Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 36

Sende dein Licht und deine Wahrheit, sie sollen mich leiten, mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen.
Ps 43,3

Es gab einst eine Zeit, in der nicht in jedem Smartphone ein GPS-Chip verbaut war. Keine freundliche Computerstimme wies einem beim Autofahren den Weg ans Ziel. Man hantierte mit Karten, die auf Papier gedruckt und entlang den Faltlinien oft kaum noch lesbar waren. Oft lagen gerade die entscheidenden Wegstellen just auf diesen Linien! Aus dem Kartenlesen wurde ein Kartenraten. Und dann erst die Orientierung mit dem Kompass. Man musste noch etwas im Kopf und nicht nur in den Beinen haben…

Fast unvorstellbar, dass es davor einst eine Zeit gab, in der auch Karten und Kompass noch nicht erfunden waren. Trotzdem brachen Menschen auf. Christoph Kolumbus entdeckte die Karibik. Die Wikinger gelangten nach Amerika, ohne es zu merken und unsere steinzeitlichen Vorfahren trugen Schmuck aus Materialen, welche im Nahen Osten abgebaut wurden. Die Globalisierung und der Welthandel ist kein Phänomen unserer Zeit. Schon der grosse Pestausbruch im 14. Jahrhundert dürfte seinen Ursprung in China gehabt haben. Statt Wochen dauerte es damals Jahrzehnten bis der Erreger Europa erreichte. Doch kam auch er entlang der Handels- und Reiserouten.

Immer schon waren Menschen auf dem Weg. Sie brachen auf, um Nahrung zu finden, Handel zu treiben, zu forschen und um ihr Seelenheil zu finden. Man reiste ohne Navi, Karte oder Kompass und doch fanden die Reisenden damals den Weg. Sie orientierten sich an der Sonne und folgten den Sternen.

Die Gestirne waren wichtig. Fanden die Menschen doch mit ihrer Hilfe zum Ziel. Am Tag orientierte man sich an der Sonne und in der Nacht an den Sternen. Man liess sich von ihnen führen. Man stellte sie sich als Götter vor und so verehrte man sie in vielen antiken Kulten. Man sah das eigene Schicksal durch die Sterne bestimmt und in Babylonien entstand ein erstes System der Astrologie.

An den vergöttlichten Sternen wollte man sich orientieren. Nicht nur auf Reisen, sondern im Leben. Die Menschen hofften, dass sie einem den Weg durch die Krisen wiesen. Gerade dort, wo die menschliche Kraft und Fähigkeit zu gering schien um die Herausforderung zu meistern. Wo man unbekanntes Terrain betrat, da sollten einem die Sterne führen.

Auch wir stehen auf unbekanntem Terrain. Noch kann niemand sagen, was die Lockerung der Massnahmen zur Bekämpfung der Corona-Epidemie bewirken und welche unerwarteten Folgen sie haben werden. Wir durchleben eine Situation, die wir nicht kennen und für die wir weder ein Navi noch eine Karte oder auch nur einen Kompass haben. Wir gehen unseren Weg blind. Wir vertrauen auf  Anführer, Anführerinnen und Experten, die wie wir diese Situation noch nie erlebt haben. Wir gehen tastend und sind versucht uns von Ängsten, Hoffnungen und Trugbildern leiten zu lassen. Wir trauen manchem unserer Sterne mehr zu, als das sie leisten können.

Wie gut war es, dass mit dem Gott Israels eine neue Stufe der Vernunft in die Welt kam. Schon mit dem ersten Schöpfungsbericht werden Sonne, Mond und Sterne entmystifiziert. Sie sind fortan keine Götter mehr. Noch nicht einmal Dämonen. Sie sind Lichter am Himmel, die von Gott gesetzt sind, damit sich der Mensch an ihnen bei seinem Wandern auf Erden orientieren kann. Sie sind Lichter für die geographische Orientierung, nicht mehr. Sie bestimmen nicht länger das Schicksal der Menschen.

Doch soll der Mensch nicht verloren sein. Gott selbst wird ihm Licht. Er offenbart seine Wahrheit. Wer auf ihn vertraut, findet den guten Weg.

Gerade im Orientierungsverlust unserer Tage dürfen wir auf ihn vertrauen. Wir müssen weder aus Politikerinnen noch Politikern, weder aus Expertinnen noch Experten neue Götter schaffen. Wir dürfen sie als das nehmen, was sie sind. Als Menschen die Verantwortung übernehmen und nach bestem Wissen und Gewissen den guten Weg suchen. Dafür dürfen wir ihnen Dankbarsein.

Als Christinnen und Christen aber orientieren wir uns am Licht Gottes. Er lässt uns nicht verloren gehen. Er führt uns zum Ziel. Er führt uns in der Krise. Er leitet uns im Leben. Er weist uns den Weg.

Gebet

Jesus
Ich wandere auf unbekanntem Terrain.
Ich gehe durch die Krise.
Gehe ich den richtigen Weg?
Handle ich in deinem Sinn?
Tue ich deinen Willen?


Ich weiss es nicht.
Führe mich an der Hand.
Nimm meinen Zweifel von mir.
Überwinde meine Angst.
Hilf mir, mich zurechtzufinden.
Lass mich auf dein Wort trauen.
Amen

Share Button
Dieser Beitrag wurde in Allgemein veröffentlich und mit diesen Tags versehen , , , , , , , . Verweis sezten auf denPermanentlink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.