Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 45

Der Mensch urteilt nach den Augen, der HERR aber urteilt nach dem Herzen.
1. Sam 16,7b

Was siehst Du, wenn Du in den Spiegel blickst? Siehst Du blaue, braune oder grüne Augen? Sind sie hellwach? Oder doch noch etwas verschlafen oder gar müde, von einem langen Tag? Was sahen sie, Deine Augen? Sahen sie Mühsal oder Leichtigkeit; Freude oder Trauer; Ordnung oder Chaos; Arbeit oder Vergnügen; Hässliches oder Schönes – Tod oder Leben?

Siehst Du die Fältchen um Deine Augen? Was erzählen sie über Dich? Sind es Lach- oder Sorgenfalten? Passen sie zu Dir? Zeigen sie Dein Alter oder Deine Lebenserfahrung? Gehören sie zu Dir oder möchtest Du sie gerne verschwinden lassen?

Was ist mit Deinen Haaren? Hast Du überhaupt welche? Wie sehen sie aus? Sind sie lang oder kurz, glatt oder lockig? Trägst Du sie offen, kurzgeschoren, hochgesteckt oder mit Dauerwelle? Sieht man ihnen sechs Wochen Lockdown an oder besuchst Du Deine Coiffeuse oder Deinen Coiffeure weniger oft? Was macht es mit Dir, wenn Du ein graues Haar entdeckst? Reisst Du es aus? Färbst Du es? Darf es grau sein, weil es auch als graues Haar zu Dir gehört?

Was macht es mit Dir, wenn Du in den Spiegel guckst? Was gefällt Dir? Was möchtest Du lieber verstecken? Welche Seite von Dir zeigst Du der Welt? Welche Seite dürfen nur Deine Familie und Freunde sehen? Welche Seite darf niemand sehen? Was sieht Gott, wenn er Dich betrachtet?

Mit uns Menschen ist es schon komisch. Wie viel Aufwand und Zeit wir darauf verwenden uns auf eine bestimmte Art und Weise der Welt zu zeigen. Wir pflegen unser Image und unseren Ruf. Vielleicht passiert es dabei nicht nur mir, dass ich mich ab und an ein klein wenig besser darstelle, als ich bin.

Ganz viel von dieser Pflege betrifft Äusserlichkeiten. Wenn wir merken, dass wir fotografiert werden, dann setzten wir ein Lächeln auf, auch wenn es uns gar nicht zum Lachen ist. Wir ziehen den Bauch ein und strecken die Brust raus, als ob nicht jeder, der uns kennt, merken würde, wie sehr wir uns dabei in Pose werfen. Porträtaufnahmen haben immer etwas Künstliches an sich. Wir wollen dem Auge gefallen.

Ob wir es wollen oder nicht, wir urteilen mit den Augen. Wir tun es im wahrsten Sinne des Wortes augenblicklich. Es dauert nicht einmal eine ganze Sekunde und ich weiss, ob mir ein Gegenüber sympathisch ist oder nicht. Das Gegenüber muss nicht einmal ein Wort sagen und schon steht mein Urteil fest.

Psychologische Untersuchen haben gezeigt, dass es nicht nur einen ersten Eindruck gibt, sondern sich das Urteil aus diesem ersten Eindruck fast nicht mehr verändern lässt. Ist mir meine Ärztin bei der ersten Begegnung sympathisch, so braucht es nur wenig und ich halte sie für kompetent. Das Urteil des ersten Eindrucks spurt meine ganze Wahrnehmung vor. Ich werde davon überzeugt sein, dass die Behandlung, die sie mir vorschlägt, die bestmögliche ist. Sogar wenn sie grobe Behandlungsfehler machen würde, braucht es viel, bis ich es einsehe. Und auch dann würde sie mir sympathisch bleiben. Es ist diese Macht des ersten Eindrucks, welche Hochstapler ausnützen. Sie bauen auf den ersten Eindruck. Sie sind Meister darin sich so zu geben, dass er positiv ist.

Aber auch das Gegenteil gilt. Ist mir jemand auf den ersten Augenschein zuwider, dann wird er mir nie sympathisch werden. Lächelt mir ein Politiker mit falschem Lächeln von der Wahlwerbung entgegen, ich werde ihn nicht wählen. Sogar wenn sich herausstellt, dass er meine Werte und Ziele teilt und sich zu 100% für meine Anliegen einsetzt. Seine Wiederwahl wird er dennoch nicht mir verdanken. Ich werde seinen Kollegen wählen, der nicht ganz mit meinen Ansichten übereinstimmt, aber mir beim ersten Eindruck sympathisch war. Es ist nicht logisch. Es ist nicht vernünftig. Es ist menschlich.

So brutal ist die Macht des ersten Eindrucks. Es gibt nur einen, der mächtiger ist.

Gott urteilt über uns nicht nach dem ersten Augenschein. Er schaut uns ins Herz. Er sieht nicht zuerst wer wir sind, sondern wer wir sein können. Seine Augen lassen sich nicht täuschen. Er sieht unser Potential. Er sieht in uns den Menschen, den er ursprünglich geschaffen hat. In seinen Augen können wir andere werden. In seine Augen sind wir es.

Er blickt uns ins Herz. Er verwandelt es. In ihm darf ich mich selbst neu entdecken. In ihm darf ich neu werden. In ihm darf auch ich mit dem Herzen sehen und die Welt und meine Mitmenschen neu erblicken.

Bei Gott zählt nicht der erste Eindruck. Bei ihm zählt das Herz!

Segen

Möge die Welt dich sehen, wie Gott dich sieht.
Möge sie dich lieben, wie Gott dich liebt.
Möge sie dir zum Reich Gottes werden.
Amen

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