Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 58

Der HERR ist mein Hirt, mir mangelt nichts.
Ps 23,1

Es ist gut zur Herde Gottes zu gehören und doch haben viele Angst davor. Mir fallen fünf Gründe ein, warum man nicht dazu gehören will. Fünf Gründe, die eigentlich keine Gründe sind. Denn sie stimmen nicht. Ganz im Gegenteil. Zur Herde Jesu zu gehören bewirkt gerade das Gegenteil. Die fünf Gründe sind Fehlleistungen des menschlichen Denkens. Sie halten Menschen davon ab sich auf ein Leben mit Gott einzulassen. Viele Menschen lassen das grosse Geschenkt verfallen, das Gott uns macht. Sie stolpern über einen eigenen Fehlschluss und hindern sich selbst daran ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Es ist Zeit genauer hinzusehen. Es ist Zeit von den Schafen zu lernen.

Der erste Grund: Die Freiheit

Freiheit heisst nach eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu leben. Ich bin frei, wenn ich machen kann, wie ich will. Niemand soll mich am Ausleben meiner Wünsche hindern. Niemand sich der Erfüllung meiner Bedürfnisse in den Weg stellen.

Wo ich alleine lebe, da bin ich maximal frei. Denn es gibt niemanden, der mich behindern kann. Ich muss auf niemanden Rücksicht nehmen. Ich kann tun und lassen was ich will.

So ist es nur logisch, dass ich mich keiner Herde anschliessen will. Teil einer Herde zu sein, würde bedeuten, dass da ganz viele andere sind. Ich müsste Rücksicht nehmen. Ich müsste mich einschränken. Die anderen könnten mich an der Erfüllung meiner eigenen Wünsche hindern. Teil einer Gemeinschaft zu sein, das heisst die eigene Freiheit aufzugeben, meinen viele.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Erst in der Gemeinschaft ist Freiheit möglich. Teil einer Herde zu sein befreit das Schaf von vielen Sorgen und Ängsten. Der Hirte führt sie zu saftigen Wiesen. Die Herde trägt die Sorgen mit. Man steht sich gegenseitig bei. Das schafft Freiräume, in denen der Mensch sich selbst sein kann. Wir brauchen unsere Herde. In ihr sind wir frei!

Der zweite Grund: Alleine ist man weniger angreifbar

Ein einzelnes Schaf ist für Raubtiere weniger attraktiv, als die Jagd auf eine ganze Herde zu machen. Jagt ein Wolf ein einzelnes Schaf, so setzt er alle Energie auf den Erfolg bei diesem einen Tier. Ist es gesund und stark, ist ihm der Erfolg nicht sicher. Vielmehr muss der Wolf damit rechnen leer auszugehen. Die ganze Kraft und Energie, die er in die Jagd investierte, sind verloren.

Jagd er hingegen eine ganze Herde, so hat er viel höhere Chancen auf Gewinn. Die Herde ist attraktiv.

Für das Schaf ist es also von Vorteil alleine unterwegs zu sein. So auch für den Menschen. Als Einzelner, der nicht zu einer Gruppe gehört, ist er viel weniger angreifbar. Er trägt nicht die Last der Geschichte der Herde mit sich. Niemand kann ihn für das Fehlverhalten eines anderen in der Gruppe verantwortlich machen.

Gerade in der Geschichte der Herde Gottes gibt es manchen dunkeln Fleck. Die Herde hat Schuld auf sich geladen. Nicht nur in der Vergangenheit, auch heute noch. Immer wieder werden Skandale öffentlich. Das macht mich traurig und betroffen. Zu unserer Herde des Herrn gehörten und gehören auch schwarze Schafe.

Der Wolf jagt die Herde. Die Versuchung jagt dem Menschen hinter her. Immer wieder sind wir bedroht Dinge zu tun, die uns und anderen nicht gut tun. Doch wie das Schaf in der Herde sicherer ist vor dem Wolf, so sind auch wir in der Herde mehr vor der Versuchung geschützt als wenn wir alleine durch das Leben gehen. Der Hirte setzt seiner Herde Grenzen. Er schützt sie. Die Tiere achten aufeinander. Wer in der Herde Gottes in Versuchung gerät, der darf hoffen, von den anderen darauf aufmerksam gemacht zu werden. So ist Umkehr möglich, ehe es zu spät ist. So kann man in Versuchung kommen, doch von der Versuchung nicht überwunden werden. Als Teil einer Herde ist die Chance grösser, dem Wolf der Anfeindung zu entkommen.

