Noahs verrücktes Projekt

Mache dir eine Arche aus Goferholz; statte die Arche mit Kammern aus, und dichte sie innen und aussen ab mit Pech.
Gen 6,14

Liebe Gemeinde

Ganz schön verrückt, dieser Noah. Er hört Stimmen, auch wenn er alleine ist. Er besorgt grosse Mengen Holz, obwohl er kein neues Haus bauen will. Er arbeitet wie ein Besessener bei Tag und Nacht. Oder ist er gar besessen? Seine Nachbarn tuscheln schon. Die ganze Stadt spricht über nichts anderes.

Und dann ist sie vollendet. Die Arche des Noahs – die Arche Noah. 300 Ellen ist sie lang. 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch. Alles in allem ein hölzerner Kasten von mehr als 150 Metern Länge, fast 30 Meter breit und sechs Stockwerke hoch! Das grösste Schiff seiner Zeit. Zwei bis dreimal länger als die grössten antiken Schiffe, deren Fracks archäologisch untersucht werden konnten.

Der Bau ähnlich grosser Schiffe gelang erst zu Ende des 19. Jahrhunderts. Anders als die biblische Arche waren diese Schiffe aber keine reinen Holzbauten. Stahl und Verbundmaterialien kamen zum Einsatz. Ein ganzes Heer an Arbeitern baute über viele Monate an ihnen.

Noah hatte keine Werft. Stahl kannte er nicht. Noch war ihm ein ganzer Bautrupp unterstellt. Er merkte nicht, dass es ihm an elektrischem Werkzeug fehlte. Es hätte auch keinen Baumarkt um die Ecke gegeben, indem er sie sich hätte besorgen können.

Zum Bau der Arche Noah gab es nur Noah, seine Söhne und ihre vereinte Muskelkraft!

Ich vermute, Noah hatte keinen Plan und keine Ahnung, wie man ein Schiff baut. Als Bewohner einer Steppe mag er als Nomade bei einer seiner Wanderungen schon einmal an eine Küste gelangt sein. Vielleicht hätte er bei dieser Gelegenheit auch ein Boot oder ein Schiff gesehen. Doch was er bauen wollte, war völlig anders. Selbst wenn er die Erfahrung eines Schiffsbauers eines damaligen Seevolkes gehabt hätte, sie hätte ihm nichts genützt. Seine Arche war nicht nur was die Grösse anbelangte völlig anders. Es gab nichts Vergleichbares. Niemanden den er um Rat hätte fragen können.

Was eigentlich unmöglich ist, gelang Noah. Der Bau scheint so günstig von Statten gegangen zu sein, dass die Bibel die Bauphase mit keinem Vers erwähnt. Keine Rückschläge musste er verkraften. Es gab keine Engpässe mit der Holzlieferung. Auch von Unfällen wird nicht berichtet. Gut, dass Noah so geschickt war. Ich hätte mir bei einem solchen Vorhaben wohl mehr als einmal mit dem Hammer auf den Daumen geschlagen!

Wobei. Etwas gedauert scheint es ja doch zu haben. Erst in seinem 600. Lebensjahr soll, so die Bibel, das Werk vollendet worden sein. Die Arche stand da. Mitten in der Steppe. Mehrere tausend Kilometer von der nächsten Küste entfernt.

Ein verrückter Aufwand für ein Schiff in der Wüste!

Doch es hat sich gelohnt. Wir alle kennen die Geschichte von der Sintflut. Wir erzählen sie unseren Kindern. Wir erinnern uns an sie, wenn der Regen sintflutartig vom Himmel fällt. Selbst wer von Gott keine Ahnung hat und nichts mit ihm zu tun haben will, kann doch nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“ leben.

