Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 47

Haltet fest am Gebet, wachen Sinnes und voller Dankbarkeit!
Kol 4,2

Es ist mir schon vor einiger Zeit aufgefallen, doch habe ich geschwiegen. Nicht weil es nicht gesagt werden darf, sondern weil mir die Worte dafür fehlten. Ja, sie fehlen mir auch heute. Und doch kann ich nicht schweigen. Ich will schreiben. Ich möchte es mit Euch teilen. Der heutige Gedanke ist ein Dank an zwei Menschen, die im Hintergrund wirken.

Jeden Sonntag wird unsere Kirche nicht nur für den Gottesdienst vorbereitet, sondern auch liebevoll geschmückt. Gerade für die grossen Festzeiten des Kirchenjahres bedeutet dies viel Planung und Arbeit für unsere Sigristin und ihren Mann. Auch für die diesjährige Passions- und Osterzeit hatten sie alles vorbereitet. Doch dann kam Corona. Kein Gottesdienst. Kein Abendmahl. Kein Karfreitags- und kein Ostergottesdienst.

Keine Gottesdienstgemeinde, die sich am Kirchenschmuck erfreut. Ich hätte es verstanden, wenn sie dieses Jahr die Kirche ungeschmückt liessen. Ich hätte zugestimmt, wenn sie gesagt hätten, dass sie darauf verzichten möchten. Doch sie haben nichts gesagt. Sie haben die Kirche geschmückt. Würdig, der Situation angepasst, zur Andacht einladend und bestimmt nicht mit weniger Engagement. Ich spüre das Herzblut, das darin steckt und die ganze Liebe, die sie investieren.

Sie tun es zu ehren Gottes. Ich bin dankbar dafür.

Ab und an gehe ich in diesen Tagen hinüber in die Kirche. Ich setze mich in eine der Bänke und schaue nur. Ich betrachte den wunderbaren Schmuck. Er verwandelt sich von Woche zu Woche. Es kommen Blumen hinzu, Verblühtes wird weggeräumt und manches wird neu arrangiert.

Während ich betrachte, beginnt es in mir zu beten. Kein Gebet der tausend Worte. Häufig ist es nur ein Wort. Im Stillen. Im Herzen. Danke. Danke Gott, dass du auch in dieser Zeit bei uns bist. Danke, dass du die Welt so wunderbar geschaffen hast. Danke, dass du uns das Leben schenkst und uns das Wunder deiner Liebe zeigst.

In solchen Momenten ist es mir, als ob unsere Sigristin mit mir betet. Durch die Blumen und das Arrangement. Sie betet mit mir, wie ich sonst mit der Gemeinde im Gottesdienst bete. Sie schenkt mir ihr Gebet. Ich darf darin einstimmen.

So ist mir der Kirchenschmuck zum Gebet in der Corona-Zeit geworden. Er ist mir ein beständiges Gebet. In der Betrachtung und im stillen Sitzen in der Kirche ist mein Sinn wach. Ich erkenne in den Blumen das Wirken des Schöpfers. Sie verweisen auf seine Macht. Sie ist grösser als das Virus, die Krankheit und der Tod. In ihr bin ich gehalten. Mein Herz ist voll Dank. Ich bin dankbar. Ich bin getrost. Ich bin gehalten. Die leere Kirche ist nicht leer.

Gebet

Schöpfer Gott
Du hast diese Welt geschaffen.
Du hast mir das Leben geschenkt.
Du hältst mich in deiner Hand.
Du trägst mich.

In dir geborgen darf ich beten.
Ich bringe meinen Dank vor dich.
Danke für die Blumen.
Sie blühen dir zur Ehre.
Danke für die Vögel.
Sie singen dein Loblied.
Danke für den Regen.
Er preist dich und stillt den Durst der Erde.
Du labst mich mit der Schönheit deiner Welt.
Danke für deinen Segen.
Danke für das Leben.
Danke für deine Gegenwart.
Amen

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