Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 10

Die aber, die auf den HERRN hoffen, empfangen neue Kraft, wie Adlern wachsen ihnen Schwingen, sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und ermatten nicht.
Jes 40,31

Das wichtigste in der gegenwärtigen Lage sei, einen strukturierten Tagesablauf beizubehalten. So oder so ähnlich höre und lese ich es in diesen Tagen von Seiten mancher Psychologinnen und Psychologen. Der gewohnte Rhythmus mit festen Tagesabläufen helfe der Psyche mit der Ausnahmesituation besser umzugehen. So soll man zur üblichen Zeit aufstehen, auch wenn man keine Termine hat. Man solle sich dazu bereit machen unter Menschen zu gehen. Man solle sich rasieren, schminken und anständig kleiden, auch wenn man das Haus nicht verlassen wird. Man soll seine Arbeitszeiten einhalten, auch wenn die Arbeit eine andere ist als sonst. Man soll seine Hobbies pflegen, soweit dies möglich sei. Die Nachrichten und Berichte über das Virus und die Krankheit soll man verfolgen, aber sich doch auch immer wieder von der Beschäftigung mit der Lage lösen. Am Wichtigsten aber sei es, dass man sich nicht gehen lasse. Denn wer sich gehen lässt, wird nicht unbeschadet durch die Krise kommen.

Ganz schön viel Arbeit, um die Krise zu überstehen, denke ich. Es ist anstrengend. Es braucht Energie. Es braucht Kraft einen geregelten Tagesablauf aufrecht zu erhalten. Es braucht mehr Kraft als unter normalen Umständen, denn unter normalen Bedingungen wird der Tagesablauf durch äussere Faktoren unterstützt. Man muss nicht darüber nachdenken und hat seine festen Termine. Das äussere Korsett der gesellschaftlichen Strukturen schnürt eben nicht nur ein, es stützt auch.

Nach einer Woche ohne dieses Korsett spüre ich die Müdigkeit. Keine befriedigende Müdigkeit, wie ich sie nach einem langen, aber erfolgreichen Arbeitstag verspüre. Keine satte Müdigkeit, wie nach einem Lager mit fröhlichen Kindern oder einer Reise mit den Konfirmanden. Keine wohlige Müdigkeit, wie nach einer anstrengenden Wanderung. Sondern eine bedrückende Mündigkeit, die sich nach Sinnlosigkeit, verschwendeter Zeit und Langeweile anfühlt. So fühlt es sich sonst an, wenn man nichts von dem realisiert, was man sich für einen freien Tag vorgenommen hat. Diese Müdigkeit fühlt sich faul an. Sie ist eine ohnmächtige Müdigkeit. Das Leben fühlt sich matt und trostlos an. Es ist Wüstenmüdigkeit. Die Hitze und der Weg erschöpfen einem, aber eine Rast bringt keine Erfrischung. Denn auch beim Rasten in der Wüste brennt die Sonne. Man muss weiterziehen, obwohl man müde ist. Man kann sich nicht ausruhen. Es würde nicht erfrischen.

Ich bin müde und doch ist der Weg durch die Corona-Wüste noch weit. Es liegt noch eine weite Strecke vor uns allen. Wir werden kämpfen müssen. Wir werde hoffen und bangen. Wir werden Ohnmacht erleben. Wir werden durchhalten müssen, unserer Müdigkeit und Erschöpfung zum Trotz.

Ja, in dieser Situation brauchen wir neue Kraft, wie sie der Prophet Jesaja verheisst. Wer Kraft empfängt, der kann. Er wird gestärkt zu neuem Können. Mit der Kraft, die ihm in die Hände und in die Füsse gelegt wird, bekommt er, was es braucht, um den Weg weiterzugehen. Diese Kraft ist stark. Sie hält die Ohnmacht und Verzweiflung aus. Diese Kraft gibt Halt. Sie tröstet die Trauernden. Diese Kraft begeistert. Sie lässt neue Hoffnung wachsen, richtet den Geknickten auf und schenkt neues Leben.

Diese Kraft ist keine gewöhnliche Kraft. Es heisst von ihr, sie sei neu. Neu ist diese Kraft, weil sie unverbraucht ist. Neu ist sie, weil sie nicht unsere Kraft ist. Diese neue Kraft ist nicht unser Können und nicht unser Vermögen. Sie ist darum nicht alte, erneuerte Kraft. Sie ist nicht Erholung vergangener Macht. Sie ist neu, weil sie eines Anderen Können ist. Sie ist das Vermögen Gottes selbst, der den Ermatteten neue Kraft gibt. Gott macht die Müden munter und lässt die Seele neu erblühen. Wie auf Flügeln des Adlers kann sie sich erheben. Ein Phönix aus der Asche der eigenen Ohnmacht und der Verzweiflung geboren. Diese Kraft verwandelt. Sie führt zu neuer Stärker. Jener Stärke, die nicht mehr die eigene ist, sondern Gottes Stärke. Er ist mächtig in den Schwachen. Er wirkt an dem, der auf ihn hofft. Er giesst seine Kraft in das Schwache.

Im Vertrauen auf unseren Gott, darf ich müde sein. Ich muss den Weg nicht allein gehen. Ich muss ihn nicht mit meiner Kraft gehen.

Wir dürfen in dieser Zeit ermatten. Wir dürfen zu unser Ohnmacht stehen. Wir dürfen unsere Verzweiflung vor Gott bringen. Auf ihn dürfen wir hoffen. Er gibt uns seine Kraft, die uns munter macht. Er gibt uns seinen Geist, der den Weg mit uns geht. Er gibt uns seine Gegenwart und lässt unserer Seele Flügel wachsen. Im Vertrauen auf ihn darf sie sich in den Himmel schwingen.

Gebet

Jesus
Ich bin müde.
Ich möchte schlafen.
Ich möchte nicht weitergehen.
Für den Weg, der vor mir liegt, fehlt mir die Kraft.
Ich kann nicht weiter und ich kann nicht stehen bleiben.
Doch du bist stark, wo ich schwach bin.
Du bist Hoffnung, wo ich verzweifle.
Du bist mächtig, wo ich ohnmächtig bin.
Auf dich hoffe ich.
Du gibst mir Kraft.
In dir darf ich hoffen.
Du gehst den Weg mit mir.
Amen

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