Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 19

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. Er tröstet uns in all unserer Bedrängnis, so dass auch wir andere in all ihrer Bedrängnis zu trösten vermögen mit dem Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden.
2 Kor 1,3f.

Trost. Wir haben ihn nötig wie die Luft zum Atmen. Luft umgibt uns. Unser Körper lebt in und durch sie. Wir atmen sie ein. Nicht immer bewusst. Auch im Schlaf ist sie da. Man könnte vergessen, dass wir sie brauchen. Auch wie nötig wir Trost haben, merken wir oft nicht. Dann leben wir getrost. Der Trost fehlt uns nicht, weil wir bei Trost sind und er uns nicht fehlt.

Doch ist das Dasein des Trostes nicht selbstverständlich. Wir lernen dies schon als Kinder. Ein Sturz mit dem Velo, eine Schürfwunde und schon braucht es Trost. Es tut weh und die Tränen kullern. Die Mutter nimmt das Kind in den Arm, bläst auf die Wunde und sagt «Heile, heile säge…». Und schon ist der Trost wieder da, auch wenn die Wunde noch blutet und der Schmerz weh tut. Später lernen wir, dass nicht immer der Körper verletzt sein muss und wir trotzdem Trost brauchen. Wenn die erste Liebe bricht. Wenn Freunde wegziehen. Wenn Prüfungen scheitern. Wenn die Grosseltern, Eltern und schliesslich der eigene Partner oder Partnerin sterben.

Die Welt gerät aus den Fugen. Sie ist plötzlich ganz anders. Was gerade noch selbstverständlich war, gilt von heute auf morgen nicht mehr. Was sonst Halt gibt, ist ungewiss geworden. Es ist, als ob man den Boden unter den Füssen verliert und man sich nicht länger halten kann.

Wer Trost braucht, hat die Gewissheit und die Sicherheit im Leben verloren. Der Verlust trifft ihn. Plötzlich ist nichts mehr da, woran man sich gehalten hat. Die Seele verlangt nach Trost für die Lücke, die entstanden ist.

Doch der Trost füllt die Lücke nicht. Trösten heisst nicht über den Graben der Trauer hinweg zu trösten. Trost baut keine Brücke, auf die man sicheren Schrittes über den Abgrund hinwegschreitet. Trost ist kein Seil, dass einem aus dem Loch zieht. Trost vertröstet nicht auf später. Trost ist keine magische Kraft, die alles wieder gut macht. Trost rückt die Welt nicht wieder zurecht.

Trost in der Trauer nimmt die Traurigkeit nicht von der Seele. Der Verlust wird im Trost nicht aufgehoben. Der Trost stellt die alte Sicherheit nicht wieder her. Er ersetzt sie auch nicht durch eine neue Sicherheit. Der Trost gibt nicht neuen Boden unter den Füssen.

Trösten heisst vielmehr begleiten. Er ist Zuspruch von Kraft. Jener Kraft, die hilft durch das Tal des Verlustes hindurchzugehen. Wer tröstet schenkt Kraft. Er gibt weiter, was auch er empfangen hat.

Für Paulus ist es gewiss: Als Christinnen und Christen können wir trösten. Es ist unsere Aufgabe. Wir dürfen den Menschen in allen Formen der Bedrängnis beistehen, die das Leben mitunter bereithält. So gehört es zu den christlichen Aufgaben die Kranken und die Gefangenen zu besuchen, den Notleidenden zu helfen und den Sterbenden beizustehen. Wir tun dies. Auch heute. Auch in dieser Zeit, so gut es möglich ist und in solcher Form, wie es die Umstände erlauben.

Wir tun dies in unserer Person. Wir tun dies als Menschen. Doch tun wir es nicht aus eigener Kraft. Wir geben nicht unseren Trost, sondern wir geben Gottes Trost weiter. Wo wir trösten, da trösten wir als von Gott getröstete. Wir trösten, weil wir selbst Trost in unserer Bedrängnis erfahren haben. Unser Trost ist nicht unsere Macht, sondern unsere Ohnmacht. Trost ist nicht unser Können, sondern Gottes Können. Trost gehört nicht uns, sondern er ist unsere Erfahrung. Weil wir von Gott getröstet sind, sind wir getrost. Weil wir bei ihm getrost sind, können wir trösten. Weil wir auf ihn trauen, tröstet er durch uns.

So ist Gott unser Trost. In ihm sind wir gehalten. In ihm ist unser Schritt fest. In ihm kann uns keine Bedrängnis bedrängen. Als Getröstete dürfen wir ihn loben und preisen. Denn er hat in Christus alle Bedrängnis überwunden.

Gebet

Herr Jesus
Manchmal bin ich nicht ganz bei Trost.
Ich verliere den Halt unter den Füssen.
Ich finde in der Welt keine Gewissheit.
Ich falle.
Ich weiss nicht mehr weiter.
Ich habe Angst.
Ich bin allein.

Doch Du lässt mich nicht fallen.
Du fängst mich auf.
Du birgst mich in deiner Hand.
Du tröstest mich.
Bei dir darf ich ganz bei Trost sein.

Du ermutigst und ermächtigst mich.
Ich darf Deinen Trost in die Welt tragen.
Ich darf dich loben und anbeten.
Gepriesen seist Du in Jesus Christus!
Amen

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