„Nach mir die Sintflut“, so scheinen auch heute noch viele Konzerne zu denken. Unsere Gesellschaft beutet die Erde aus. Direkt und indirekt sind wir daran beteiligt. Die Schöpfung Gottes wird dabei einseitig als Rohstofflieferant gesehen. Die Erde, die uns als Lebensraum anvertraut ist, wird zur Ressource degradiert. Ihre Lebensspende Kraft wird geringgeachtet. Der Mensch vergisst, dass Pflanzen und Tiere Mitgeschöpfe sind. Der Nächste wird verachtet, wo er dem eigenen Gewinnstreben nicht als Konsument nutzbar gemacht wird.

Als Menschen, die in dieser Gesellschaft leben, kann man sich diesem Missbrauch nicht entziehen. Selbst wer bei seinem eigenen Konsum auf das Siegel der Bioknospe und das Faire-Trade-Label achtet, kann es doch nicht ganz vermeiden Teil dieser „Nach mir die Sintflut“-Welt zu werden.

Palmöl und -fett, um ein Beispiel zu nennen, steckt in Produkten, in denen man es gar nicht erwartet. Es dient als Grundlage für die Herstellung von Margarine. Man findet es in Süssigkeiten und vielen Fertigprodukten. Es ist aber auch Bestandteil von Duschgel, Kosmetik oder Waschmittel. Ja, es kann sogar als Biodiesel Fahrzeuge antreiben.

Palmöl wäre dabei eine super Sache. Schliesslich ist es ein nachwachsender Rohstoff. Doch für die kommerzielle Nutzung werden riesige Plantagen angelegt. Diese Plantagen zerstören unvorstellbare Flächen von intaktem Regenwald. Einmal zerstört, kann sich der Regenwald kaum mehr erholen, denn er wächst auf einer dünnen Humusschicht. Nach wenigen Jahrzehnten ist sie vom Regen weggespült. Die Palmen wachsen nicht mehr. Neuer Urwald wird urbar gemacht. Der Alte ist ein für alle Mal verloren. Mit ihm eines der wundervollsten und zerbrechlichsten Ökosysteme der Welt.

Welche Geheimnisse, welche unerforschten Pflanzen und Tiere und mit ihnen welcher Nutzen für den Menschen damit verloren geht, kann niemand sagen. Was wir wissen. Es bleibt nicht ohne Folgen.

Auch wenn es wieder salonfähig geworden ist, den Klimawandel, zumindest als menschengemachte Katastrophe, zu leugnen, so bleibt doch festzuhalten, dass die tropischen Regenwälder stabilisierend auf das Klima wirken. Sind sie durch Abholzung zerstört, so können sie diese Funktion nicht mehr erfüllen.

Nach uns die Sintflut! Es braucht einen neuen Noah. Wir alle können Noah sein!

Was braucht es?

Ein verrücktes Projekt. Wir wollen die Welt retten. Denn anders als bei Noah ist unsere Arche nicht ein Schiff aus Holz. Unser Planet ist das Schiff, das uns davor bewahrt in der Todesfluten des Weltalls zu sterben. Bringen wir es zum Sinken, in dem wir weiterhin als Gesellschaft so rücksichtslos mit unserem Schiff umgehen, wie wir es in den letzten Jahrhunderten taten, so wird es Leck schlagen. Es übersteht die Stürme der Zeit nicht.

Wäre die Arche während dem Regen und der anschliessenden Flut nicht dicht geblieben, hätte Noah im Bau oder beim Manövrieren einen Fehler begangen, die Rettung wäre nicht gelungen. Er arbeitete sorgfältig. Er führte seine Mannschaft mit bedacht. Als guter Ehemann und Vater brachte er sich, seine Familie und die anvertrauten Tiere durch die Sintflut.

Dazu war es nötig, dass er hörte. Er hörte die Stimme Gottes. Lange vor der Katastrophe beachtete er sie. Er gehorchte Gott. Er vertraute ihm.

Unsere Arche fährt schon im Sturm. Hören wir auf Gottes Wort? Lassen wir uns von ihm leiten? Richten wir unser Vertrauen und unser Handeln nach ihm? Folgen wir ihm nach auf unserem Lebensweg?

