Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 4

Seid stark, euer Herz sei unverzagt, ihr alle, die ihr harrt auf den HERRN.
Ps 31,25

Der momentane Ausnahmezustand beginnt langsam das Aussergewöhnliche zu verlieren. Meine Seele gewöhnt sich daran. Es ist wie es ist. Was soll ich dagegen tun? Im Grunde genommen ist es wie immer. Ich stehe am Morgen auf, gehe ins Büro, arbeite, esse, telefoniere, lese, bete, kaufe ein, wenn es sein muss, lege mich am Abend ins Bett und schlafe ein. Der Ausnahmezustand ist merkwürdig nahe am Normalen. Was ist schon gross anders? Ich habe keinen Unterricht. Ich darf keine Menschen besuchen. Ich habe keine Gottesdienste zu halten. Es stehen keine abendlichen Sitzungen an. Ich taufe nicht. Ich traue nicht. Ich trainiere nicht mit den Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr. Ich kann am Wochenende keine Formel 1 und kein Eishockey sehen. Ich kann nicht mit meiner Frau essen gehen, noch nicht einmal zum Kaffeetrinken. Das Leben ist anders und doch nicht völlig verkehrt. Ruhiger – fast wie ich es mir ab und an wünsche. Ich könnte mich daran gewöhnen…

Nein, ich will mich nicht einlullen lassen! Nein, ich will mich nicht daran gewöhnen! Nein, ich will mich nicht mit dem Virus abfinden! Ich will wieder Menschen treffen und nicht nur mit ihnen telefonieren. Ich will mit meinen Schülerinnen und Schülern diskutieren und ihnen nicht bloss ein paar Links zu empfehlenswerten Seiten und Videos zukommen lassen. Ich will im Büro nicht bloss unerledigtes und aufgeschobenes abarbeiten, sondern wieder mit anderen an neuen Projekten arbeiten. Ich will nicht von Gemeinde träumen, sondern sie (wieder) mit euch leben!

Mein Herz soll nicht verzagen. Mein Herz soll sich nicht an den Ausnahmezustand gewöhnen. Mein Herz soll sich nicht schicken, sondern stark sein. Die Lage wird sich wieder ändern. Mein Herz darf auf den HERRN harren. Er wird es wohl richten.

«Seid stark, euer Herz sei unverzagt, ihr alle, die ihr harrt auf den HERRN.»

Amen

Atem – Achtsamkeitsübung

Seit einigen Jahren übe ich mich mehr oder weniger regelmässig in Meditation. Eine einfache Grundübung, die mir immer wieder hilft, ist das bewusste Atmen, oder genauer gesagt: Das bewusst wahrgenommene Atmen. So elementar das Atmen für uns ist, ist das richtige Atmen doch eine Kunst für sich. Man kann Uebungen erlernen und es werden ganze Bücher damit gefüllt. Mir selbst hat eine einfache Übung geholfen besser zu atmen und mehr innere Ruhe zu finden. Sie besteht eigentlich nur aus ein- und ausatmen.

Am besten legt man sich für die Übung hin. Nicht gerade auf den harten Boden, aber auch nicht auf eine zu weiche Matratze. Passt die Matratze zum eigenen Körpergewicht, so ist das Bett kein schlechter Ort für diese Übung.

Man legt sich also hin. Auf den Rücken, nicht auf den Bauch 😉. Die Arme entspannt (oder auch noch nicht entspannt) neben den Körper. Die Beine nicht völlig durchgestreckt und doch gerade neben einander (nicht überschlagen!), so dass die Füsse etwa den gleichen Abstand zu einander haben, wie die Schultern. Alles in allem sollte man entspannt liegen. Vermutlich wird man im Laufe der Übung merken, dass man am Anfang nicht entspannt war. So geht es mir zumindest oft.

Nun gibt es zwei Punkte am Körper, auf die man sich (abwechselnd) konzentriert. Der eine befindet sich auf dem Kopf, ich nenne ihn Kopfpunkt. Der zweite liegt auf dem Bauch und ist mit dem Nabel identisch. Dies ist der Bauchpunkt.

Zuerst konzentriert man sich auf den Kopfpunkt. Der Kopfpunkt ist jene Stelle, die beim aufrechten Stehen dem Himmel am nächsten ist. Man könnte sich vorstellen, wie von diesem Punkt ein goldener Faden zum Himmel geht. Gott zieht sanft daran und hält den Menschen aufrecht. Dieser Punkt ist gemeint. Im Liegen darf der Faden aber gerne vergessen werden. Es geht nur um den Punkt. Die höchste Stelle am menschlichen Schädel. Auf diesen Punkt konzentriert man sich nun beim Einatmen. Man atmet gewissermassen in diesen Punkt hinein. Das schafft fast automatisch ein Gefühl von Klarheit und Ruhe. Die Lungen füllen sich praktisch von allein richtig gut mit Luft, weil dem Körper das Atmen überlassen wird und der Geist sich ganz auf den Kopfpunkt konzentriert.

Irgendwann ist die Lunge voll frischem gutem Sauerstoff. Die Konzentration wechselt nun vom Kopfpunkt auf den Bauchpunkt, eben dem Bauchnabel. Man ist ganz bei sich selbst. Das ist gut so. Hier hat die Rede vom Nabel der Welt ihren Sinn. Durch den gedanklichen Wechsel vom Kopf in den Bauch entsteht eine fast unmerkliche Pause, in der weder ein-, noch ausgeatmet wird. Das Leben steht still – zwar nicht wirklich, aber doch für einen Augenblick. Die Ewigkeit küsst die Zeit…

Jetzt atmet man aus. Mit der ganzen Konzentration auf den Bauchnabel. Ohne Druck und ohne Anstrengung. Von daher stimmt es nicht, wenn ich schreibe «Jetzt atmet man aus», eigentlich müsste es heissen: «Jetzt atmet es aus». Man lässt den Atem los. Das Eigengewicht des Bauches tut alles.

Hört das Ausatmen auf, so wechselt die Aufmerksamkeit wieder zum Kopfpunkt. Der Prozess beginnt von vorn. Mit jedem Zyklus wird der Atem ruhiger und der Körper entspannt sich.

Am Abend hilft diese Übung beim Einschlafen. Am Morgen hilft sie, mit voller Energie, gut in den Tag zu kommen. Probieren Sie es aus!

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