Reise des Lebens

Denn ich, ich kenne die Gedanken, die ich über euch denke, Spruch des HERRN, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch eine Zukunft zu geben und Hoffnung.
Jer 29,11

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden
Liebe Festgemeinde

Zum Thema eures Konfirmationsgottesdienstes habt ihr euch das Wort „Zukunftsträume“ gewählt. Mit dem Thema Zukunftsträume verbindet ihr zwei Gedanken. Das Wort beschreibt eure Situation, jetzt am Ende der obligatorischen Schulzeit auf doppelte Art. Zum einen sagt ihr damit, dass ihr an einer Schwelle steht. Die Zukunft liegt vor euch. Ihr macht einen Schritt und ihr steht in eurer Zukunft als Erwachsene.

Das Leben als Erwachsene ist noch ein unbekanntes Land. Die Konfirmationsfeier ist bloss ein erster, symbolischer Schritt. Doch ihr dürft das Land entdecken. Eure Zukunft ist nicht festgeschrieben. Darum – und dies ist das Zweite, das im Thema des Gottesdienstes steckt – Darum ist die Zukunft auch offen für eure Träume. Sie ist nicht festgeschrieben. Es gibt tausend Möglichkeiten euer Leben zu leben.

Das Land der Zukunft kennt ganz unterschiedliche Landschaften. Es gibt fruchtbare Felder, aber auch steinige Wüste. Es gibt lauschige Orte am Wasser, aber auch Sümpfe, in denen man stecken bleiben kann. Es gibt langweilige Gegenden, aber auch manche Plätze, die einen ganz besonderen Zauber ausstrahlen. Es gibt hundert Wege, die durch das Land führen und tausend Weggabelungen, an denen ihr euch entscheiden müsst. Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Ihr dürft ganz eigene Wege gehen.

Keiner dieser Wege wird gerade sein. Jede und jeder von uns kommt auch einmal auf Abwege oder gerät gar in eine Sackgasse. Das gehört mit zum Leben. Es ist gut so. Die Umwege machen das Leben erst lebenswert. Die Umwege sind oft die schönsten und lehrreichsten Wege.

Es ist wohl kein Geheimnis, wenn ich euch sage, auch wir Erwachsenen sind nicht immer sicher, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Der Weg des Lebens führt einem hin und wieder auch in einen richtigen Urwald, in dem man vor lauter Grün, kaum die nächsten Schritte gehen kann. Ja, auch finstere Täler, in denen es einem Angst und Bange werden kann, gehören mit zu den Pfaden, die das Sein von uns Menschen ausmachen.

Doch wer sich vom Tal nicht entmutigen lässt, der kommt am Ende auf eine Passhöhe. Plötzlich sieht man weiter. Wer auf einem Gipfel steht, der überblickt die Landschaft. Er kann sich seinen Weg bewusst wählen. Gipfelerlebenisse sind rare Geschenke Gottes im Leben. Es sind Momente voll geistiger Klarheit. Wer sie erlebt, darf dankbar sein!

Doch das Leben besteht nicht nur aus Tälern und Gipfeln. Das Land der Zukunft ist unbekanntes Land. Es will entdeckt werden. Das Leben ist eine einzig grosse Expedition, eine Entdeckungsreise.

Wenn Menschen auf Entdeckungsreise gehen, dann nehmen sie die nötige Ausrüstung mit. Nicht immer ist von Anfang an klar, was man auf der Reise braucht. So ist es gut, wenn die einzelnen Ausrüstungsteile mehr als für einen Zwecke dienen.

Mit dem kirchlichen Unterricht haben wir versucht, euch einen Teil dieser Werkzeuge mit auf den Lebensweg zu geben. Auch eure Eltern und die Schule haben andere, wichtige Instrumente und Techniken vermittelt.

Es sind euch erste Kenntnisse und kleine Erfahrungen mit diesen Werkzeugen ermöglicht worden. Doch noch beherrscht ihr sie nicht in Perfektion. Das macht nichts. Ihr werdet ein Leben lang Gelegenheit haben mit ihnen zu üben. Einige werden euch wichtiger, andere werdet ihr auf dem Weg zurücklassen.

Und doch gibt es ein paar ganz wichtige Dinge, die ihr auf eurer Entdeckungsreise bestimmt brauchen könnt.

Miteinander packen wir den geistigen Rucksack aus und schauen was drin ist. Was braucht es zum gelingenden Leben?

Als erstes kommt mir Neugier und Mut sich auf Neues einzulassen in den Sinn. Die Offenheit für Begegnungen mit fremden Erfahrungen und die Bereitschaft sich auf unbekannte Menschen einzulassen, ist vielleicht das wichtigste der ganzen Ausrüstung für die Lebensreise.

Im Unterricht und auf der Konfirmandenreise haben wir versucht mit euch diese Neugier zu leben und zu vertiefen. Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, es hat mich gefreut, mit wie viel Interesse und Neugier ihr euch auf diese neuen Erfahrungen eingelassen habt. Natürlich sind dabei nicht immer alle mit der gleichen Begeisterung dabei gewesen. Vielleicht werden sich beim nächsten Besuch beim Griechen auch diejenige doch noch getrauen Zaziki oder Gyros zu probieren, die dieses Mal in Berlin sich doch für die bekannten Schnipos entschieden haben.

Als zweites gehört in diesen Rucksack etwas, das den Mut für das Neue ein wenig ausbalanciert. Die Welt, in der ihr euren Weg geht, ist nicht immer nur gut. Es gehört darum auch das Wissen um die Ambivalenz des Lebens in euren Rucksack.

