Gottes Engel wünsch ich dir!

Gott sagt: «Siehe: Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe.»
Ex 23,20

Liebe Gemeinde
Liebe Tauffamilie
Lieber Elias

Wir haben dich heute Morgen getauft. Das heisst, wir haben dir ein Versprechen gegeben. Oder doch besser, wir haben dir ein Versprechen eines anderen in seinem Namen versprochen. Wir haben dir versprochen, dass Gott sein Versprechen halten wird und dich auf deinem Lebensweg begleitet.

Das Versprechen eines Versprechens – das klingt wohl im ersten Moment nicht vertrauenswürdig. Immer wieder einmal müssen wir die Erfahrung machen, dass ein Versprechen nicht gehalten werden kann. Das Versprechen eines Versprechens müsste darum erst recht auf wackligen Beinen stehen.

Wenn ein Versprechen nicht erfüllt werden kann, fehlt es oft nicht am guten Willen. Es sind Umstände, die niemand voraussehen konnte, die es unmöglich machen das Versprechen zu halten. Man versteht es und doch fühlt es sich an, als ob das Versprechen gebrochen worden ist. Es fühlt sich ein wenig so an, als ob das Versprechen gar nie gegolten hätte. Das Vertrauen ist enttäuscht worden. Das tut weh und macht traurig.

Wenn ein Versprechen nicht gehalten werden kann, zeigt sich, was für eine ernste Sache es ist. Denn ein Versprechen ist mehr als eine Absicht, ein Plan oder eine Zusage. Es macht ein Unterschied, ob wir unserem Kind sagen: «Morgen gehen wir in den Zoo», oder «Ich verspreche dir und gebe dir mein Wort, dass wir morgen in den Zoo gehen».

Ein Versprechen gilt ohne Wenn und Aber. Es rechnet nicht einmal mit Umständen, die dazwischenkommen können. Es kann nicht neu verhandelt werden, wenn sich die Lage ändert. Es ist auf Dauer und Erfüllung angelegt. Wer etwas verspricht, der schliesst einen Bund und bindet sich an sein Versprechen.

Vielleicht mag da der eine oder andere denken, es sei besser gar keine Versprechen zu machen. Doch das wäre falsch. Es ist wichtig, dass wir unseren Kindern Versprechen geben. Die Versprechen sind die Banden, die unsere Beziehungen zusammenhalten. Es sind mächtige Worte, die uns gegenseitig binden und tragen. Im Versprechen legen wir die Grundlage des gegenseitigen Vertrauens.

So ist es gut, lieber Elias, dass deine Eltern, deine Gotte und dein Götti und wir als Gemeinde, dir unser Wort gegeben haben, dass wir dich gernhaben wollen und dich auf dem Lebensweg begleiten werden. Wir meinen es ernst und wir werden alles daransetzen, unser Versprechen zu halten.

Wir begleiten dich auf deinem Weg. Wir zeigen dir das Leben. Was wir wissen, werden wir dich lehren. So gut es uns möglich ist, werden wir dich vor Gefahren schützen und dich vorbereiten. Denn schon heute wissen wir, dass es Wege in deinem Leben geben wird, wo wir dich nicht begleiten können. Ja, es gibt Wege, die du allein gehen willst und Wege, die du alleine gehen musst.

Wir werden nicht immer für dich da sein können. Trotz unsrem Versprechen. Und dennoch brechen wir es nicht. Wir vertrauen auf Gott, der dir sein Versprechen gibt. In seinem Versprechen ist unser menschliches Versprechen gehalten. Er gibt dir seine Zusage. Sie ist Teil von seinem Wesen.

Denn wenn man den Anfang von deinem Taufspruch wörtlich aus dem hebräischen übersetzt dann heisst er: «Siehe. Ich, dein Gott, bin beständig sendend den Boten meines Willens, meiner Liebe und meines Planes für dein Leben …»

Ziemlich kompliziert, oder? Aber auch so viel mehr als das, was unsere Sprache ausdrucken kann.

Es heisst, dass Gott dir nicht nur einmal einen Schutzengel sendet, sondern dir beständig und immer wieder neu Boten von seiner Liebe zur Seite stellt. Das können himmlische Wesen sein. Göttliche Kräfte, die im Verborgenen wirken und die deine Augen nicht sehen und deine Ohren nicht hören. Dein Herz aber wird sie wahrnehmen, wenn du auf das göttliche Versprechen vertraust. Du wirst seine Stimme hören und seine Liebe spüren.

