Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 44

Denn du hast mein Leben vom Tod errettet und meine Füsse vor dem Sturz, damit ich wandle vor Gott im Licht des Lebens.
Ps 56,14

Heute begegnet uns ein Vers, der eine Erfahrung reflektiert, welche die meisten von uns zum Glück nie machen müssen. David, der nach biblischer Tradition diesen Vers niederschrieb, wurde von seinen Feinden verfolgt. Sie trachten ihm nach dem Leben. David floh, doch war der Flucht kein Erfolg beschieden. Er geriet in Feindeshand und musste um sein Leben fürchten. Er verlor seine Freiheit.

Auch wir haben in unserer Zeit an Freiheit eingebüsst. Es ist kein feindliches Volk, das uns bedroht. Wir sind nicht in die Hände unserer Häscher gefallen. Und doch haben wir ein Stück unserer Freiheit eingebüsst.

Wir taten es freiwillig. Vernünftige Gründe überzeugten uns. Wir hörten auf die Menschen, die uns lieb sind und die uns empfahlen einen Teil unserer Freiheit aufzugeben. Wir feiern nicht mehr Gottesdienst. Wir bestatten unsere Toten im kleinen Kreis. Wir freuen uns nicht mehr mit bei Taufen und Trauungen. Das kirchliche Leben ist stillgelegt wie das Vereins- und Gemeindeleben. Nur noch was als systemrelevant gilt, läuft unvermindert weiter. Eine ganze Gesellschaft, ja die ganze Welt ist ins Straucheln geraten. Wir drohen zu fallen. Schon zeichnet sich eine der schwersten Rezessionen am Horizont der Wirtschaft ab. Nach der Bedrohung für Leib und Leben bedroht das Virus auch unsere wirtschaftliche Lebensgrundlage. Es ist keineswegs gesagt, dass nicht noch mehr kommen wird. Eine weitere Welle der Krankheit. Neue Konflikte auf Grund der veränderten Wirtschaftslage. Eskalation der Notsituationen auf der ganzen Welt.

Die Welt strauchelt. Es ist nicht gewiss, dass sie nicht fällt. Und das alles wegen eines winzig kleinen Virus? Wegen einer Krankheit, die eigentlich zu erwarten war und doch unerwartet über die Welt kam?

Oder hat es nicht auch andere Ursachen? Sind 7,8 Milliarden unserer Spezies für diesen Planet überhaupt erträglich? Ist es gut, dass die Weltbevölkerung jeden Tag um 260’000 Menschen wächst, trotz Corona? Sind wir eine Bedrohung für das Klima und die Umwelt, oder doch vor allem für uns selbst?

In den 1970er Jahren hatten die Mikrobiologin Lynn Margulis und der Chemiker und Mediziner James Lovelock eine spezielle Idee. Sie begannen nicht mehr einzelne Tiere als Lebewesen zu sehen, sondern die ganze Welt als einen grossen Organismus. Diese Idee nennt sich die Gaia-Hypothese (Gaia ist in der griechischen Mythologie die personifizierte Erde).

Ein Organismus ist dann gesund, wenn seine Teile in einem dynamischen Gleichgewicht zusammenspielen. Geht das Gleichgewicht verloren, wird der Organismus krank. Dynamisch ist dieses Gleichgewicht, weil sich die einzelnen Teile sehr wohl verändern dürfen. Ja, sie müssen sich verändern. So sind wir Menschen in einem dynamischen Gleichgewicht, wenn wir gehen. Wir bewegen uns und fallen doch nicht.

Doch das System Erde ist aus dem Gleichgewicht geraten. Nicht durch ein Virus, sondern durch einen Teil, der überhandgenommen hat. Die Weltbevölkerung explodiert. Dies wirkt auf das System. Prozesse kommen in Gang. Mechanismen beginnen zu spielen, die das Gleichgewicht wiederherstellen.

Als vernünftige Wesen haben wir auf die Bedrohung des Corona-Virus reagiert. Als vernünftige Wesen sollten wir auf das Ungleichgewicht der Elemente unserer Welt reagieren. Gott hat uns Verstand gegeben. Wir können unsere Ziele ändern. Wir können nach Gleichgewichtig streben und nicht länger nach Wachstum. Wir können uns verändern.

Wir straucheln. Möge Gott uns nicht fallen lassen, damit wir neu in seinem Licht wandeln.

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