Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 30

Durch Gottes Gnade aber bin ich, was ich bin.
1. Kor 15,10a

«Mach was aus dir! Es liegt in deiner Hand! Du kannst es schaffen!» diese formelhaften Sätze beschreiben unsere Lebenshaltung wohl viel besser als der Vers aus dem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth. Wir sind Macher, Gestalter, Regisseure und Leistungsträger. Wir bewundern Menschen, die es in unseren Augen geschafft haben. Die mehr Erfolg, Ansehen und Einfluss haben als wir. Wir lassen uns von unseren Vorbildern inspirieren und jagen ihrem Beispiel nach. Was sie erreicht haben, das können auch wir erreichen, wenn wir uns nur genügend anstrengen. Der amerikanische Traum ist längst bei uns angekommen. Das Streben nach Glück ist auch bei uns fast schon zum Menschenrecht und damit unhinterfragbar geworden. Ein jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, wie es der Volksmund sagt.

Wir sind Herrinnen und Herren unseres Lebens. Wer und was wir sind wollen wir selbst bestimmen. Wir haben Macht über unser Leben, über unseren Körper und über unseren Geist. Wir schreiben unsere Lebensgeschichte selbst. Wir sind Täter und nicht Opfer. Wir sind Macher und nicht Gemachte. Wir sind Schöpfer und nicht Geschöpfe.

Wie anders das Votum des Paulus. Auch er könnte stolz sein, auf das was er erreicht hat. Er könnte stolz sein auf seine Ausbildung, seine Herkunft und seine Fähigkeiten. Er könnte darauf hinweisen, wie es ihm gelungen ist sein Leben komplett umzukrempeln und vom Saulus zum Paulus zu werden. Er könnte mit Recht manche Gemeindegründung auf sein Palmarès schreiben. Doch er tut es nicht.

Er sieht sich selbst nicht als Herr seines Lebens, sondern überlässt es Gott Herr zu sein. Er anerkennt seine eigenen Grenzen und seine Ohnmacht. Er macht sich keine Illusionen über seine Macht. Er lässt sich daran genug sein, dass Christus an und durch ihn handelt. Er lebt aus der Gnade Gottes. Gott wirkt an ihm. Er verwandelt sein Leben.

In Zeiten, wie der unsrigen, in der auf Grund eines winzig kleinen Virus das Leben fast stillsteht, werden mir die Grenzen meiner Macht und meiner Fähigkeiten bewusst. Es ist nicht mein Verdienst, dass es mir und meinen Liebsten gut geht. Es ist nicht mein Verdienst, wenn ich ab und an einem anderen helfen darf. Es ist nicht mein Verdienst, wenn es mir gelingt einem Trauernden Trost, einem Schwachen Kraft und einem Suchenden Hoffnung zu geben. Es ist nicht mein Verdienst, dass ich bin, der ich bin. Es ist sein Verdienst. Aus Gottes Gnade bin ich, wer ich bin.

Gebet

Gott
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?
Du hast ihn nur wenig geringer als dich gemacht.
Du hast ihm Fähigkeiten und Macht gegeben.


Hilf mir, Gott, dass ich mir nicht zu viel auf mein Können einbilde.
Hilf mir, Gott, damit ich meine Grenzen annehmen kann.
Hilf mir, Gott, damit ich deine Gnade erkenne.


Lass mich wachsen in der Dankbarkeit.
Stärke mich im Vertrauen.
Erhalt mich in deiner Gnade.
Amen

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