Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 14

Ich sehne mich danach, euch zu sehen, um euch teilhaben zu lassen an dieser und jener geistlichen Gabe zu eurer Stärkung, und das heisst: um in eurer Mitte gemeinsam mit euch ermutigt zu werden durch unseren gemeinsamen Glauben, den euren wie den meinen.
Röm1,11f.

Heute ist ein besonderer Sonntag. Oder besser, heute wäre ein besonderer Sonntag. Wäre die Lage nicht so surreal anders wegen dem Virus, wir würden heute Konfirmation feiern. Drei junge Menschen wären heute zu erwachsenen Mitgliedern unserer Gemeinde erklärt worden. Sie hätten im Gottesdienst mit der Gemeinde gefeiert und danach in den Kreisen ihrer Familie darauf angestossen. Doch es kam anders. Die Konfirmation wurde verschoben. Wir treffen uns nicht zum Gottesdienst. Ein jeder von uns ist aufgerufen zu Hause zu bleiben und den Kontakt zu anderen zu vermeiden.

Man könnte sich darüber beklagen. Doch das will ich nicht. Vielmehr möchte ich einige Gedanken mit Ihnen teilen. Ich sage etwas zur Konfirmation, zu Paulus und die Gemeinde in Rom und was das eine mit dem anderen zu tun hat.

Beginnen wir mit der Konfirmation. Sie ist ein Zeichen. Ein Zeichen deutet von sich weg, auf etwas anders hin. Dieses andere besteht, auch wenn es kein Zeichen gibt, das darauf deutet. Ein Zeichen verweist also auf eine Wahrheit ohne, dass es selbst die Wahrheit ist.

Was bezeichnet die Konfirmation? Sie bezeichnet den Übergang vom Kind zum Erwachsenen. Im speziellen den Übergang vom Kind zum Erwachsenen vor Gott. Dahinter steckt eine alte Vorstellung, die schon im Alten Testament wirkt. Väter und Mütter werden dort immer wieder dazu aufgerufen ihren Söhnen und Töchtern von Gott zu erzählen und sie in den Glauben einzuführen. Die Eltern übernehmen Verantwortung für ihre Kinder und deren Glauben. Sie stellen sich gewissermassen stellvertretend für sie vor Gott.

Auch in unserer Kirche wirkt diese Vorstellung nach. In der Taufe versprechen die Eltern, dass sie dem Kind von Gott erzählen. Sie lieben es und zeigen ihm so, was es heisst geliebt zu werden. Selbst völlig säkularisierte Eltern vermitteln in der Liebe zum Kind diesem ein Stückweit Gott. Denn von Gott heisst es, dass er die Liebe ist. Sie offenbaren sein Wesen, ohne von ihm zu sprechen.

Nehmen Eltern das Taufversprechen ernst, so beten sie mit dem Kind. Zuerst in dem sie beten, später in dem sie mit dem Kind zusammen beten. Sie besuchen das Fiire mit de Chliine, Familiengottesdienste oder schicken sie zu Jugendgottesdiensten. Sie melden ihre Kinder zum Unterricht an und sind mehr oder weniger darum bemüht, dass die Jugendlichen diesen besuchen. Kurz, die Eltern handeln für ihre Kinder.

Doch die Kinder sollen erwachsen werden. Sie sollen Verantwortung übernehmen. Sie sollen ihren Glauben mit allen Zweifeln und aller Herausforderung selbst gestalten. Sie werden konfirmiert.

Mit der Konfirmation erlischt aber keine Verantwortung. Vielmehr verschieben sich die Akzente. Haben die Eltern die Kinder bis zu diesem Punkt auf dem Weg angeführt, so treten sie nun ins zweite Glied. Die jungen Erwachsen gehen nun in Bezug auf ihren Glauben voran. Die Eltern begleiten Sie. Sie gehen nicht mehr voran, sondern mit.

