Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 25

Während sie aber assen, nahm Jesus Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es den Jüngern und sprach: Nehmt, esst! Das ist mein Leib. Und er nahm einen Kelch und sprach das Dankgebet, gab ihnen den und sprach: Trinkt alle daraus!
Mt 26,26f.

Am 9. April des Jahres 1945, auf den Tag genau vor 75 Jahren, wurde Dietrich Bonhoeffer, Pfarrer der Bekennenden Kirche und Mitglied des Widerstandes gegen Nazideutschland, im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet. Seine Hinrichtung erfolgte auf ausdrücklichen Befehl Adolf Hitlers. Als Widerstandskämpfer war Bonhoeffer am Anschlag auf Hitler vom 20. Juli 1944 beteiligt. Dieser schlug, wie so viele Attentate auf Hitler, fehl. In der Folge wurden diverse Personen aus der Widerstandsgruppe um Admiral Canaris und General Oster, zu der auch Bonhoeffer gehörte, verhaftet. In der Zeit der Haft entstanden verschiedene Gedichte und Gebete, die er in Briefen an seine Familie und seine Verlobte festhielt. Diese erschienen posthum in Buchform unter dem Titel «Widerstand und Ergebung». Darin enthalten ist auch das Gedicht «Von guten Mächten». Ein Weihnachtsgeschenk an seine Verlobte Maria von Wedemeyer. Darin heisst es:

«Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern

des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.»

Die zentralen Themen Bonhoeffers Theologie sind die Hingabe und die Nachfolge. In Jesus Christus gibt Gott sich hin. Jesus stirbt am Kreuz. Er nimmt den schweren Kelch des bitteren Todes. Er nimmt das Leid der Welt auf sich und trägt ihre Schuld auf seinen Schultern. Er stirbt zur Versöhnung und als Opfer. Er nimmt der Schuld ihre Macht.

Er stirbt als Opfer. Aber nicht als Opfer für Gott. Er versöhnt nicht Gott mit dem Menschen, sondern umgekehrt. Jesus stirbt, damit der Mensch mit Gott versöhnt wird. Er stirbt als Opfer Gottes an den Menschen.

Damit stellt er (wie andere Theologen seiner Zeit z.B. Barth und Brunner) die überkommene Theologie auf den Kopf. Es ist kein (zurecht) über die Menschen verärgerter Gott, der durch den Opfertod am Kreuz beschwichtigt werden muss, sondern der Mensch, der über Gottes Gott sein verärgert ist und lieber sein eigener Gott wäre, der am Kreuz versöhnt wird. So ist Karfreitag Gottes Opfer vor und für die Menschen. Gott versöhnt den Menschen mit sich, indem er das menschliche Nein zu Gott ernst nimmt. Mit dem Tod Gottes am Kreuz macht Gott radikal ernst mit der Freiheit der Menschen und mit seiner göttlichen Liebe zu den Menschen. Weil das Nein des Menschen ganz und gar sein darf, erfüllt es sich am Kreuz. Dieses Nein wirkt am Kreuz und verwirkt damit seine Macht. Das menschliche Nein wird zur Ohnmacht der Osternacht. In der Auferstehung von Ostern überwindet Gott den Tod, indem er Jesus in seiner göttlichen und seiner menschlichen Natur auferweckt. Damit wird das Ja des Menschen zu Gott möglich. Diese Möglichkeit besteht in Jesus Christus. Es ist deshalb an die Nachfolge und die Annahme Christi gebunden. In Christus können wir Ja zu Gott sagen. Wir können in Jesu Nachfolge und durch Christi Ja zu Gott Ja sagen.

Jesus gibt sich hin. Gott gibt sich den Menschen hin. Der Mensch erhält in Christus Anteil an Gottes Herrlichkeit. Das Zeichen dafür ist das Abendmahl. Matthäus berichtet in seinem Evangelium, dass Jesus nur das Brot deutet. «Nehmt, esst! Das ist mein Leib.» Er gibt sich hin, damit seine Jünger ihn aufnehmen. Im Brot für den Leib. Im Wort für die Seele. Sie haben Anteil an ihm. Damit sind sie aber auch miteinander verbunden. «Trinkt alle daraus!» Trinkt aus dem einen Kelch. Trinkt das eine Blut. Trinkt das eine Heil. Denn dieser Kelch ist nicht mehr bitter. Er ist nicht mehr schwer. Sondern süss und leicht. Er erquickt die Seele. Er schenkt Anteil am ewigen Leben.

Was Dietrich Bonhoeffer lehrte und predigte, lebte er auch. Im finstersten Ausdruck des Nein des Menschen zu Gott, dass man sich wohl vorstellen kann, in der Ideologie der Nazis, hielt er am Ja in Christus fest. Als Pfarrer und Theologe lehrte er ohne Furcht vor dem Regime im Vertrauen auf Christus. Als Widerstandskämpfer und Agent half er Jüdinnen und Juden und anderen verfolgten Gruppen zur Flucht. Als Christ war er bereit gegen das fünfte Gebot zu verstossen, um einen anderen daran zu hindern weiterhin Schuld auf sich zu laden. Als Gefangener tröstet er seine Mitgefangen und stand seinen Wärtern als Seelsorger bei. Als Verurteilter nahm er sein Schicksal nicht als menschliches Unrecht, sondern im Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit an und sah im eigenen Tod Ende und Anfang zugleich.

So gab er sich in der Nachfolge Jesu hin. Er gab sich Gott hin, indem er ganz und gar auf ihn vertraute. Er gab sich den Menschen hin, indem er in diesem Vertrauen Christus in der Welt bezeugte.

Christus lädt uns ein. «Nehmt, esst! Das ist mein Leib.» und reicht uns seinen Kelch «Trinkt alle daraus!» Er ruft uns in die Nachfolge. Er gibt sich hin. Mir und dir. Wir dürfen in ihm Ja zu Gott sagen. Wir dürfen ihn aufnehmen und getrost aus Gottes Hand nehmen, was auch immer kommen möge.

Von guten Mächten treu und still umgeben

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Und hier zum Anhören:

Und hier noch eine Dokumentation über sein Leben:

Share Button
Dieser Beitrag wurde in Allgemein, Ermutigung in der Krise, Gedanken veröffentlich und mit diesen Tags versehen , , , , , , , , , . Verweis sezten auf denPermanentlink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.