Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 69

Befiehl also, dass das Grab bewacht werde bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und dem Volk sagen: Er ist von den Toten auferweckt worden. Der letzte Betrug wäre dann schlimmer als der erste.
Mt 27,64

Gibt es das Corona Virus wirklich? Stammt es von einem Markt oder wurde es doch im Labor gezüchtet? Ist COVID-19 wirklich so viel gefährlicher als die altbekannte Grippe? Oder ist doch alles bloss ein gross angelegter Betrug? Das Mittel der Wahl einer im Untergrund operierenden, geheimen Weltregierung, deren einziges Ziel es ist die Menschen zu kontrollieren, wenn auch offen bleibt wozu? Oder ist alles viel einfacher und logischer zu erklären? Ging es von Anfang an doch bloss darum, den Absatz von WC-Papier und Hygienemasken der darbenden Papierindustrie anzukurbeln? Die Presse machte willig mit, schliesslich sind die Zeitungsverlage von der Papierindustrie abhängig und leicht zu erpressen! Auch die Regierung und die Medizin muss mitziehen, denn auch sie wurden erpresst, schliesslich wird unser Geld auf Papier gedruckt und die Ärzte stellen ihre Rezepte auf Scheinen aus Papier aus! Die Wahrheit ist dementsprechend nur auf Youtube und im Internet zu finden, denn hier ist niemand auf Papier angewiesen…

Ja, es ist leicht sich über die Verschwörungstheorien lustig zu machen, die zur Zeit durch die neuen Medien geistern. Es ist noch leichter über Zeitgenossinnen und Zeitgenossen den Kopf zu schütteln, die diesen Schmarrn glauben. Aber es ist nicht christlich und es hilft auch niemandem weiter.

Von aussen wirkt eine Verschwörungstheorie wirr und widerspricht jeder Logik, doch befindet manch einer sich erst einmal innerhalb dieser Blase, so wird einem plötzlich alles klar. In der Blase ist nichts abstrus. Die Welt ausserhalb stimmt nicht. Sie sieht die Wahrheit nicht, weil sie die Lügen glaubt und für die Realität hält. Die Welt fällt auf die Verschwörung herein!

Das ist das Perfide an den Verschwörungstheorien. Sie teilen die Welt unweigerlich in zwei Teile. Der eine Teil lässt sich von der Verschwörung täuschen, der andere von der Theorie. Je nachdem auf welcher Seite der unsichtbaren, undurchdringlichen Trennwand man steht, sind die auf der anderen Seite die Getäuschten.

Dies ist kein neues Phänomen. Vermutlich entstanden die ersten Verschwörungstheorien mit den bronzezeitlichen Hochkulturen. Mit ihnen wird die Lebenswelt der Menschen komplex. Man versteht nicht mehr, was die jeweiligen Spezialisten tun. Der einzelne Mensch verliert den Überblick. Er sucht neue Orientierung und bildet sich seine Theorie über das Funktionieren der Welt. Denn wer eine Theorie hat, der versteht die Welt. Wer die Welt versteht, ist ihr nicht schutzlos ausgeliefert. Er hat die Kontrolle. Er weiss was zu tun ist. Er ist nicht mehr verloren.

So verwundert es mich auch nicht, wenn auch in der Bibel Verschwörungstheorien ihren Raum haben. Eine der bekanntesten rankt sich um Ostern. Die Gegner Jesu lassen das Grab nach Karfreitag bewachen. Sie fürchten, dass der Leichnam gestohlen werde und die Anhänger Christi behaupten, dass der Gekreuzigte auferstanden sei.

Natürlich kann das nicht sein. Schliesslich war das Grab an Ostern leer, trotz der Bewachung! Der Protest der Jünger hallt durch die Jahrhunderte. Die Gegner wurden diffamiert und ihre Nachkommen verfolgt. Die Verschwörungstheorie wurde umgedreht und führte über Umwege zum Antisemitismus unserer Tage.

