Und Jesus sprach:
„Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie.“
Mk 4,26f.
Liebe Festgemeinde
Zu einem rechten Pfarrhaus gehört ein Garten – der Pfarrhausgarten.
Früher war er ein wesentlicher Teil der Ernährung der Pfarrfamilien, gerade auf dem Land. Denn es gab noch keine Migros oder Coop, keinen Volg oder Tante-Emma-Laden – ganz zu schweigen von Lidl, Aldi und wie sie alle heissen. Gemüse und Salat kamen aus dem eigenen Garten.
Heute ist das anders. Und doch: Der Pfarrhausgarten gehört vielerorts einfach dazu – auch in Frick.
Und weil der Garten da ist, gärtnert der Pfarrer.
Er versucht es wenigstens – wie in meinem Fall.

Der Garten bringt nicht nur Ernte ein, sondern auch Freude und Leid, Ärger und Staunen. Ja, mein Garten ist mir zum Lehrer geworden. Das Gartenbeet eine Schulbank, auf der man nicht schläft. Hier schreibt man nicht auf die Tafel, sondern tauscht Kugelschreiber und Bleistift mit Hacke und Stechgabel. Wie damals im Schreibunterricht in der Schule lautet auch im Garten das Ziel: Es soll akkurat in Reih und Glied stehen.
So packe ich das Gartenschuljahr jeden Frühling mit Fleiss und Freude an – und werde doch immer wieder von den Lektionen des Lehrmeisters Garten überrascht.
So auch in diesem Jahr!
Ich hatte mir vorgenommen, Zucchetti selber aus Samen zu ziehen, ein Beet mit vier bis fünf Pflanzen anzulegen. Die gelben sollten es werden – meine Frau liebt sie.
Also habe ich – noch halb in den Winterferien – Samen, Anzuchtpots und spezielle Erde besorgt.
Ich habe angepflanzt. Ich habe gegossen. Ich habe gewartet …
Und tatsächlich: Nach einer guten Woche haben sich die ersten Sprösslinge gezeigt. In der Stube, hinter dem Glas, hatten sie es warm und feucht, aber nicht zu nass. Die jungen Pflanzen sind gut gediehen, und der Gärtner ist stolz gewesen.
Im Mai – noch vor den Eisheiligen – habe ich die schönsten und kräftigsten Setzlinge ausgewählt und ins vorbereitete Beet gesetzt.
„Es wird eine gute Ernte!“, habe ich mich gefreut.
Ich habe angepflanzt. Ich habe gegossen. Ich habe gewartet …
Doch dann: Frühes, heisses und trockenes Wetter. Trotz aller Bemühungen und dem regelmässigen Giessen mit der Spritzkanne – die Setzlinge haben es nicht ertragen. Sie sind eingegangen.
Meine Ernte war Frust – aber doch auch eine Einsicht:
Die Setzlinge müssen akklimatisiert werden.
Also nochmals von vorne. Beim zweiten Mal direkt ins Beet.
Ich habe angepflanzt. Ich habe gegossen. Ich habe gewartet …
Und dann sind die Schnecken gekommen …
Ich habe mich geschlagen gegeben.
Bin ins Gartencenter gefahren, habe frische Setzlinge geholt und dieses Mal gleich drei Beete bepflanzt.
Zucchetti aus dem eigenen Garten – das kann doch nicht so schwierig sein.
Ich habe angepflanzt. Ich habe gegossen. Ich habe gewartet …
Und dieses Mal hat Gott seinen Segen zu meiner Arbeit gegeben.
Es ist zur Zucchetti-Schwemme geworden.
Was habe ich gelernt:
Du hast nicht alles im Griff!
Egal, wie sorgsam du die Setzlinge ziehst und wie viel Energie du investierst:
Das Keimen des Samens und das Wachsen der Pflanzen liegt nicht in deiner Hand! Es ist in Gottes Hand.
Wachsen braucht Zeit – du brauchst Geduld!
Man kann am Keimling nicht ziehen, damit er schneller wächst. Du reisst das spriessende Grün höchstens aus.
Es gibt Dinge im Garten – und im Leben – bei denen es keine Abkürzung gibt. Nur geduldiges Warten auf Gottes Segen.
Gott schenkt seinen Segen nicht immer sofort – aber sein Segen kommt!
Die Zucchetti sind gewachsen. Mehr als genug.
Weder Hitze noch Trockenheit, weder Schnecken noch Frust haben diesen Segen verhindern können.
Es braucht vielleicht Geduld – doch Gottes Segen ist längst unterwegs.
Ich habe angepflanzt. Ich habe gegossen. Ich habe gewartet –
und Gottes Segen ist aufgegangen.
Amen



