Es gibt nur heiliges Brot!

Ich habe kein Brot zur Hand, das nicht heilig wäre; es ist nur heiliges Brot da.
1 Sam 21,5

Liebe Gemeinde

Wie viele Brotsorten kennen sie? Fünf? Zehn? Fünfzehn? Zwanzig?

Zählen wir einmal miteinander: Es gibt Weiss-, Halbweiss- und Ruchbrot. Aber auch Zopf, Speck- und Olivenbrot sind nicht zu verachten und dann erst das Feigenbrot! Neben den alten Sorten gibt es auch ganz moderne wie das Plus-Minus- und das Biobrot. Nichts ist zu ausgefallen, als dass es nicht erfunden worden wäre; von ParaPan© über Schraubbrot bis zum Lusbueb. Nicht zu vergessen ist dabei auch Sonntags- und Fiirabig-; Haus- und Bauernbrot. Besonders gern esse ich übrigens Holzofenbrot!

Der Schweizerische Bäcker-Konditorenmeister-Verband zählt allein für die Schweiz mehr als 200 verschiedene Brotsorten. Ich hätte Lust alle Sorten zu versuchen. Ich würde mich durch die ganze Schweiz essen: Vom Basler- über das Tessiner- bis zum St. Gallerbrot.

Eines würde ich dabei aber nicht finden: Heiliges Brot, wie es David ass, als er vor Saul flüchtete. Wir hörten in der Lesung (1 Sam 21,1-7) davon.

„Heiliges Brot! Es muss etwas ganz besonders sein!“, denkt vielleicht der eine oder andere. „Das ist doch längst vorbei. Heiliges Brot gab es damals im Kult des Alten Israels, aber heute? Die archaischen Rituale haben wir doch längst überwunden. Schliesslich sind wir aufgeklärte Christen!“, antwortet vielleicht ein anderer darauf.

Es stimmt. Schaubrote, wie sie im Tempel von Jerusalem aufgestellt waren, gibt es heute nicht mehr. Es gibt kein Brot mehr, das heilig wäre, weil es Gott geweiht wurde. Wir kennen kein Brotopfer im Tempel mehr. Denn wir müssen Gott nicht mehr opfern, weil er in Jesus Christus das Opfer ein für alle Mal erfüllt hat. Und doch gibt es auch heute noch heiliges Brot. Ja, ich meine alles Brot sei heiliges Brot.

Brot ist heilig. Eine steile These? Mag sein, doch ist sie nicht unbegründet. Drei Gründe führen mich dazu. Zum ersten ist Brot ein Geschenk Gottes. Zum zweiten bedeutet Brot Leben. Zum dritten verbindet uns das Teilen des Brotes zu einer Gemeinschaft.

Brot ist heilig. Ein erster Grund:

Brot ist ein Geschenk Gottes. Zwar sagt man in der Alltagssprache, dass man sich sein Brot verdiene, doch von wem bekommt man es? Gehört das Brot dem Arbeitgeber? Gehört das Brot dem Bäcker, der es verkauft? Oder gehört es nicht doch dem, der es erschaffen hat?

Wer Brot gibt, gibt was ihm nicht gehört. Denn wir können Brot zwar backen, aber herstellen können wir es nicht.

Das Mehl, das Wasser und die Hefe sind Schöpfungsgaben Gottes. Weder vermögen wir Menschen Hefebakterien ins Leben zu rufen, noch können wir Wasser aus dem Nichts gewinnen. Was wir können, sind natürliche Hefebakterien durch Züchtung geeigneter für ihre Verwendung zu machen. Auch können wir verschmutztes Wasser aufbereiten oder es aus chemischen Verbindungen lösen. Doch Hefe und Wasser müssen schon da gewesen sein. Der Mensch kann weder das eine noch das andere ins Sein rufen.

Gleiches gilt auch für das Mehl. Zwar ist es der Müller, der Mehl aus Korn mahlt, das der Bauer gesät und geerntet hat. Doch kann er das Wachstum nicht machen. Das Spriessen des Samens und das Reifen des Korns liegt nicht in unserer Macht. Gott lässt die Saat aufgehen.

Er lässt die Ähren Frucht bringen. „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land. Doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“ Der Pfarrer und Dichter Matthias Claudius, der diese Worte schrieb, wusste wohl von was er sprach. Wir können pflügen, säen, düngen, ernten. Doch können wir das Korn nicht wachsen lassen. Die guten Gaben kommen allein von Gott. Sie sind uns von Gott geschenkt. Sie gehören ihm.

Weil es Gottes Gaben sind, sind sie heilig. Weil wir aus diesen Gaben unser Brot backen, ist auch das Brot heilig. Es ist ein Geschenk Gottes.

Brot ist heilig. Ein zweiter Grund:

Brot bedeutet Leben. Auch heute noch.

Zwar hat das tägliche Brot seine Bedeutung als Grundnahrungsmittel in unserer Überfluss Gesellschaft verloren, dennoch kommt es bei vielen täglich auf den Tisch. Der Bäcker-Konditormeister-Verband schreibt auf seiner Homepage, dass Herr und Frau Schweizer jeden Tag rund 1000 Tonnen Brot essen. Das macht pro Kopf und Jahr einen Verbrauch von mehr als einem halben Zentner Brot.

