Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 61

Den Herrn aber, Christus, haltet heilig in euren Herzen. Seid stets bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn jemand von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.
1Pet 3,15

Hätten Sie es gewusst? Heute ist der internationale Tag der Familie. Die UNO rief ihn vor bald einem Vierteljahrhundert ins Leben. Ziel des Gedenktages ist es, die Bedeutung der Familie für die Gesellschaft zu betonen. Die Familien sind die Bausteine, aus denen wir unsere Gesellschaft bauen. Sie sind die kleinsten Verbände, die den grossen Verband des Staates erst möglich machen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es eine traditionelle oder eine andere Form der Familie ist. Jede ist ein Baustein, ob Klein-, Gross-, Patchwork-, Eineltern-, Pflege-, Wahl-, Herkunfts- oder Regenbogenfamilie.

Wir alle gehören zu einer Familie. Die meisten von uns sogar zu mehr als einer. Denn neben der Kernfamilie gehören wir auch zur Familie unserer Verwandtschaft. Als Männer sind wir Grossväter, Väter, Söhne und Enkel. Als Frauen sind wir Grossmütter, Mütter, Töchter und Enkelinnen. Wir sind Onkel und Tante, Cousin und Cousine, Neffe und Nichte und vieles mehr.

«Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland», schrieb Jeremias Gotthelf. Er tat es in einem Manifest, das er als Festschrift zu Ehren der schweizerischen Schützenvereine im Jahre 1842 verfasste. Die Zeiten damals waren unruhig. Im Zuge des Napoleonischen Kriegszuges und der faktischen Eroberung der Schweiz, war die alte Ordnung auseinandergebrochen. Nach der Niederlage und Absetzung Napoleons begann eine Zeit der Neuordnung der Staaten, auch der Eidgenossenschaft. Die Kräfte zogen in verschiedene Richtungen, fast wäre unser Land am Sonderbund und dem daraus resultierenden Konflikt zerbrochen.

In diese Spannung hinein spricht – oder besser schreibt – Gotthelf. Er schreibt über die Familie und er spricht zu den Schützen und ihren Vereinen. Schon der Schreibanlass zeigt, es geht um eine Haltung der Abwehr und der Verteidigung.

Die Schützenvereine waren keine Sportvereine. Sie schossen und übten sich im Schiessen mit dem Zweck eine letzte Verteidigungslinie bei einer kriegerischen Bedrohung zu bilden. Sie schützten ihre Heimat und mit der Heimat ihre Familie. Die Familie die erst Heimat ermöglicht. Denn die Familie ist der Baustein. Familien bilden das Dorf oder die Stadt. Hier ist der Schütze zu Hause. Hier ist seine Heimat.

Die Familie ist die Grundlage. In der Familie werden die Grundlagen gelegt. Wie man in der Familie miteinander umgeht, so geht man auch im Staat miteinander um. Sind die Familien, die den Staat bilden, sparsam, so wird der Staat sparsam sein. Wird die Wahrheit und die Wahrhaftigkeit in der Familie vorgelebt, so wird auch der Staat wahr und wahrhaftig. Steht man einander in der Familie bei, so stehen sich auch die Bürgerinnen und Bürger im Vaterland bei. Steht man in der Familie zu seinem Wort, so wird auch der Staat, den diese Familien bilden, nicht wortbrüchig werden. Es ist verlass auf ihn, wie verlass ist auf die Familie.

Als Christinnen und Christen bilden auch wir eine Familie. Nicht durch Blutsverwandtschaft und nicht dadurch, dass wir unter einem Dach leben, sondern dadurch, dass wir Christus in unseren Herzen tragen. Wie die Familie bei Jeremias Gotthelf wehrhaft ist, so sind auch wir wehrhaft. Doch nicht mit Kriegswaffen, wie die Schützenvereine. Unsere Waffe ist geistlicher Natur. Es ist die Hoffnung und das Vertrauen auf Jesus Christus.

Wie die Familie, so sollen auch wir uns gegen innere und äussere Bedrohungen wehren. Doch nicht mit unserer Kraft und Stärke, sondern indem wir Zeugnis ablegen von Gottes Kraft und auf sie vertrauen. Wir sollen Rede und Antwort stehen, wo diese Hoffnung angegriffen wird. Wir sollen Rechenschaft ablegen über unsere Hoffnung, wie die Familie Rechenschaft ablegt über das Wesen des Staates.

Wie die Familie den Staat prägt, so prägt unser Christsein die Kirche. Wo wir über unsere Hoffnung schweigen, da wird auch unsere Kirche stumm. Wo wir unsere Zweifel verdrängen, da wird auch unsere Kirche zweifelhaft werden. Wo wir unser Vertrauen und die Frage nach Gott verbergen, da wird auch unsere Kirche gottlos.

Doch wo wir zu unseren Überzeugungen stehen, wird auch unsere Kirche überzeugend sein. Wo wir unsere Zweifel ansprechen, da wird auch unsere Kirche zu den Zweifeln der Welt nicht schweigen, sondern reden. Wo wir Christus in unseren Herzen heilighalten, da wird auch unsere Kirche heilig sein. Wo Gottes Wort an uns wirken darf, da wird sein Wort auch in unserer Kirche verkündet. Sie trägt es in die Welt hinaus, damit es der Welt Antwort ist.

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