicht verzichten will. Am Schluss ist der Koffer prall gefüllt. Gut möglich, dass man Übergepäck hat. Man nimmt einen grösseren Koffer und zahlt am Flughafen die Gebühr oder man muss doch das eine oder andere wieder auspacken. Nicht immer kann alles mitgenommen werden, was man gerne mit dabei hätte.

Wie in den Ferien, so ist es auch im Leben. Auch auf das Ziel unseres Lebens sollen und dürfen wir uns vorbereiten. Auch die Seele will sich für diese Reise rüsten.

Was packt sie in ihren Koffer?

Früher und auch noch heute, versuchte man seinen Seelenkoffer zu packen, in dem man fastete. Fasten meint bewusst Verzicht zu üben. Wer fastet, versagt seinem Körper die Nahrung ganz oder er verzichtet wenigstens auf bestimmte Speisen. Er kann aber auch anders fasten. Heute kann man es tun, in dem man den Fernseher ausgeschaltet lässt und auf das Radio verzichtet. Oder man lässt für einmal Zigaretten und Schokolade links liegen.

Es gibt unzählige moderne Ideen des Fastens und es kann eine gute Übung sein, die eine oder andere Form selbst auszuprobieren.

Gegen das Fasten ist wenig einzuwenden. Es bereitet nicht nur die Seele auf die Begegnung mit Gott vor, sondern macht einem schon im Leben vieles bewusster. Wer fastet erfährt oft, dass er für andere Dinge Zeit hat. Zeit, die im Alltag oft fehlt.

Es ist gut das Fasten in seinen Koffer zu packen.

Doch wer in seine Reisetasche nur das Badezeug einpackt, merkt am Urlaubsort, dass er nichts für Regentage dabei hat. Wer nur für Kultur gerüstet ist, verpasst die Natur. Anstatt am paradiesischen Strand ein erfrischendes Bad in den Wellen zu nehmen, muss man weiterziehen, Badehose und -Tuch fehlen. Das ärgert und verdirbt die Freude an den Ferien.

Nur wer ausgewogen packt, ist für vieles vorbereitet. Nicht nur auf der Ferienreise. Auch Gott, unser himmlischer Reiseleiter, empfiehlt Ausgewogenheit für die Seelenreise.

Nicht nur das Fasten gehört zur Vorbereitung. Gott empfiehlt auch:
Ist nicht dies ein gutes Packen des Seelenkoffers, wie ich es will:
„Ungerechte Fesseln öffnen, die Stricke der Jochstange lösen und Misshandelte freilassen und dass ihr jedes Joch zerbrecht?
Bedeutet es nicht, dem Hungrigen dein Brot zu brechen und dass du Arme, Obdachlose ins Haus bringst?“

Beim Fasten konzentriert sich der Mensch auf sich selbst. Der Fastende steht im Mittelpunkt seines Fastens. Im Verzicht lernt er sich besser kennen. Man übt Verzicht und findet so zum Wesentlichen des eigenen Lebens.

In der Vorbereitung aber, die Gott uns im Prophetenbuch Jesaja empfiehlt, wendet sich der Blick vom eigenen Selbst ab. Nicht mehr der Fastende steht im Zentrum. Es geht nicht mehr um mich. In der Vorbereitung, die im Vers über der Predigt und noch ausführlicher in der heutigen Lesung vorgekommen ist, steht der Nächste im Zentrum.

Den Koffer unseres Lebens packen wir nicht durch uns allein. Wir packen ihn auch in der Gemeinschaft mit unseren Mitmenschen. In der Zuwendung zum Leidenden – ob aus eigener Schuld oder unverschuldet, spielt keine Rolle – und im Brechen des Brots mit den Hungrigen werden wir eingeflochten in das Netz des Lebens.

Es ist der Mensch in der Not, der uns näher zu Gott bringt. Doch nicht als Mittel, nicht als Empfänger einer guten Tat und nicht als einer, der uns vor Gott gut dastehen lässt. Der Mitmensch in Not bringt uns näher zu Gott, weil er mit uns auf dem Weg ist. Erst im Anteilnehmen und Helfen entsteht diese Weggemeinschaft.

Wenn wir den Koffer unseres Herzen öffnen und aus ihm Liebe und Zuwendung schenken, sind wir miteinander auf dem Weg. Da wird im Unterwegssein schon ein Stück des Paradieses Realität, auf das wir zu reisen.

Das Reich Gottes wird nicht erst dann und dort sein. In der Zuwendung zum Nächsten bricht es hier und jetzt an!

Es ist wie mit den Ferien. Wer sich gut auf seine Reise vorbereitet, der erlebt schon in der Vorbereitung ein Teil des Vergnügens und des Glücks der Reise. Das Packen des Koffers ist mehr als Vorbereitung. Es ist schon Teil der Ferien.

Was für unsere Ferien gilt, das gilt erst recht für das Reiseziel unseres Lebens. Gott begegnen wir nicht erst dann. Er ist mit uns. In der guten Vorbereitung erfahren wir seine Gegenwart. Im Miteinander mit unseren Nächsten sind wir mit ihm unterwegs!

Packt eure Koffer. Macht euch bereit für die Reise. Überlegt euch, wer euer Nächster ist. Packt mit ihm zusammen. Bon Voyage – Gute Reise!
Amen

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