Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 39

In der Finsternis erstrahlt den Aufrichtigen ein Licht, gnädig, barmherzig und gerecht.
Ps 112,4

Zurzeit findet kein Unterricht statt. Ich habe mir überlegt, wie das für mich gewesen wäre, wenn eine solche Situation zu meiner Schulzeit eingetroffen wäre. Vermutlich hätte ich mich zuerst gefreut. Quasi Ferien! Langweilig wäre mir bestimmt nicht geworden. Ich hatte immer so viele Ideen und Projekte. Aber mir hätten wohl bald meine Kolleginnen und Kollegen gefehlt. Klar mit den besten Freunden hätte man auch damals telefoniert. Doch hätte dies bestimmt zu Diskussionen in der Familie geführt. Damals telefonierten wir noch im Minutentakt. Ich kann es mir heute kaum mehr vorstellen. Telefonieren kostet mehr als die Grundgebühr. Die heutigen Jugendlichen kennen das wohl nur noch vom Roaming.

Ach was waren das damals für Zeiten! Das Leben war einfach, auch wenn wir glaubten es sei kompliziert. Es war leicht, auch wenn wir meinten, es sei hart. Wir waren frei, auch wenn wir uns eingesperrt fühlten zwischen Hausaufgaben und Hausarbeit. Es war schön Schüler zu sein. Es war schön Kind zu sein.

Mich überkommt beim Erinnern ein leicht süssliches, melancholisches Gefühl. Ob es Ihnen ähnlich ergeht? Können wir uns den Bildern unserer Kindheit entziehen? Können wir sie rein betrachten oder verändern wir sie immer durch unser Erinnern? Fragen auch Sie sich manchmal, ob es wirklich so war. Egal. Es ist schön zurückzudenken. Ich schwelge gerne in den alten Geschichten.

Da tauchen Erinnerungen auf. Zum Beispiel die Erinnerung ans erste Klassenlager. Wir waren in der fünften Klasse bei Herrn Zuberbühler. Ein toller Lehrer und ein wunderbarer Mensch. Mit ihm durften wir für eine Woche auf die Storchenegg ins Tösstal fahren. Mit dem Velo und den Velohelmen – damals ein Novum! In jener Woche bestiegen wir das Hörnli, das Schnebelhorn und den Bachtel, wir besuchten die Täuferhöhle und badeten in der Töss. An den Abenden spielten wir miteinander oder sassen draussen ums Feuer. Unser Lehrer erzählte uns dann Sagen aus dem Tösstal. Einige waren zum Schmunzeln, anderen liessen einem leise schaudern. Wie die Sage vom Höllloch und dem neugierigen Burschen, der sich nachts der Höhle näherte. Als ihm der Leibhaftige erschien, entkam er nur mit Mühen mit dem Leben. Doch ob des Schrecks war alle Farbe aus seinen Haaren gefahren und schneeweiss geworden.

Wir rückten näher zusammen. Wir drängten uns ein wenig mehr ums Feuer. Der dunkle Wald um uns, war ob der Geschichte finster geworden. Ein mulmiges Gefühl befiehl uns. Schaurig und schön zu gleich.

Doch das Feuer wärmte und machte Mut. Bald war die Sage wieder nur eine Geschichte. Ein kurzer Anflug von Gänsehaut. Das Licht des Lagerfeuers verscheuchte die Schatten. Gnädig, barmherzig und gerecht leuchtete es in die Nacht.

Nicht jede Finsternis lässt sich durch das Licht eines Lagerfeuers vertreiben. Es gibt eine tiefere Art der Finsternis. Jenes Dunkel, dass nicht die Augen betrifft, sondern sich auf die Seele legt. Diese Finsternis raubt das Leben. Sie verdunkelt den Alltag. Sie macht jede Nacht zur Höllennacht.

Doch Gottes Licht will auch in dieser Finsternis leuchten. Seine Kraft heilt im Schmerz und versöhnt in der Trauer. Sein Geheimnis strahlt auf der Erde auf. Es vertreibt die Finsternis. Es leuchtet gnädig, barmherzig und gerecht.

Segen

Gott sei dir Licht im Finstern.
Gott sei dir Wärme in der Kälte.
Gott sei dir Geborgenheit in der Einsamkeit.
Gott sei dir Ruhe im Lärm.
Gott sei mit, in und durch dich.
Amen

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