Eine göttliche Taschenlampe

Dein Wort ist eine Leuchte meinem Fuss und ein Licht auf meinem Pfad.
Ps 119,105

Liebe Gemeinde

Als ich noch ein Knabe war, fand ich Taschenlampen grossartig. Ich besass unterschiedliche Modelle. Viele waren einfach und günstig gebaut. Bei der Migros bekam man sie schon für wenige Franken. Ihr Gehäuse aus Plastik gab es gar in unterschiedlichen Farben. Ein anderes Modell kannte ich von meinem Kinderarzt. Es bestand nur aus einer grossen Klotzbatterie und einer Miniatur Glühbirne, die man direkt in die Batterie stecken konnte. Keine Frage, auch dieses Modell musste ich mein Eigen nennen. Auch ein sehr altes Modell besass ich. Zumindest schien es mir alt zu sein. Denn es war nicht aus Plastik. Das Gehäuse dieser Lampe bestand aus Metall und war grün emailliert. Vor die Lampe konnte man eine grüne und eine rote Glasscheibe schieben und so nicht nur weisses, sondern eben auch grünes oder rotes Licht erzeugen.

Mein grösster Stolz aber war eine kleine Stablampe. Wenn ich mich recht entsinne, bekam ich sie kurz vor dem ersten Klassenlager geschenkt. «Damit du nachts auch den Weg zur Toilette findest», sagte meine Mutter. «Nicht, dass du noch über deine Kameraden im Massenschlag strauchelst!» meinte sie.

Ja, so eine Taschenlampe ist etwas Wunderbares. Nicht nur im Klassenlager, wenn man nachts auf die Toilette muss. Man kann aus ihr auch eine wunderbare Discobeleuchtung für den Schlussabend basteln. Ein wenig Seidenpapier über die Taschenlampe und schon stimmt das Ambiente! Oder man sendet sich Lichtsignale zu. Ja, wer das Morsealphabet beherrscht, kann mit einer Taschenlampe sogar morsen.

Auch daheim leistet sie gute Dienste. Wenn es eine Sicherung herausschlägt und das elektrische Licht ausgeht ist eine Taschenlampe unentbehrlich. Aus irgendeinem Grund finden sich die Sicherungskästen meistens in der dunkelsten Ecke der Wohnung oder des Hauses. Da ist es gut, wenn man das Licht einer Taschenlampe hat und genau sehen kann, welche Sicherung nicht mehr gut ist.

Gute Dienste tut so eine Taschenlampe auch, wenn man in der Nacht auf dem Heimweg einen unbeleuchteten Weg nehmen muss. Nicht nur sieht man den Weg, das Licht in der Hand gibt einem auch ein wenig Sicherheit. Mit einer Taschenlampe in der Hand fühlt man sich auch in einer mondlosen Nacht nicht allein!

Dabei ist eine Taschenlampe im Grund ganz einfach aufgebaut. Sie ist nicht mehr als ein Gehäuse, eine Batterie, eine Glühbirne und einen Schalter, mit dem man das Licht ein- und ausschalten kann.

Vielleicht fragt ihr euch, was meine kindliche Freude an Taschenlampen mit dem Vers über der Predigt zu tun hat?

Ich will es euch sagen: Für mich sagt der Vers über der Predigt nichts anderes, als dass die Bibel eine Taschenlampe ist. Sie ist eine spirituelle Taschenlampe.

In einer Taschenlampe steckt eine Batterie. Sie ist voller Energie. Ohne Batterie wäre die Taschenlampe nutzlos. Ist die Batterie leer, gibt die Lampe auch kein Licht mehr.

Die Bibel ist erfüllt vom Geist Gottes. Er ist eine mächtige Kraft. So gewaltig, dass diese Kraft die Welt aus dem Nichts erschuf. So lebendig, dass sie aus dem Tod neues Leben erstehen lässt. So ewig, dass sie jede Sekunde und jeden Augenblick die Welt trägt.

Von dieser Kraft sieht man oft nichts. Auch einer Batterie sieht man nicht an, ob sie voll oder leer ist. Die Kraft ist verborgen, wie die Energie in der Batterie. Der Strom ist da, auch wenn er nicht fliesst.