Es werden aber auch Menschen sein, die Gott dazu berufen hat. Wir alle können zu Engeln werden. Nicht solche mit Flügeln und in Licht gewandet, wie man sich das häufig vorstellt, sondern in ganz natürlicher Gestalt. In jedem guten Wort und jeder lieben Tat kann Gott uns zu seinem Boten machen. Wo wir in seiner Liebe handeln, da werden wir zu Engeln für unsere Nächsten. Da wird in unserem menschlichen Reden und Tun, Gott zum Ereignis. So wird Gott gegenwärtig.

Er wird dir den Weg weisen und dir Türen öffnen. Möglichkeiten werden sich dir eröffnen und es wird viele Wege geben, die du gehen kannst.

Lieber Elias, ich bin mir gewiss, du wirst das Laufen lernen. In wenigen Jahren wirst du auf eigenen Beinen stehen. Du wirst deinen Weg gehen. Auch im übertragenen Sinn. Du wirst deine Freiheit entdecken und sie wahrnehmen.

Nicht immer werden uns deine Wege gefallen. Hie und da werden wir dich warnen. Es gibt auch schlechte Wege, die dich nicht zum Ziel führen werden. Vielleicht wirst du auf uns hören. Vielleicht wirst du aber auch alle unsere Bedenken in den Wind schlagen. Manche Erfahrung musst du selber machen. Nicht jede Erfahrung wird gut sein.

Doch Gott lässt sich davon nicht abhalten. Er wird seinen Engel senden. Auch auf dem falschen Weg wird er bei dir sein. Er wird dich schützen, wo wir dich nicht schützen können.

Das heisst nicht, dass er dich vor allem Leid und jedem Schmerz bewahren wird. Du wirst die Konsequenzen von deinem Handeln tragen und die Verantwortung für dein Leben übernehmen müssen.

Das Leben hat gute und schlechte Seiten. Es ist eine Herausforderung das Richtige zu tun. Und ob ein Weg der richtige ist, weiss man hie und da erst, wenn man ihn gegangen ist. Ich wünsche dir von Herzen, dass du immer den richtigen Weg wählen wirst. Auf eines aber vertraue ich, dass Gott bei dir ist auf jedem Weg. Er mag dich nicht vor allem Leid bewahren können, aber er ist mit dir auch im Leid. Er ist für dich da und gibt dir seine Kraft, seinen Trost und seine Hoffnung.

So wirst du den Weg gehen. Er wird dich durch seine Engel und Boten führen. Wo du auf ihn vertraust, da kommst du an den Ort, den er für dich bestimmt hat.

Vielleicht wirst du, lieber Elias, dich fragen, wo dieser Ort ist. Ich kann es dir nicht sagen. Der Ort im Leben, den Gott dir bestimmt hat, ist dein Ort. Kein Mensch kann dir sagen, wo er liegt. Auch der Engel von Gott kennt ihn nicht. Er weist dir bloss den Weg und geht ihn mit dir, wo du auf ihn vertraust.

Wo der Ort ist, wirst du erst erfahren, wenn du angekommen bist. Du wirst es merken. Es ist der Ort, an dem du das findest, was dich glücklich macht. Du hast den Ort erreicht, wenn du deine Bestimmung findest.

Die Kraft von Gottes Liebe kann dir auf dem Weg dorthin, wie ein Kompass sein. Augustin, der grosse Kirchenlehrer vom 4. Jahrhundert nach Christus hat gesagt: «Dilige, et quod vis fac». Frei übersetzt heisst das: «Lasse dich von der göttlichen Liebe leiten, und was sie dir ins Herz legt, das mach!»

Wenn du dich, lieber Elias, von der Liebe bestimmen lässt, da wird er dir nicht nur seinen Engel senden, sondern du wirst selbst zu einem Engel für andere werden. Es wird dich glücklich machen und du wirst anderen zum Segen werden. Du wirst ein erfülltes Leben haben.

Das ist Gottes Versprechen an dich: Dass er mit dir auf dem Lebensweg geht und dich an diesen Ort führen will, wo du dein Glück und deine Erfüllung findest. Es ist sein Zuspruch für dein Leben. Du wirst den Weg gehen. Wo du ihn im Vertrauen auf seine Verheissung gehst, wirst du nicht verloren sein. Sein Engel wird dich begleiten und dich schützen. Er wird zu dir reden. Höre auf dein Herz. Höre auf Gottes Stimme.
Amen

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