Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 9

Redet einander zu und richtet euch gegenseitig auf, wie ihr es ja tut.
1. Thess ,5,11

Innerhalb einer Woche änderte sich der Beruf der Pfarrerin und des Pfarrers grundlegend. War er bis anhin davon bestimmt mit Menschen aller Altersstufen von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren, ist das Gesicht des Gegenübers praktisch vollständig aus der Arbeit verschwunden. Ich kann Ihnen im Augenblick nicht in die Augen blicken. Sie hören meine Stimme nicht. Wir können nur mit Verzögerung aufeinander reagieren. Es fällt viel an Kommunikation weg. Das Social Distancing schafft Distanz im Austausch.

Viele von uns erleben diese Distanz als Belastung. Sie ist eine Last und macht das Miteinander schwer. Man spürt ihr Gewicht in den Gesprächen, die nicht mehr von Angesicht zu Angesicht, sondern per Telefon, E-Mail, Brief, Newsletter, aber auch Skype und Zoom geführt werden. Das ist eine Herausforderung. Es ist aber auch ein Geschenk! Zumindest wenn diese Erschwernis in einen neuen Rahmen gesetzt wird. Eine Last, bzw. ein Gewicht ist nicht immer etwas Schlechtes. Denken wir nur einmal an den Sport. Athletinnen und Athleten sind für ihr Training auf Gewichte angewiesen. Die zusätzliche Last aktiviert die Muskeln. Sie werden stärker und es bilden sich neue Muskelfasern. Die gewonnene Kraft nutzt der Sportlerin und dem Sportler im nächsten Wettkampf. So steigert die Last auch die Leistungsfähigkeit.

Ganz ähnliches geschieht im Moment auch mit mir. Die erschwerten Bedingungen ermutigen neue Wege auszuprobieren. Anstelle eines Besuches tritt ein Telefonat, eine Karte, ein Brief ein. Wir telefonieren mehr miteinander. Wir schreiben uns. All die Hilfs- und Ermutigungsinitativen erreichen Menschen, die sonst von der kirchlichen Arbeit kaum erreicht werden. Es ist toll zu sehen, wie viele gute, aufbauende und stärkende Botschaften gerade in diesen Tagen per Facebook, Whatsapp, SMS und anderem geteilt werden. Es ist wunderbar zu sehen, wie viele Menschen spontan ihre Hilfe anbieten, damit gerade Menschen, die zur Risikogruppe gehören, sich so gut wie möglich schützen können. Die sonst so kritisch hinterfragte Solidarität zwischen den Menschen ist stärker und belastbarer als es sich viele vorstellen konnten.

So schrecklich die Corona-Pandemie ist und so zutiefst beklagenswert all jene Menschen sind, die der Krankheit COVID-19 zum Opfer gefallen sind und ihr noch zum Opfer fallen. So können wir den Kampf gegen sie doch gewinnen. Nicht als Einzelne, sondern als Gemeinschaft. Als Menschen, die im Abstand doch zusammenstehen. Die nach ihren Möglichkeiten Hilfe anbieten. Die Situation verändert unser Miteinander, aber sie zerstört es nicht. Sie mag es belasten, doch trainiert sie es zugleich. Was bis vor kurzem noch selbstverständlich und darum oft unbemerkt blieb, wird plötzlich sichtbar. Wir spüren, wie gut es uns tut im Gespräch zu sein. Wir merken, wie wichtig der Kontakt miteinander ist, der sonst oft als Smalltalk geringgeschätzt wird. Mit dem Virus verschiebt sich die Bedeutung der Dinge. Vielleicht liegt darin auch ein sekundärer Krankheitsgewinn, wie es die Psychologie sagt.

Mögen wir uns in dieser dunkeln Zeit der Pandemie auch nicht von Angesicht zu Angesicht sehen können, so können wir uns doch Trost, Zuversicht und Kraft spenden. Wir können einander anrufen. Wir können einander Karten und Briefe schreiben. Wir können einander Botschaften weitergeben. So können wir einander zum Licht in der Finsternis werden.

Wer um Menschen aus seinem Umfeld weiss, die grade in dieser Zeit einsam sind und ein gutes Wort brauchen können, der nehme das Telefon oder den Kugelschreiber in die Hand. Richtet euch auf!

Wer nicht weiss, was er oder sie sagen oder schreiben soll: Man darf gerne meine Texte kopieren und teilen. Wer sich nicht traut selbst aktiv zu werden, darf mir diese Menschen gerne melden. Wo es gewünscht ist, sende ich gerne die eine oder andere Predigt als Ermutigung, Stärkung und Trost in dieser Zeit.

Gemeinsam stehen wir diese Zeit durch! In dem wir tun, was Paulus der Gemeinde in Thessaloniki empfiehlt: «Redet einander zu und richtet euch gegenseitig auf, wie ihr es ja tut.»

Gebet

Herr Jesus
Du versprichst uns:
Wo zwei oder drei in deinem Namen zusammen sind, da seist du mitten unter uns.
Wir können nicht zusammenkommen.
Und doch können wir im Kontakt miteinander sein.
Wir können Telefonieren, Skype und Schreiben.
Wir können einander Anteil geben an unserem Leben.
So mögen wir nicht in deinem Namen zusammenkommen und sind doch in deinem Namen miteinander im Gespräch.
Herr Jesus
Lasse dein Versprechen auch gelten, wo wir getrennt sind.
Lasse deine Gegenwart in unseren Gesprächen spürbar sein.
Segne unser zusammenkommen, auch wenn es nur virtuell ist.
Segne unser voneinander hören, auch wenn es nur Briefe sind, die wir einander zukommen lassen.
Lasse im Licht von unserem Beistehen dein Licht leuchten.
Amen

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