Du bist ein Ton in Gottes Melodie

Eine Predigt inspiriert von Kurt Mikula „Du bist ein Ton in Gottes Melodie

Du bist ein Ton in Gottes Melodie!

Liebe Tauf- und Segnungsfamilie
Liebe Kinder der zweiten Klasse
Liebe Mitfeiernde von nah und fern

„Du bist ein Ton in Gottes Melodie!“ – dieser Satz steht nicht in der Bibel.

Leider.

Er sollte es. Er hätte es verdient, und er würde hervorragend in die Bibel passen. Denn es ist ein Satz, der in einem einfachen Bild eine tiefe Wahrheit fasst.

Das Bild ist schlicht. Du hast es vermutlich schon längst verstanden.

„Du bist ein Ton in Gottes Melodie! Du gehörst dazu. Du hast deinen eigenen Klang. Du bist an der rechten Stelle. Du bist ein Teil dieser wunderbaren Welt, die Gott komponiert hat. Du bist genau richtig so, wie du bist – ein wunderschöner Klang in einer ganzen Welt voller Töne.“

Du merkst: Du hast das Bild verstanden, das in diesem Satz steckt: „Du bist ein Ton in Gottes Melodie!“

Es ist ein einfaches Bild. Aber nicht flach. Es hat Tiefe. Denk einmal darüber nach. Da gehört noch vieles dazu. Vielleicht erkennt man es nicht auf den ersten Blick und hört es nicht beim ersten Hinhören.

„Du bist ein Ton in Gottes Melodie!“ – das heißt doch auch: Du bist einzigartig! So wie sich Töne durch ihren Klang, ihre Lautstärke, ihre Tonhöhe und ihre Länge voneinander unterscheiden, so sind auch wir Menschen völlig unterschiedlich. Es gibt große und kleine, dicke und dünne, kluge und weniger kluge, alte und junge, dunkle und helle, fröhliche und bedrückte Menschen.

Es sind verschiedene Töne, die eine Melodie ausmachen. Sie sind ganz unterschiedlich. Doch in einem sind sie alle gleich: Sie sind gleich wertvoll. Es gibt keine Töne, die wertvoller wären. Es gibt keine Töne, die weniger wert wären. Es braucht jeden!

Würde die Musikgesellschaft beim Singen plötzlich Töne auslassen, gäbe es ein heilloses Durcheinander. Du wüsstest nicht mehr, wie du singen sollst. Eine Kakophonie. Ein Chaos.

Es braucht jeden Ton – egal ob laut oder leise, fröhlich, besinnlich, traurig, verrückt, kurz oder lang. Jeder Ton ist nötig.

Ja, sogar die schrägen Töne! Die, die die Harmonie stören, die eine Dissonanz erzeugen, wie die Musikerinnen und Musiker sagen – sie sind ab und zu nötig.

Manches Musikstück lebt gerade vom Missklang. Gerade der schräge Ton macht die Musik spannend. Besonders gut kannst du das im Jazz oder im Blues hören. Dort gibt es die „blauen Noten“ – Töne, bei denen der eigentlich erwartete Klang durch einen etwas anderen ersetzt wird.

Manchmal sind es gerade die herausfordernden, scheinbar störenden Menschen, die einen ganz besonderen Klang in sich tragen. Es lohnt sich, wenn du dich mit ihnen auseinandersetzt. Es lohnt sich, wenn du ihnen zuhörst und versuchst, sie zu verstehen.

Dabei liegt die Bedeutung nicht im Missklang. Bei aller Wertschätzung der Disharmonie: Die blauen Noten sind nicht blau, weil sie stören, sondern weil sie sich in den Sinn des Ganzen einfügen.

Oder noch einmal anders gesagt: Du bist ein Ton in Gottes Melodie. Das gilt voraussetzungslos. Du kannst dabei eine blaue Note sein. Aber es macht einen Unterschied, ob du den Unterricht störst, weil du auf ein Unrecht hinweisen willst – oder ob du den Unterricht störst, weil es so lustig ist, wie die Lehrerin darauf reagiert. Blaue Noten zerstören nicht. Sie machen kritisch auf Unrecht aufmerksam.

So sehr es gilt, dass jeder Mensch ein Ton in Gottes Melodie ist und jeder so angenommen wird, wie er ist, so gibt es doch auch ein Verhalten, das destruktiv ist. Verhalten, das zerstört, nur um zu zerstören. Das ist ein Ton, der nicht klingen will. Er bleibt ein Ton in Gottes Melodie, doch er klingt nicht.

Denn jeder Ton lässt den anderen Ton gelten.

Wenn du meinst, den anderen fertig machen zu müssen, nur weil er anders ist – dann bist du keine blaue Note. Wenn du aber störst und „Nein“ sagst, weil jemand anderes fertiggemacht wird – dann bist du genau eine solche Disharmonie, die es braucht, damit die Welt harmonisch werden kann.

Du verstehst nicht, was ich jetzt gemeint habe? – Das macht nichts. Das war gerade etwas sehr theologisch. Wichtig ist: Hör auf dein Herz. Klinge für deine Mitmenschen. Nicht so, wie sie wollen, dass du klingen sollst, sondern so, wie es in deinem Herzen klingt. Klinge als Ton in Gottes Melodie.

Du bist ein Ton in Gottes Melodie. Es ist nicht irgendein Lied, das da gesungen wird. Es ist die Melodie Gottes, die ewig klingt – und du darfst Teil davon sein. Du darfst in dieser Melodie mitschwingen. Du darfst eine blaue Note sein. Du darfst den Takt dieser Melodie unterbrechen. Du musst kein braves, wohlerzogenes, musikalisches Kind werden, um dazuzugehören. Du musst überhaupt nicht erst etwas werden, damit du Teil dieser Melodie bist. Du bist es schon immer.

Du darfst dich in deiner Melodie entwickeln und wachsen. Du darfst mit anderen zusammenklingen – in Harmonie und Spannung. Als Lob-, Liebes-, Klage-, Wut- oder Danklied. Du darfst du sein. Du darfst Ton sein. Denn das heißt es, ein Ton in Gottes Melodie zu sein: dass du dich dafür einsetzt, dass die Gemeinschaft gelingt. Dass das Lied vom Leben in der Welt gesungen wird.

Als Ton zusammen mit anderen Tönen darfst du spielen. Es ist Gottes Melodie, die so erklingt. Diese Melodie ist gehalten in seiner Ewigkeit. Sie klingt immer in Gott nach und verklingt nie.

Ich fasse zusammen:

  1. Du bist ein Ton in Gottes Melodie. Du darfst es sein – so, wie du bist.
  2. Du bist ein Ton in Gottes Melodie. Du klingst mit anderen zusammen. Du bist Teil einer Gemeinschaft.
  3. Du bist ein Ton in Gottes Melodie. Gott trägt dich in seinem ewigen Klang. Er hält dich, ohne dich festzuhalten. Er lässt dich los, ohne dich fallen zu lassen. Er lässt dich erklingen:

Du bist ein Ton in Gottes Melodie.
Amen

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