Dabei war die Anfrage der Gegner Jesu gar nicht so unbegründet. Das leere Grab von Ostern liesse sich mit einem Raub des Leichnams erklären. Hätte man nicht auch anders als mit Verfolgung und Tod auf diese Anfrage reagieren können?

Ich meine es ist ein anderer Weg möglich. Ich meine, wir können besseres tun, als uns über Verschwörungstheorien lustig zu machen und den Kopf über jene zu schütteln, die an sie glauben.

Doch der andere Weg ist nicht leicht. Er ist kompliziert und braucht viel Geduld und echte Liebe. Ich bin aber davon überzeugt, diesen Weg würde Jesus gehen. Er würde zuhören. Mit Geduld und Liebe.

Es braucht ein empathisches Zuhören. Denn hinter jeder Verschwörungstheorie steckt eine Angst oder Not. Sie muss nicht berechtigt sein, aber sie ist real. Diese Angst lässt den Menschen leiden. Diese Not drückt ihn nieder. Das Leid, das daraus entsteht, ist es wert erkannt und ausgesprochen zu werden. «Ich sehe, du fürchtest dich», könnte ein erster Satz lauten. Ich nehme deine Angst wahr. Ich sehe, sie bringt dich in Not.

«Vor was fürchtest du dich?» könnte eine zweite Frage sein. So unverständlich die Theorie auch sein mag, die Ängste, die dahinterstecken, sind oft viel stärker mit der Wirklichkeit verbunden.

Die Angst davor den Arbeitsplatz zu verlieren, ist in unserer Zeit durchaus berechtigt. Es ist auch verständlich, dass Menschen damit rechnen, dass das Leben nach Corona anders sein wird als davor. Man darf davon erschrecken, was es heisst sich neu orientieren zu müssen. Die Krise bedroht uns gesundheitlich, sozial, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Das ist happig. Gerade jetzt, wenn wir zur Normalität zurückkehren, wird dies deutlich.

Können so im empathischen Gespräch Sorgen und Ängste konkret ausgesprochen werden, kommen sie ans Licht. Man kann über sie reden, man kann sie wahrnehmen und man kann nach Lösungen suchen. Die Verschwörungstheorie kann so aus dem Fokus genommen werden. Ihre Stimme wird leiser und leiser, denn wo die Sorgen und Nöte gelöst werden, verliert diese Stimme an Kraft.

Erst wenn die Theorie als Erklärungsmodel nicht mehr gebraucht wird, kann der Andere mit Abstand darüber sprechen. Manches wird sich so von alleine lösen, anderes kann aufgeklärt werden und manches wird bleiben. Ist man einmal einer Verschwörungstheorie aufgesessen ist es ein wenig wie mit einem trockenen Alkoholiker. Es bleibt etwas zurück. Es braucht Liebe und Verständnis der Mitmenschen.

Als Christinnen und Christen sollen wir in der Liebe Christi an der Welt handeln. Diese Liebe nimmt zuerst empathisch wahr und verurteilt nicht. Sie öffnet dann einen Raum des Gespräches über die Sorgen, Ängste und Nöte. Sie ermöglicht den Blick in den Spiegel. Wohlwollend und kritisch zugleich. Dadurch baut sie auf. Sie hält fest an der Liebe, auch wenn der Prozess Zeit braucht. Sie bleibt geduldig, auch wenn der Prozess stockt oder gar stehen bleibt.

Es ist nicht leicht. Doch meine ich, es sei diese Liebe, die Jesus uns vorlebt und in deren Nachfolge er uns ruft.

Gebet

Göttliche Kraft
Mache mich stark zu ändern, was ich ändern kann.
Mache mich geduldig zu  tragen, was ich nicht ändern kann.
Mache mich weise, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Mache mich zum Werkzeug deiner Liebe.
Amen

Share Button
Dieser Beitrag wurde in Allgemein, Ermutigung in der Krise, Gedanken veröffentlich und mit diesen Tags versehen , , , , , , , . Verweis sezten auf denPermanentlink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.