Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 59

Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.
Mt 24,35

Wenn uns das Corona-Virus etwas vor Augen geführt hat, dann ist es unsere eigene Vergänglichkeit. Wir sind sterbliche Wesen. Gott hat es für gut befunden. Er hat uns so geschaffen. Er hat unsere Geburt und unseren Tod zur Seite gestellt. Geburt, Werden, Vergehen und Tod sind die Bestandteile unseres Lebens. Fehlte auch nur eines dieser Bestandteile, unser Sein wäre nicht Leben. Ohne Geburt, es ist trivial, könnten wir nicht wachsen und gedeihen. Ohne Werden würden wir auf ewig im Stadium des Kleinkindes verharren. Ohne Vergehen gäbe es nur Wachstum. Ewiges Wachstum auf einem begrenzten Planeten kann in der Wirtschaft nicht funktionieren. Es funktioniert schon gar nicht im Leben. Fehlt der Tod, dann wäre ewiges Vergehen: Gebrechen, Schwächung, Krankheit und Leid. Ohne den Tod wäre unser Leben Hölle auf Erden.

Es ist gut, dass wir geboren werden. Es ist gut, dass wir sterben. Er ist gut, dass nichts Geschaffenes ewig währt. Erst durch die Vergänglichkeit erhält unser Leben Wert. Erst durch den Tod wird es lebenswert. Der Tod ist Vergehen. Er ist das Ende unserer Körpers, unseres Geistes und ja, auch unserer Seele. Nichts an uns ist an und für sich unsterblich. Allein Gott ist ewig.

Es gilt nicht nur für uns. Es gilt für alles Geschaffene. Es gilt für Tiere und Pflanzen. Es gilt für Berge und Ozeane. Es gilt für Sonne, Mond und Sterne. Alles hat ein Ende. Himmel und Erde werden vergehen, so sagt es Jesus. Er sagt es als Sohn Gottes. Er sagt es nicht als Mensch. Er sagt es aus seiner göttlichen Natur. Denn kein Mensch kann dies erkennen. Das Ewige muss dem Menschen offenbart werden. Wir verstehen es nur scheinbar. Es übersteigt unseren Verstand.

Dem Big Bang, dem Urknall, folgt unweigerlich der Big Crunch, der grosse Zusammenbruch. Das ist die Welt des Menschen. Es ist die Welt der Wissenschaft. Dem Big Crunch kann in ihrer Vorstellung nur ein nächster Big Bang folgen. Ein ewiges Werden und Vergehen. Doch das Göttliche steht ausserhalb davon. Es umfasst es. Würde es nicht vom göttlichen Geheimnis umfasst, es wäre nicht. Doch der Mensch kann es nicht erkennen, das Geheimnis muss sich selbst offenbaren.

Himmel und Erde werden vergehen, spricht Jesus. Es gibt keine Hoffnung innerhalb der Schöpfung. Es wartet nur der Tod auf uns. Der Ganztod, wie er in der Theologie heisst, betrifft den Menschen als Ganzes. Es gibt keine unsterbliche Seele. Es gibt keine Hoffnung.

Doch Christus fährt fort: «Meine Worte aber werden nicht vergehen.» Nicht die Worte des Menschen Jesus, sondern die Worte des Sohnes sind gemeint. Wobei die Übersetzung «Worte» für den griechischen Begriff zu kurz greifen. Logos meint so viel mehr. Es mit „Wort“ zu übersetzen zeigt nur die Grenze unserer Sprache. Logos meint auch den Gedanken, die Kraft und die Tat. Und welches Wort Jesu verweist nicht auf seine eigentliche und letztliche Tat hin, nämlich das Kreuz und die Überwindung des Todes. Am Kreuz wird die Sünde aufgehoben. Am Kreuz wird die Trennung von Geschöpf und Schöpfer überwunden. Der Sohn durchbricht den ewigen Kreis von Werden und Vergehen. In seinem Wort, in seiner Tat, in seinem Ereignis wird der Tod überwunden.

Es ist nichts Unsterbliches am Menschen. Auch die Seele stirbt. Doch im Wort wird ihr Unsterblichkeit zugesprochen. Im Vertrauen auf dieses Wort, das den Tod überwunden hat, wird auch die Seele aus dem Tod gezogen.

Es ist uns offenbart. Wir dürfen es hören, doch übersteigt es unseren Verstand, auch den religiösen. Wir können es nicht glauben, wir können es sich sagen. Es ist unaussprechlich. Das Geheimnis Gottes. Wir können nur vertrauen. Wir können uns nur dem Geheimnis als Geheimnis hingeben und auf die göttliche Kraft hoffen.

Himmel und Erde werden vergehen, doch in seinem Wort dürfen wir hoffen. In seinem Wort werden wir nicht vergehen.

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