Das Wort Gottes

Und das Wort, der Logos, wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir schauten seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, wie sie ein Einziggeborener vom Vater hat, voller Gnade und Wahrheit.
Joh 1,14

Liebe Gemeinde

Ein Hauptmann ist ein mächtiger Mann. Er steht einer ganzen Abteilung vor. Diese Abteilung hiess bei den Römern Kohorte. Zu einer Kohorte gehörten zwischen 80 und 100 Soldaten. Sie nannten ihren Hauptmann Centurio.

Wie heute begann man beim Militär nicht gleich als Hauptmann. Man musste sich hochdienen. Centurio konnte jeder römische Bürger werden, der zum Militär ging. Doch es dauerte Jahre bis aus einem einfachen Soldaten ein Hauptmann wurde. Er musste sich nicht bloss vorbildlich verhalten, sondern sich auch durch besondere Tapferkeit im Kampf auszeichnen. Das prägte. Centurionen waren mutige und brutale Haudegen, die weder Tod noch Teufel fürchteten.

Es oblag ihnen ihre Truppen im Kampf zu führen. Deshalb war es ihre besondere Aufgabe die Disziplin in der Truppe aufrecht zu erhalten. Dazu war ihnen weitgehend Macht über ihre Legionäre gegeben. Sie durften sie belobigen und bestrafen. Für letzteres führten sie einen zugeschnittenen Rebstock bei sich. Mit ihm schlugen sie auf fehlbare Untergebene ein. So lange sie es für nötig hielten oder bis der Soldat unter den Schlägen verstarb. Durch die Legion und den Kaiser war ihnen Macht gegeben über Leben und Tod ihrer Soldaten.

Es erstaunt deshalb nicht, dass der Hauptmann auf die Befehlsmacht des Wortes vertraut. Vielmehr erstaunt, dass ein solch mächtiger Mann sich selbst an Jesus wendet.

Die Erzählung lässt offen, wie es zur Begegnung kam. Vielleicht war der Hauptmann mit seiner Truppe abkommandiert um die Menschenansammlung um Jesus zu kontrollieren und einen Aufstand zu verhindern. Vielleicht hörte er auch von Jesus als Wunderheiler und machte sich inkognito auf den Weg. Dies wäre kein ungefährliches Unterfangen. Denn als Hauptmann der Besatzungsmacht konnte er leicht in einen Hinterhalt geraten und von Aufständischen getötet werden.

So oder so. Es war für den Hauptmann mit einem beträchtlichen Risiko verbunden sich an Jesus zu wenden. Der schwer kranke, und grenzenlose Pein leidende Knecht muss ihm sehr am Herzen gelegen haben. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass sich ein Herr mit solchem Engagement für seinen Sklaven einsetzt. Denn der Diener war der Leibeigene des Hauptmannes. Auch über sein Leben hatte er Gewalt. Sein Knecht stand weit unter ihm und doch bittet er für ihn.

Ob ich zu weit gehe, wenn ich im Verhältnis des Hauptmannes zu seinem Sklaven ein Symbol für die Beziehung Christi zu uns sehe? Der Diener ist einem qualvollen Tod verfallen. Den Hauptmann trifft keine Schuld daran. Dennoch erbarmt er sich über ihn. Als Fürsprecher tritt er vor Jesus für ihn ein, wie Christus vor dem Vater für uns eintritt.

„Sprich nur ein Wort, und mein Knecht wird gesund!“ Der Hauptmann will keine Umstände machen. Jesus, der gerne bereit gewesen wäre, soll sich nicht extra die Mühe machen zu ihm nach Hause zu kommen. Er weiss, ein solch hoher Besuch steht ihm nicht zu. Ein einfaches Wort genügt ihm. Er begehrt nichts weiter als ein Heilswort.

Wie soll ein Wort Heilung bewirken?

Der Centurio kennt die Macht von Worten. Seine Worte sind Befehle. Seine Soldaten sind gehorsam. Sie folgen seinem Befehl. Sie folgen seinem Wort.

Vielleicht denkt er: „Mir ist Macht gegeben über meine Kohorte. Diesem Jesus ist Macht gegeben über die ganze Schöpfung. Wenn meine Soldaten auf mein Wort hin marschieren, kämpfen oder ruhen, so wird die ganze Schöpfung unter seinem Wort stehen. Er kann heilen!“

Und Jesus?

Seltsam, er spricht kein Heilswort. Er sagt nicht: „Steh auf!“, wie er es zu dem gelähmten Menschen sagte, den seine Freunde durch das Dach zu ihm liessen. Er rief nicht: „Wach auf!“, wie er es der toten Tochter des Jairus zu rief. Er flüsterte nicht: „Öffne dich!“, wie er es ins Ohr des Tauben flüsterte. Er spricht kein Heilswort. Er befiehlt nicht. Vielmehr schickt er den Centurio nach Hause. „Dir geschehe, wie du geglaubt hast!“

In seiner Erklärung täuschte sich der Hauptmann. Jesus befiehlt nicht über die Schöpfung. Er spricht in dieser Begegnung kein Wort des Heils. Fehlt es hier?

Nein! Bloss wird das Heilswort nicht von Jesus gesprochen. Vielmehr ist er das Wort Gottes, das Fleisch angenommen hat. In ihm ist der Logos, das eine Wort Gottes, Mensch geworden. Das Heil findet sich nicht in einem seiner Worte. Er ist das Wort des Heils. Gott ruft sein Wort in Christus in die Welt. In ihm soll sie Heil finden.

Im Vertrauen auf ihn sind wir gerettet. Es gibt kein mächtigeres Wort als Jesus Christus. Gott schenkt uns sein Wort. Es gibt kein anderes Heilswort. Es braucht kein anderes. In ihm ist uns alles gegeben. In ihm ist uns das ewige Leben versprochen.

Nur ein Wort! Ein einziges Wort bringt Heilung. Christus ist das eine Wort Gottes. Das Vertrauen auf ihn bringt Leben.

Der Hauptmann versteht es nicht. Er ahnt es bloss. Seine Erklärung trifft nicht zu. Jesus spricht kein Heilswort. Und dennoch heilt er den Sklaven des Hauptmanns. Jesus heilt ihn, weil der Hauptmann sein Vertrauen auf Christus setzt, ohne zu begreifen wer Jesus in Wahrheit ist.

Wir wissen, dass er der Sohn Gottes ist. Wir wissen es, weil Gott es uns sagt. Wir wissen es, weil er es uns offenbart. Wir wissen es, weil er seine Wahrheit mit uns teilt. Auf ihn, dass eine Wort Gottes, dürfen auch wir unser Vertrauen setzten. Als Vertrauende schenkt er uns Leben. Er, das lebendige Wort Gottes, ist Leben.
Amen

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