Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 20

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher wird mir Hilfe kommen?
Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
Ps 121,1f.

Ich hebe meine Augen auf. Ich, kein anderer. Ich selbst muss die Augen heben. Ich selbst muss es wagen und aufblicken. Dies kann niemand für mich tun. Nicht die Familie, nicht die Gemeinde, nicht das Volk blickt hier in die Berge, sondern ein einzelner Mensch.

Sein Blick ist nicht auf die Schönheit der Bergmassive gerichtet. Er sieht nicht majestätische Berge oder ewiges Eis. Er betrachtet nicht die scheinbar unberührte Natur. Er überhöht sein Sehen nicht zum Heimaterlebnis. Er erinnert sich nicht an Wanderungen mit der Familie im Sommer. Er träumt keiner Skitour im jungfräulichen Schnee nach. Er freut sich nicht auf eine Kletterpartie. Er will nicht mit dem Berg ringen. Er will ihn nicht bezwingen. Er will nicht auf ihm stehen und ins weite Land blicken. Er hebt bloss den Blick hinauf zu den Bergen. Er betrachtet den Berg vor ihm, ohne ihn zu werten. Der Berg ist nicht mehr und nicht weniger als ein Berg.

Ich blicke auf die Pandemie. Blicke ich wie der Sänger des Psalms? Kann ich die Krise als das wahrnehmen, was sie ist. Eine Krise. Eine ernste Krise. Eine Krankheit die zum Tod führen kann. Kann ich der Realität ins Auge blicken, ohne zu werten? Die Krise ist eine Krise. Sie ist keine Strafe Gottes. Sie ist nicht der Anfang vom Ende. Sie ist kein apokalyptisches Zeichen. Sie soll uns nichts lehren. Sie tut uns nicht gut. Sie ist da. Sie ist wie sie ist. Weder gut noch schlecht.

Einzig, was wir daraus machen, ist gut oder schlecht. Wir können das Gute in ihr sehen. Wir können uns an der neu entdeckten Solidarität freuen. Wir können in der Krise nach dem Sinn unseres Lebens suchen. Doch jeder für sich. Es gibt kein Wir in der Sinnsuche. Es gibt nur mich, mein Leben und meinen Sinn. Es gibt nur dich, dein Leben und deinen Sinn. Es gibt nicht den Sinn an und für sich, sondern jeder für sich entdeckt ihn. Der Sinn liegt nicht im Coronavirus noch in seinen Folgen. Das Virus hat keinen Zweck für uns. Es ist einfach da, wie der Berg einfach da steht.

Der Sänger des Psalms hebt seine Augen. Er blickt auf. Wer aufblickt steht unten. Er erlebt die Grösse des Berges. Er ist klein vor dem Berg. Es ist einfach so. Es ist weder gut noch schlecht. Weder richtig noch falsch.

Er sieht den Berg. Ich sehe die Krankheit. Wir beide haben die Frage: «Woher wird mir Hilfe kommen?»

Der Sänger des Psalms fragt nicht den Berg. Er fragt nicht den Gipfel. Sein Blick hebt sich darüber hinaus. Er fragt ins scheinbar Leere. Er fragt in den Himmel hinein. Der leere Himmel ist nicht leer. Er sieht Wolken. Es könnte ein Grösserer hinter ihnen verborgen sein. Gott könnte sich in den Wolken verstecken.

Er muss es nicht wissen. Die Möglichkeit, dass es so ist, reicht ihm. Er durchdringt die Wolken und den Himmel nicht. Er nimmt ihn als Grenze seiner Erkenntnis und seiner Erfahrung. Er lässt den Himmel Himmel sein.

«Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!» wird Jesus hunderte von Jahre später sagen (Joh 20,29). Der Sänger des Psalms glaubt, obwohl er nicht sieht. Er erblickt in den Bergen und der Weite des Himmels die Spuren des gewaltigen Schöpfers. Wer dies gemacht hat, ist grösser als alle Berge und seine Macht reicht weiter als die Wolken gehen.

Meine Hilfe kommt von Gott. Er hat Himmel und Erde gemacht. Er hat Macht über das ganz Grosse und das ganz Kleine. Er hat Macht über die Viren und die Bakterien. Er hat Macht über Ewigkeit und Zeit. Er hat Macht über Leben und Tod.

Meine Hilfe kommt vom Schöpfer aller Dinge. Denn der der dies alles schuf, hat auch mich geschaffen. Er hat mich zu seinem Bund geschaffen. Er schenkt mir Anteil. In Jesus Christus nimmt er mich als sein Kind an.

Es ist wie es ist. Wir sind Kinder Gottes. Weil er, der Himmel und Erde gemacht hat, dies so will. Wir sind Kinder, nicht weil wir erkennen, sondern weil wir vertrauen. Wir sind Kinder, die hoffend in den Himmel blicken und mit dem Sänger des Psalm sprechen: «Woher wird mir Hilfe kommen?

Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.»

Gebet

Gott
Du hast Himmel und Erde gemacht.
Du hast das winzig Kleine und das gigantisch Grosse durch dein Wort geschaffen.
Du gibst dem Leben seine Zeit.
Du gibst Spanne und Grenze.
In deiner Hand steht Augenblick und Ewigkeit.
Du hast mich geschaffen.
Du hast mich aufgenommen in deine Familie.
Ich darf bei dir sein.

Ich hebe meine Augen auf.
Ich nehme wahr, ohne zu werten.
Der Berg ist Berg. Der Himmel ist Himmel. Das Virus ist Virus. Die Krise ist Krise.
Du bist Du.
Du bist mein Gott.
Ich bin dein.
Amen

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