Erst wenn die Batterie mit einer Glühbirne verbunden wird, kann diese Energie in Form von Licht sichtbar werden. Heute ist dieses Birnchen oft eine LED. Eine furchtbar komplizierte Sache. In meiner Kindheit waren es aber noch richtige Glühbirnen im Miniaturformat.

Der Strom fliesst durch die Glühbirne. Er zwängt sich durch einen Wolframfaden. Er trifft auf Widerstand. Dabei erhitzt sich dieser Wolframfaden durch die Reibung so stark, dass der Faden zu glühen beginnt. Es entsteht Licht. Es wird hell!

Auch die Worte der Bibel, die ihre Kraft vom Heiligen Geist empfangen, müssen auf einen Widerstand treffen, damit die Kraft Gottes auf diese Art in der Welt wirken kann.

Dieser Widerstand, gewissermassen das Birnchen, das das Wort zum Leuchten bringt, ist der Mensch, der die Bibel liest. Es braucht ein Hirn, das verstehen will. Es braucht ein Herz, das glauben will. Es braucht eine Hand, die das Werk vollbringen will.

Eine Bibel, die ungelesen im Büchergestellt steht, ist wie eine Batterie, die in der Schublade liegt. Erst wenn die Batterie in eine Taschenlampe eingelegt wird und auf den Widerstand der Glühbirne trifft, kann sie leuchten. Sie strahlt umso heller, je grösser der Widerstand ist!

Zum Bibellesen gehört darum auch der Widerstand. Wer die Bibel einfach liest, und dabei innerlich einfach eine Jaja-Haltung einnimmt, bei dem kann das Wort nicht leuchten.

Eine Jaja-Haltung ist so eine Haltung alla: «Ja, ja, das ist lang her, aber heute!» «Ja, ja, das ist eine schöne Geschichte, aber halt eben nur eine Geschichte!» «Ja, ja, das ist ja gut und recht für die Kinder, aber ich bin doch Erwachsen!» «Ja, ja in der Not mag es ja gut sein hoffen zu dürfen, aber ich bin doch nicht in Not!» oder halt eben «Ja, ja das stimmt, aber das habe ich doch immer schon so geglaubt, gedacht und gemacht!»

Leuchten kann das Wort so nicht. Leuchten kann es nur, wo es auf Widerstand trifft. Da stellt es mich in Frage. Da muss ich mich mit ihm auseinandersetzen. Die Auseinandersetzung damit, setzt mich in Bewegung. Sie schickt mich auf den Weg. Sie schickt mich auf den Weg zur Begegnung mit Gott.

Auf diesem Weg beginnt mein Leben zu leuchten. Das Wort macht meinen Weg hell. Für mich: So dass ich den Weg finde. Es bewahrt mich davor, mich in der Finsternis meiner eigenen Seele zu verirren. Es hilft mir, nicht über die Fallstricke und die Versuchungen des Lebens zu stürzen. Es tröstet mich auf den dunklen Wegestrecken meines Seins. Ich muss keine Angst haben. Das Licht Gottes ist mit mir.

Im Vertrauen auf Gott, darf ich meinen Weg gehen. So wird sein Wort zu meinem Licht. Ein Licht nicht nur für mich selbst, sondern auch für die Welt. Denn es verwandelt nicht nur mich, es verwandelt durch mich die Welt. Wie die Glühbirne für den Strom ein Werkzeug ist um Licht zu werden, so bin ich in Gottes Wort ein Werkzeug, das seine Kraft in der Welt zur Wirkung bringt.

Das Wort Gottes ist wie eine Taschenlampe. Es gibt einem Licht in der Finsternis. Es hilft einem im Dunkeln nicht zu straucheln und den Weg zu finden. Doch wie die Taschenlampe nicht von selbst Licht gibt, sondern man den Knopf drücken muss, so ist es auch mit der Bibel. Man muss schon den Knopf drücken und lesen. Dann erst geht einem ein Licht auf und das Wort Gottes macht das Finstere hell.

Drück den Knopf! Lies das Wort! Werde Licht!
Amen

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