Dieser Wechsel soll gesegnet sein. Hier kommt der Wortsinn der Konfirmation zum Tragen. Konfirmation hat seinen Ursprung in der lateinischen Sprache. Wörtlich bedeutet es Bestärkung. Diese Bestärkung gilt doppelt. Zum einen werden die Konfirmandinnen und Konfirmanden bestärkt ihren Glauben vor Gott selbst zu verantworten. Sie werden bestärkt ihren Weg zu gehen. Zum andern aber auch die Eltern. Auch sie brauchen die Bestärkung, denn Erwachsenwerden heisst auch, dass sie nicht mehr jeden Weg mit ihren Kindern gehen können. Sie brauchen Zuspruch und Kraft ihren Kindern zu vertrauen und sie eigene Wege gehen zu lassen. Ihr Weg ist nicht mehr länger der Weg ihrer Kinder. Ihr Glaube ist nicht mehr länger der Glaube ihrer Kinder. Die Wege dürfen sich trennen, die Verbundenheit aber wird bleiben.

Auf getrennte Wege stossen wir auch bei Paulus. Er kennt die Gemeinde in Rom nicht persönlich. Sie hat sich ohne ihn formiert. Sie pflegt ihren eigenen Glauben. Doch Paulus verlang es danach sie zu sehen. Er will ihnen begegnen. Er will, dass sich ihre Wege kreuzen.

Es verlangt ihn danach sie zu besuchen. Denn in der Begegnung von Angesicht zu Angesicht da kann etwas neues passieren. Wie Paulus sich sehnt die Gemeinde in Rom zu sehen, so sehne ich mich danach Ihnen wieder von Angesicht zu Angesicht begegnen zu dürfen. Es ist etwas anderes, wenn wir uns sehen, als wenn wir nur von einander hören oder gar nur von einander lesen.

Wo die Jugendlichen nach der Konfirmation eigene Wege gehen, da führen diese Wege mitunter auch geographisch auseinander. Der Sohn zieht für die Lehre in die Stadt. Die Tochter macht ein Austauschsemester in Amerika. Die Familie sieht sich nicht mehr so oft. Was bisher selbstverständlich war, wird zu etwas besonderem. Das ist gut so. Es führt einem vor Augen, wie wichtig man einander ist. Man lernt sich neu wertzuschätzen.

Unsere Lage ist dieser Erfahrung durchaus ähnlich. Auch wir können uns zur Zeit nicht von Angesicht zu Angesicht begegnen. Auch wir stehen im Moment vor allem per Telefon, E-Mail und Briefen im Kontakt. Wir können uns für eine gewisse Zeit nicht einfach so kurz besuchen.

Das ist schmerzhaft, aber es ist auch gut. Weil es uns neu lehrt, was wir aneinander haben. Es ist gut, wenn es Zeiten der Trennung gibt. Sie sind gut und wichtig. Nicht schlechter und nicht besser. Einfach anders.

Doch ob getrennt oder zusammen, eines verbindet uns. Wir dürfen uns durch den Glauben ermutigen lassen. Er bestärkt uns auf dem Weg. Unser gemeinsamer Glaube, der Ihre wie der meine, mögen uns Kraft geben in dieser Zeit und uns verbinden, auch wenn wir getrennt sind!

Segen

Der drei einige Gott segne unser Zusammensein und unser Auseinandersein.
Er segne unser Kindsein und Erwachsensein.
Er segne unsere Wege, wenn sie auseinanderführen.
Er segne unsere Wege, wenn sie aneinander vorbeiführen.
Er segne unsere Wege, wenn sie aufeinander zuführen.
Er segne unsere Wege, wenn sie sich treffen.

Gott segne und behüte uns in dieser Zeit
Er lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig in der Herausforderung der Zeit.
Er erhebe sein Angesicht über uns und schenke uns Frieden in unserer Seele.
Amen

Share Button
Dieser Beitrag wurde in Allgemein, Ermutigung in der Krise, Gedanken veröffentlich und mit diesen Tags versehen , , , , , , , , , , , . Verweis sezten auf denPermanentlink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.