Nicht alles ist gut. Es gibt auch die Gefahren und unnötigen Erschwernisse. Auf unserer Reise sind wir zum Glück von Unfällen und schlimmen Zwischenfällen verschont geblieben. Die kleinen Zwischenfälle sind glimpflich verlaufen. Auch dank eurem Mitdenken. Die verpasste U-Bahn, als wir als Gruppen getrennt wurden, die fast im Hotel liegengebliebene ID und der MacDonald, aus dem die einen vor einem Küchenbrand fliehen mussten – Sie wurden schon bald zu Erinnerungen. Sie waren das Salz in der Suppe unserer Reise.

Dabei lernte der eine oder andere vielleicht auch etwas für das Leben. Mag sein, dass der Schrecken über das fast Passierte, zu mehr Vorsicht und Achtsamkeit beim nächsten Mal mahnt. Aus Erfahrungen schlau werden – auch das gehört mit zum lebenslangen Lernen, das doch so ganz anderes lernen ist, als ihr es euch von der Schule gewohnt seid.

Ein dritter Punkt ist mir noch wichtig, von dem ich euch wünsche, dass es euch im Leben gelingen werde. Findet eine gesunde Balance zwischen Geben und Nehmen.

Im Leben kann man nicht immer nur geben. Wer bloss für die anderen da ist, wird sich selber nicht gerecht. Wie auch der, der nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist, und vermutlich im Leben scheitern wird. Auf die Dauer kann nur von den anderen profitieren, wer auch bereit ist zu geben. Es braucht eine Balance zwischen Nehmen und Geben.

Schon in der Bibel werden die Nächstenliebe mit der Eigenlieben und die Liebe zu sich selber mit der zum Mitmenschen in ein Verhältnis gesetzt. Jesus nennt es im Doppelgebot der Liebe, als eines der wichtigsten Gebote der Bibel. Er sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22,39)

Ich wünsche euch, dass ihr alle drei Werkzeuge in eurem Lebensrucksack mit euch tragt. Die Neugier und der Mut für Neues, das Wissen um die Ambivalenz des Lebens und ein guter Ausgleich zwischen den eigenen Bedürfnissen und dem, was euer Nächster von euch nötig hat. Mögen diese drei nie in eurem Rucksack fehlen. Sie sind eine gute Grundlage für das gelingende Leben.

Doch nicht nur der Rucksack soll gefüllt sein. Auch das eure Herz sei voll guter Gedanken und Hoffnungen.

Eure Träume gehören mit dazu. Wer auf die Reise geht, braucht einen Kompass, der ihm den Weg weist.

Ich lernte euch alle in den letzten drei Jahren als vernünftige, junge Menschen kennen. Anders als es noch zu meiner Zeit war, sind eure Träume umsetzbar. Ihr habt klare Vorstellungen von dem, was ihr wollt. Viel klarere Vorstellungen als wir es hatten, als ich konfirmiert wurde.

Das ist gut so. Doch verlernt darüber das Träume nicht. Man darf sich auch unvernünftiges, unerreichbares und grosses wünschen! Riskiert etwas bei euren Träumen! Scheitern ist keine Schande. Nur wer im Leben auch einmal scheitern darf, kann Grosses bewirken!

Wählt eure Ziele nicht zu klein. Auch wenn ihr es niemandem sagt, weil ihr vielleicht Angst habt ausgelacht zu werden. Träumt davon die Welt zu verändern!

Doch gönnt euch und eurem Herzen auf dem Weg des Lebens auch den einen oder andere Marschhalt. Plant Zeiten der Ruhe und der Reflexion auf eurem Weg mit ein. Es muss nicht immer alles, das ihr macht, einem Zweck dienen. So vernünftig es scheinen mag, sind es doch gerade die zwecklosen Tätigkeiten, die durchaus nie sinnlos sind.

Es braucht Raum zur Rückschau auf dem Weg. Die Fragen, die hie und da im Unterricht mitschwangen, gelten auch auf dem Lebensweg. Es ist gut, wenn man sich dafür Zeit nimmt und darüber nachdenkt.

Wo komme ich her? Wie bin ich da hingekommen, wo ich bin? Wie geht der Weg weiter und wer geht ihn mit mir?

Ihr müsst den Weg nicht allein gehen. Die Menschen, die bis hierhin mit euch gegangen sind, stehen euch auch in Zukunft bei. Ich meine eure Eltern, Gotte und Götti und auch die Grosseltern. Sie haben euch bis hierhin mit viel Liebe begleitet. Sie wollen weiter mit euch gehen.

Sie haben euch viel gegeben. Dafür dürft ihr dankbar sein. Ihr seid es gewiss, auch wenn es dem einen oder anderen noch schwer fällt, dies auch zu sagen. Es braucht Zeit damit der Dank reifen kann. Schön, wenn es euch heute schon gelingt!

Den Weg des Lebens geht ihr nicht allein. Familie und Freunde gehen mit euch, soweit sie gehen können. Soweit ihr es zulasst, dass sie euch begleiten.

Doch das wird nicht für immer möglich sein. Eines Tages kommen auch jene Wege, die kein Mensch mehr mitgehen kann.

Gott verspricht uns Menschen, dass er gerade dann besonders bei uns ist. Immer wieder erneuert er das Versprechen. Er will euer und unser Glück. Er will, dass unser Leben gelingt.

Das ist ein starkes Versprechen, das uns alle im Leben begleiten darf. Es gibt uns Kraft. Auf ihn dürfen wir vertrauen. Er will unser Wohl. Er lässt uns nicht fallen. Gott schenkt uns Zukunft und Hoffnung! Raum für eure Träume.
Amen

Share Button
Dieser Beitrag wurde in Predigten veröffentlich und mit diesen Tags versehen , , , , , , , , , , . Verweis sezten auf denPermanentlink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.