Beeindruckende Zahlen! Gerade wenn man bedenkt, wie gering wir Brot oft achten. Man isst es fast nur mit Butter, Konfitüre oder Honig veredelt oder mit Käse und Fleisch bedeckt. Ganz allein, ohne jeden Belag kommt es bei vielen kaum mehr zwischen die Zähne. Dabei würde es sich lohnen. Denn was gibt es schöneres als frisches Brot? Wenn man hungrig von der Arbeit zur Brotzeit kommt und ofenfrisches Brot aufgetischt wird – ein kleines Festessen! Es stärkt Körper und Geist.

Brot bedeutet Leben, denn ohne Nahrung könnte unser Körper nicht existieren. Wir brauchen Energie für unsere Muskeln und unser Hirn. Diese Kraft gewinnt unser Organismus aus den Kohlehydraten, die im Brot stecken.

Doch auch unsere Seele braucht ihre Nahrung. Ohne Essen und Trinken verliert der menschliche Leib seine Kraft. Er stirbt. Die gute Gab Gottes, das heilige Brot, erhält ihn. Doch auch für die Seele sorgt Gott. Wie der Körper, so würde auch die Seele ohne Nahrung vergehen. Sie braucht ihr Brot. Die Seele braucht das Wort Gottes. Es ist Seelenbrot, das sie nährt.

Wenn der Seele das Brotwort Gottes vorenthalten wird, verliert sie an Kraft. Sie wird schwächer und droht zu vergehen. Ohne Seelenbrot verhungert sie.

Gott jedoch lässt es nicht zu. Der Körper kann verhungern. Er kann ganz tot sein. Doch die Seele vergeht nie ganz, so lange der Mensch lebt. Die Seele kann nicht sterben, solange der Körper existiert, den sie beseelt. Es ist im Leben nie zu spät, der Seele ihr Brot zu geben.

Darf sich die Seele am Wort Gottes laben, so wird sie gestärkt. Das Wort Gottes nährt sie. Sie wächst im Vertrauen, im Glauben und in der Hoffnung. Eine wohlgenährte Seele findet ihren Weg auch durch die dunkeln Stunden des Lebens. Sie ist stark, weil Gott sie trägt. Er ist ihr Brot.

Brot ist heilig. Ein dritter Grund:

Brot verbindet Menschen zu einer Gemeinschaft. Es beginnt in der Familie. Ein gemeinsames Frühstück ist nicht nur ein wunderbarer Start in einen neuen Tag, es stärkt auch den Zusammenhalt von Eltern und Kindern.

Doch nicht nur in der Familie schafft geteiltes Brot Gemeinschaft. Als Zeichen der Freundschaft hat das Brotbrechen universellen Charakter. Die Sprache des Brotes wird verstanden, auch wo Worte fehlen. Man versteht sie in allen Kulturen.

Lange Zeit war es ein schöner Brauch, dass man neue Nachbarn mit einem Laib Brot und einer Prise Salz begrüsste. Dabei wurde das Brot gebrochen und an alle verteilt. Das Brot, das Leben bedeutet, wurde zum Zeichen des geteilten Lebens, das mit den neuen Nachbarn begonnen wurde. Ein Zeichen der Hoffnung und ein Versprechen die nachbarschaftliche Beziehung mit Wohlwollen zu beginnen. Die Geste legte den Grundstein für das friedliche Zusammenleben der frischgebackenen Hausgenossen.

Auch heute ist das Teilen des Brots ein mächtiges und ein starkes Zeichen.

Dies zeigt sich gerade dann, wenn Brot verweigert wird. Einem anderen Menschen Brot zu verweigern ist grausam. Selbst in den schlimmsten Zeiten wurde auch dem unmenschlichsten Verbrecher zumindest Brot und Wasser gewährt.

Brot zu verweigern wäre Barbarei. Einen Mensch verhungern zu lassen, ist eine menschenunwürdige Tat. Es ist eine unentschuldbare Abscheulichkeit.

Als Jesus das Abendmahl einsetzte, da schloss er Judas, den Verräter, nicht aus. Er teilte das Brot auch mit ihm, obwohl er wusste, was geschehen wird. Das Teilen des Brotes lud auch ihn zur Gemeinschaft mit Christus ein. Wenn Judas eingeladen war, ist jeder Mensch eingeladen.

Im Brechen des Brotes des Abendmahls sind wir zur Gemeinschaft mit Gott gerufen. Er schliesst niemanden von seinem Tisch aus. Das Angebot des Lebens gilt. Es gilt ausnahmslos uns allen.

Am Tisch des Herrn erfahren wir uns als Glieder einer Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft gilt unter uns, die wir das Brot brechen. Sie gilt darüber hinaus aber auch zwischen uns und Gott. Denn er gibt Brot und Leben.

Es gilt. Nicht nur im Brot des Abendmahls. Jesus sagt: „Dies ist mein Leib für euch. […] Denn sooft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis dass er kommt.“ (1 Kor 11,24.26)

Dies gilt speziell in der Feier des Abendmahls, doch nicht nur dort. Es gilt mir in jedem Bissen Brot, den ich esse. Denn Christus ist für mich gestorben, damit ich Teilhabe an seinem Leibe. Wo ich das Brot teile, da teile ich auch die Gemeinschaft mit ihm. Da wird mir jedes Brot zum heiligen Brot.

Brot ist heilig. Drei Gründe habe ich aufgezählt. Es ist Gab Gottes. Es bedeutet Leben. Es verbindet uns zur Gemeinschaft. Es wird zum Himmelsbrot, wenn wir es im Andenken an Jesus Christus teilen und essen. Es verbindet uns zu seinem Leib.

Darum, schätze das tägliche Brot – es ist heiliges Brot!
Amen

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