Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 41

Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, niemand wird dich antasten und dir Böses antun.
Apg 18,9b-10a

In den Anfängen des Christentums war der neue Glaube eine Reformbewegung innerhalb des Judentums. Die Christinnen und Christen waren Jüdinnen und Juden, die sich einzig darin von ihren Glaubensgeschwistern unterschieden, dass sie in Jesus den gesalbten Gottes erkannten. In ihm sahen sie das Versprechen Gottes erfüllt dem Volk Israel einen neuen Friedenskönig zu schenken. Sie akzeptierten, dass der versprochene Messias anders war, als es sich die Tradition wünschte. Er brachte den Frieden nicht mit dem Schwert. Er befreite das Land nicht von der römischen Besatzung. Die ersten Christinnen und Christen liessen sich von Gott überraschen. Vielleicht sagten sie sich: «Gott ist grösser. Er ist auch grösser als unsere Erwartungen. Wenn Gott sein Versprechen anders hält als wir es erwarten, dann ist das seine Freiheit.» So sahen sie in Jesus den Messias. Denn er brachte den Frieden, den Frieden mit Gott. Er machte frei, frei von der Sünde.

Auch Paulus hielt vorerst daran fest. Er predigte in den Synagogen. Er missionierte im ihm vertrauten Rahmen der Religion seiner Herkunft. Er wirkte in seiner Komfortzone. So gewann er einige Jüdinnen und Juden und manchen aus der Gruppe der Gottesfürchtigen; (das heisst jener Menschen, die sich dem jüdischen Glauben zugewandt hatten, ohne selbst zu Jüdinnen und Juden zu werden). So wurden die Synagogen zu Mittelpunkten der frühen Gemeindegründungen des Paulus.

Als Paulus nach Korinth kam, handelte er nach seiner Gewohnheit. Sein Weg führte ihn in die Synagoge. Er predigte zu seinen Glaubensbrüdern und sprach mit seinen Glaubensschwestern. Er verkündigte unter den Gottesfürchtigen. Einige wandten sich dem neuen Verständnis zu und liessen sich taufen. Sogar der Synagogenvorsteher, ein Mann mit Namen Crispus, den Paulus auch in seinen Briefen erwähnt, und seine Familie liessen sich taufen.

Doch bei vielen der Gemeindeglieder der Synagoge stiess Paulus auf erbitterten Widerstand. So sehr, dass er es sich ernstlich überlegte weiterzuziehen. Doch in der Nacht kam Gottes Geist über Paulus und er hatte eine Vision. Paulus verstand, dass er auch den Heiden Gottes Evangelium bringen soll. Er soll ihnen die gute Nachricht verkünden, dass auch sie in Jesus am Reich Gottes teilhaben dürfen. Er begriff, dass er nicht nur zu jenen gesandt ist, die schon an Gott glauben, sondern gerade auch zu jenen, die noch nicht von Jesus gehört hatten. Paulus begriff, dass er seine Komfortzone verlassen muss. Er soll und darf zu den Heiden und zu den Feinden Gottes gehen. Gott verspricht ihm, dass er mit ihm sein wird und er sich nicht fürchten muss.

Auch wir sollen uns jenen zuwenden, die uns nicht vertraut sind. Wir sollen auf die Menschen zugehen, die uns fremd sind. Ja, wir sollen auch zu jenen Brücken bauen, die uns ablehnen. Wir sollen und wir dürfen uns auch jenen zuwenden, die nicht auf uns gewartet haben. Im Vertrauen auf die Liebe Gottes dürfen wir unsere Hilfe jenen anbieten, von denen wir nicht wissen, ob ihnen unsere Hilfe willkommen ist. Wir dürfen jene ansprechen, die sich vielleicht nicht ansprechen lassen möchten. Wir dürfen auf jene zugehen, die uns fremd sind und vor denen wir vielleicht auch ein wenig Angst haben. Wir dürfen ihnen auf Augenhöhe begegnen und uns für ihr Leben, ihre Träume, Ängste und Hoffnungen interessieren.

Wir brauchen uns nicht zu fürchten. Wir dürfen reden und sollen nicht schweigen, denn Gott ist mit uns.

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