Noah hört die Stimme Gottes. Er hört sie unter all den Stimmen der Welt. Viele dieser Stimmen lachten über ihn. Er wurde verspottet und für verrückt erklärt. „Wer auf Gott hört, kann nicht ganz bei Trost sein“, urteilten Nachbarn und Freunde.

Viele Stimmen dringen auch zu uns. Die Eine empfiehlt jenes. Die Andere rät zu diesem. Nur wer genau hinhört kann die Stimme Gottes im Wirrwarr der Welt erkennen. Denn nicht jede Eingebung kommt von Gott. Nur wer geduldig horcht und sich zweifelnd vortastet, kann vom Wort Gottes gefunden werden.

Schweigen und Hören ist gefragt. Nicht blinder Aktionismus. Doch Schweigen und Hören ist etwas anderes als Nichtstun und abwarten! Aktives Schweigen und aufmerksames Hören ist das Gebot der Stunde.

Gotteswort drang in Noahs Ohr. Es fand den Weg in sein Herz. Was Gott befahl, ergab keinen Sinn. Es war weder vorteilhaft, noch konnte sich Noah einen Gewinn versprechen. Eine Arche in der Steppe zu bauen war im besten Sinn sinnfrei, aber nicht sinnlos.

Nicht jede Tat muss ihren Sinn von Anbeginn offenbaren. Es ist in Ordnung, wenn wir Gottesstimme erst einmal folgen, auch wenn sie uns in eine Richtung weisst, die vorerst keinen Sinn ergibt. Wer vertraut, der muss nicht alles verstehen.

Doch auch der Vertrauende darf zweifeln, damit er nicht auf Irrwege gerät. Die Liebe wird ihn leiten, auch dort, wo das Wort seinen Sinn nicht enthüllt. Die Liebe ist der Kompass, den Gott dem Menschen ins Herz legt.

Noah liess sich durch die Liebe zu seiner Familie leiten. Seine Söhne entschieden sich für ihn, auch wenn ihnen sein Tun erst recht abstrus vorkommen musste. Das Band der Liebe in der Familie liess sie an seiner Seite arbeiten. Es war dieselbe Liebe, in deren Treue ihre Frauen standen. Die Liebe öffnete ihnen das Ohr.

So konnten sie hören, was Noah über Gott und seine verheissene Rettung erzählte. Es fiel auf fruchtbaren Boden in ihren Ohren. Die Saat ging auf. Seine Begeisterung steckte sie an.

Es macht keinen Sinn das Wort Gottes, das uns gegeben ist, für uns zu behalten. Es muss geteilt werden. Auch wenn die Welt den Kopf schüttelt und mit der alten Botschaft nichts anfangen kann.

Es ist immer schon so gewesen. Die meisten wollen nicht hören. Doch es gibt auch die, die hören. Es gibt die Suchenden. Es gibt die, welche sich durch das Wort anstecken lassen. Gottes Wort in unserem Mund vermag Menschen zu begeistern. Auch heute noch.

Wo wir das Wort hören, wo wir uns von ihm leiten lassen, wo wir es weitergeben, da werden wir nicht alleine bleiben. Die Gemeinschaft wird wachsen. Wir können unsere Arche pflegen. Wir können die Sintflut von unserer Zeit überstehen.

Wie Noah so können auch wir in der Hoffnung auf Gott etwas Verrücktes wagen. Im Vertrauen auf ihn wird daraus etwas Grosses entstehen. Was zuerst sinnlos erscheint, wird mit Sinn gefüllt.

Noah vertraut auf Gott. Er hört seine Stimme. Wo der Ruf der Welt „Nach mir die Sintflut“ Leid und Tod über die Schöpfung bringt, da kann der Ruf Gottes retten. Als Werkzeug in Gottes Hand baut Noah die Arche. Als vertrauender Retter für sich und seine Familie. Als Hoffender ermöglicht er einen neuen Anfang. Seine Arche trägt den Samen des Lebens durch die biblische Flut.

Er hörte das Wort. Er handelte.

Hören wir es auch?
Amen

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