Dies ist keine Garantie. Skandale der Kirche in ihrer Geschichte und in der Gegenwart zeigen dies. Doch stärkt uns die Gemeinschaft, damit wir der Versuchung widerstehen können.

Der dritte Grund: Ich will mir meine Meinung nicht diktieren lassen!

Ein einzelnes Tier geht seinen eigenen Weg. Ein Herdentier aber, folgt der Herde. Es verzichtet darauf eine eigene Richtung einzuschlagen. Es muss der Herde folgen.

Tritt ein Mensch in die Gemeinschaft der Gläubigen ein, muss er sich dann seine Meinung von der Kirche diktieren lassen? Darf er keine eigene Meinung mehr haben?

Ganz im Gegenteil! Die Herde ermöglicht dem Schaf neue Wege und als Teil der Herde bestimmt es den gemeinsamen Weg mit!

So auch wir Christinnen und Christen. In der Gemeinschaft der Kirche werden uns die Wege Gottes offenbart. Gott kennt nicht nur einen Weg. Er ist der Weg der vielen Wege. Er ermöglicht dem Mensch ganz neue Wege. Diese Wege lernt er in der Gemeinschaft der Kirche kennen. Wo ein Weg scheinbar unpassierbar ist, da räumt Gott in frei. Er baut Brücken über Gräben, die der Einzelne nicht überwinden kann. In der Gemeinschaft vervielfachen sich die Wege.

Welcher Weg gegangen wird, bestimmt nicht bloss einer. Alle Tiere der Herde sind am Weg beteiligt. Denn der gute Hirte zwingt der Herde nicht seinen Weg auf. Er begleitet sie vielmehr auf dem Weg, den die Herde findet. Als Teil der kirchlichen Gemeinschaft bringt sich jeder ein. Gemeinsam bestimmen wir den Weg. Wir sind Weggemeinschaft.

Der vierte Grund: In der Herde hat man nur Kontakte untereinander

Es scheint so, dass eine Schafsherde ganz ähnlich ist mit der sozialen «Bubble», die uns die modernen Medien gebracht haben. Wir hören nur noch von einem kleinen Teil der Menschen, denn die Algorithmen von Facebook und Co zeigen uns nur Beträge an, die uns gefallen. Schliesslich sollen wir möglichst viel Zeit auf der Seite verbringen. Je mehr es uns gefällt, desto länger bleiben wir auf einer Seite. Sie gefällt uns umso mehr, je eher wir uns in unserer Meinung bestätigt sehen. Zu sagen «Das habe ich doch schon immer gewusst!» gibt ein gutes Gefühl.

Doch unsere Herde des Herrn funktioniert anders. Es ist keine Gemeinschaft der Gleichdenkenden. Vielmehr ist es eine Gemeinschaft mit einer geteilten Hoffnung. In ihr begegnen sich Menschen, die ganz unterschiedlich denken. So komme ich mit Menschen in Kontakt, die ganz andere Träume und Ideen haben als ich. Das erweitert meinen Horizont. Ich beginne Neues zu denken. Die Herde bereichert mich.

Der fünfte Grund: In der Herde sind alle Schafe gleich

Viele Bilder von Hirten und ihren Tieren zeigen malerische Szenen. Der Hirte im Meer seiner Tiere. Das Individuum, das sich in der Masse auflöst. Doch das ist nur ein Blick von fern. Schaut man genau hin, sieht kein Schaf dem andern gleich. Doch trotz der Unterschiede: Der Hirte wacht über ihnen allen.

So ist es auch mit der Gemeinschaft der Christinnen und Christen. Sie sind keine uniformen Gruppen. Christen sind keine grauen Schafe. Wir sind ein bunter Haufen, in dem auch Paradiesvögel ihren Platz haben. Denn unser guter Hirte liebt uns alle. In seiner Liebe dürfen wir uns gegenseitig annehmen wie wir sind. Wir dürfen Menschen sein mit Ecken und Kanten. Wir müssen uns nicht verstellen. Gott hat uns lieb.

So lernen wir von den Schafen, dass es gut ist Teil einer Herde zu sein. Denn die Herde macht uns frei, schützt uns, ermöglicht uns eine eigene Meinung, bringt uns in Kontakt und lässt uns die Menschen sein, die wir sind. Über allem aber steht die Liebe Gottes. Er schenkt uns dies alles. Damit uns nichts mangelt. Als seine Herde haben wir Anteil an seinem Reich. In der Gemeinschaft der Kirche dürfen in der Fülle seiner Liebe leben.

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