Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 6

Freut euch allezeit, betet ohne Unterlass, in allem sagt Dank; das ist der Wille Gottes, in Christus Jesus, für euch.
1. Thess 5,16ff.

Am 28. März im Jahre 1515 wurde in einer kleinen Stadt in Spanien, ein Mädchen geboren. Teresa nannten es ihre Eltern. Behütet im geschützten Umfeld der Familie, welche zum Niederen Adel gehörte, wuchs sie mit ihren elf Geschwistern auf. Man erzählt sich, dass sie bildschön und von klarem Verstand gewesen sei. Ein grosses Herz schlug in ihrer Brust. Bald machte die Männerwelt der jungen Damen den Hof. Leicht hätte sie eine gute Partie machen können, doch Teresa wollte mehr. Die Aussicht als Dame und Mutter an das Haus gebunden zu sein, sagte ihr wenig zu. Sie wollte lernen. Sie suchte Bildung. Sie wollte ihren Intellekt nähren.

Ein schier unerreichbarer Wunsch für eine Frau des 16. Jahrhunderts. Er liess sich nur auf eine Weise erfüllen. Sie musste der Welt entsagen. Bildung oder weltliches Glück lautete ihre Alternative.

Eine schwere Entscheidung. Gerade für eine junge Frau, deren Esprit und Charm die Männer verzauberte. Würde ihr Humor und ihr Schalk hinter Klostermauern ersticken?

Teresa traf ihre Wahl. Sie trat ins Kloster ein. Sie blühte auf, ob des Wissens, das sich ihr erschloss. Doch war dieses Aufblühen nicht von Dauer. Die Enge des Klosters und die Ernsthaftigkeit, mit der sie sich dem Glauben widmete, fordern bald ihren Tribut. Teresa wurde krank. Schwer krank. Wochenlang schwebt sie zwischen Leben und Tod. Die ganze ärztliche Kunst ihrer Zeit konnte keine Verbesserung ihres Zustandes bringen. Auch die auswendig gelernten Gebete der kirchlichen Tradition halfen ihr nicht. Sie fand keinen Trost in ihnen. Ihre Angehörigen und ihre Mitschwestern fürchteten das Schlimmste. Sie würde sterben. Jung und vor ihrer Zeit.

Wie ein Schreckgespenst erscheint ihr in ihren Fieberschüben immer wieder Christus, der leidende Knecht Gottes am Kreuz. Der Tod stand ihr vor Augen. Ihr Tod. Sein Tod.

Dann geschah das Wunder. Im Angesicht des leidenden und sterbenden Jesus erfuhr sie Versöhnung. Sie erkannte sich selbst im gekreuzigten Sohn Gottes. Auf einer spirituellen Ebene erlebte sie, dass Jesus für sie starb. Er starb ihren Tod. In dieser Erkenntnis veränderte sich ihr Gebetsleben. Sie betete nicht länger die überkommenen Gebete ihrer Kirche, sondern begann frei in ihrem Herzen zu beten. Sie klagte. Sie weinte. Sie brachte ihre Verzweiflung und ihre Ohnmacht vor Christus.

Ihr Gebet wurde inniger. Es wurde Schweigen. Es wurde Hören. Gott wurde ihr zur Antwort auf ihr Leiden. Er wurde ihr zur Anti-Wort, wörtlich zum Gegenwort, gegen das Leid, den Schmerz und den Tod. In seinem Antwortsein fand sie tiefen Frieden und Kraft von einer ganz neuen, himmlischen Qualität.

Teresa wurde gesund. Es sollte nicht ihre letzte Krankheit und ihre letzte Leidenszeit sein. Das neue Leben, das ihr geschenkt wurde, war kein Leben ohne Leid. Aber der neu gefundene Friede hielt an. Gott bewahrte sie nicht vor Leid, aber er war mit ihr in allem Leiden.

In der Erfahrung der Gegenwart Jesu Christi in ihrem Leben fand sie Kraft. Sie wurde zur Reformerin und Gründerin mancher klösterlichen Gemeinschaft. Sie wich dem Kampf mit ihrer Kirche nicht aus. Sie stellte sich ihren Ängsten und ihren Zweifeln. Sie nahm ihre Schwächen an und war dankbar für ihre Stärken. Mit Geschick und Humor stellte sie sich jeder Herausforderung. Auch in lebensbedrohlicher Lage hielt sie fest an ihrem Gott und ihrem Glauben. Im andauernden Gebet und hören auf Gott sprudelte eine unversiegbare Quelle der Freude in ihrem Herzen. Ganz egal wie schlimm die äusseren Umstände auch sein mochten.

Ihre ganze Lebens- und Glaubenserfahrung mündete in einfache Zeilen ein: «Nada te turbe, nada te espante; Quien a Dios tiene, nada le falta. Nada te turbe, nada te espante: Sólo Dios basta». Nichts soll dich ängsten, nichts soll dich quälen. Wer sich an Gott hält, dem wird nichts fehlen. Gott allein genügt!

400 Jahre später wurde diesen Zeilen vertont. Sie gehören mit zu den schönsten Anbetungsgesängen der Kommunität von Taizé. Klicken sie auf den Link und stimmen sie mit ein!

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