Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 64

Er ist es, der das Tiefe und das Verborgene enthüllt; er weiss, was in der Finsternis ist, und bei ihm wohnt das Licht.
Dan 2,22

Als ich nach Veltheim kam, lernte ich von den Kindern im Unterricht ein Spiel kennen. «15 gilt» oder «15-14»nannten sie es. Jeweils ein Spieler oder eine Spielerin wurde als Sucher ausgewählt. Die anderen versteckten sich. Doch hatten sie nur solange Zeit ein Versteck zu suchen, wie es dauerte von 15 rückwärts zu zählen. Danach begann das Suchen, doch der Suchende durfte nicht frei umher gehen, sondern maximal drei Schritte machen. Wen er sah und erkannte, den hatte es erwischt. Er war für diese Spielrunde ausgeschieden. Erneut begann der Sucher zu zählen, doch diesmal nicht von 15, sondern von 14 die Zahlenreihe herunter. Die Spielerinnen und Spieler mussten ihr Versteck verlassen, beim Sucher abklatschen und sich erneut verstecken. Runde um Runde wurde die Zahl kleiner, bis schliesslich nur noch ein Kind übrigblieb. Dieses war der Gewinner oder die Gewinnerin und wurde zum neuen Sucher.

«15 gilt» lernte ich als actionreiches Spiel kennen. Es macht Spass zuzusehen oder gar selbst mitzuspielen. Sich zu verstecken und gesucht zu werden macht Freude. Es ist ein lustvolles Spiel mit dem Verbergen und dem Entdecktwerden. Man will nicht zu rasch gefunden werden. Doch geht nicht viel verloren, wenn man gefunden wird.

Verstecken und Verbergen, nicht immer ist es ein Spiel. Gerade für uns Erwachsene kann es zum bitteren Ernst werden. Man will ein dunkles Geheimnis bewahren. Es soll nicht entdeckt werden. Die Familie, die Freunde und die Nachbarn sollen es nicht wissen. Was würden sie denken, wenn es ans Licht käme, fragt man sich.

So werden die eigenen Schwächen und Fehler verborgen. Man versteckt sie vor seinen Kindern, man verschleiert sie vor dem Chef und am Ende versucht man sie vor sich selbst zu verbergen. Es wird gelogen, betrogen und die Schuld von sich geschoben. Alles nur, damit das eigene Bild rein bleibt. Damit man nicht zugeben muss, etwas nicht zu können oder einen Fehler gemacht zu haben.

Es ist erschreckend wieviel Energie, Zeit und Einsatz mancher aufwendet, um sich nicht den eigenen Schwächen stellen zu müssen. Die Angst davor, dass etwas ans Licht kommt, kostet Kraft und macht letztlich krank. Denn was verborgen wird, ist nicht weg. Es wirkt weiter. Oft viel stärker, als wenn es offen da liegt. Es ist, als ob die zerstörerische Kraft im Verborgenen sich ansammelt und wächst. Bis der Druck zu gross wird. Es kommt zur Explosion. Aus dem kleinen Fehler und der kleinen Schwäche wird eine echte Katastrophe.

Es ist nicht gut, wenn Schwächen und Fehler verborgen werden. Sie müssen aus der Tiefe ans Licht kommen dürfen. Stück für Stück, so dass sie bearbeitet, verarbeitet und schliesslich überwunden werden können. So funktioniert Psychotherapie. So tut es aber auch Gott.

Er bringt ans Licht, was verborgen ist. Doch ist sein Licht nicht grell. Er stellt unsere Schwächen und unsere Fehler nicht in ein Spotlicht. Unser Dunkel wird nicht präsentiert. Im Lichte Gottes werden wir nicht blossgestellt.

Viel mehr ist sein Licht ein sanftes Licht. In seiner Gegenwart darf unsere Finsternis aus der Tiefe ans Licht kommen. Wir können uns dem eigenen Dunkel stellen, weil Gott uns die Kraft dazu gibt. Er lässt sein Licht in uns leuchten. Es verwandelt das Dunkel und macht es hell. Er vergibt uns unsere Schuld. Wir dürfen zu unseren Fehlern stehen und unsere Schwäche anerkennen.

In seinem Licht dürfen wir um Hilfe bitten, wenn uns unsere Herausforderungen zu gross werden. Im Vertrauen auf ihn dürfen wir uns einander anvertrauen. Gemeinsam und in seiner Gegenwart können wir das Verborgene ertragen. Wo wir einander beistehen, da leuchtet sein Licht.

Es macht uns stark und gibt uns Kraft. In ihm sind wir geborgen. In ihm darf unser Leben sich wandeln. In ihm ist kein Dunkel. Er macht unser Leben hell.

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