Ein täglicher Gedanke in Zeiten des Virus – Tag 5

Und als Jakob an Penuel vorüber war, ging ihm die Sonne auf. Er hinkte aber wegen seiner Hüfte.
Gen 32,32

Unser Weg hat uns an einen reissenden Fluss geführt. Es ist der Fluss des Corona-Virus und der COVID-19 Krankheit. Als Gemeinschaft müssen wir diesen Fluss überwinden. Wir gehen Tag für Tag ein paar Schritte näher darauf zu. Wir müssen hindurch. Stehenbleiben und abwarten ist keine Option mehr. Wir müssen hinüber. Es gibt keine Brücken. Nur eine schmale Furt führt durch das Wasser. Dort ist der Pfad durch den Strom gangbar. Der Grund ist nicht so tief, dass der Wanderer in ihm ertrinkt.

Wer durch eine Furt muss, kann dies nicht trockenen Fusses tun. Wir werden nasse Füsse bekommen und sie sind schon nass. Über 3000 bestätigte Fälle und 39 Menschen, die trotz modernster medizinischer Behandlung nicht mehr gerettet werden konnten. Wir stehen schon im Fluss. Die Frage ist, wie wir die Furt beschreiten. Drei Methoden sind möglich. Augen zu und durch, voll Furcht und Panik oder mit offenen Augen und Gottvertrauen im Herz.

Die «Augen-Zu-Und-Durch-Methode»

Die Augen fest verschlossen vor dem Virus konzentriert man sich auf die schönen Seiten. Am See hat es endlich Platz. Im Park findet man leicht ein lauschiges Plätzchen zum Picknicken. Schliesslich ist man jung und gesund. Was soll schon passieren? Solange es nicht verboten ist, ist es erlaubt! Egal was Ärzte, Behörden und Bundesrat empfehlen. Die Tage sind zu schön, um drinnen zu bleiben! Lieber die Sonne geniessen. Das tut gut und was guttut, das schützt vor Krankheit. Da stören ein paar Polizeiautos und die über Lautsprecher verkündete Bitte doch besser nach Hause zu gehen und den Ernst der Lage nicht auf die leichte Schulter zu nehmen doch nicht. Wer durch Dauerberieselung im Grossraumbüro genügend geübt ist, dem fällt es nicht schwer diese Botschaft zu überhören.

Doch die Augen-Zu-Und-Durch-Methode ist kein Vorrecht der Jugend. Wer den Zweiten Weltkrieg, die Ölkrise, den Kalten Krieg inkl. Kubakrise, die Maul und Klauen Seuche, Masern, Mumps und die eine oder andere Rezession überstanden hat, dem kann so ein Virus nun nichts anhaben. Bisher hat man es auch immer selbst geschafft. Es geht doch prima ohne Hilfe. Warum also jetzt zu Hause bleiben. Nur weil es heisst, dass man zur Risiko-Gruppe gehört? Ich doch nicht! Schliesslich ist man noch sehr fit für sein Alter. Was würde auch die kranke Nachbarin machen, wenn man nun wegen ein Bisschen Corona nicht mehr für sie einkaufen würde? Und Selbst um Hilfe bitten? Niemals! Schliesslich ist man stolz auf seine Selbstbestimmung. Es hat etwas mit Würde zu tun, nicht auf Hilfe angewiesen zu sein! Wirklich?

Die Gruppe der Augen-Zu-Und-Durch-Methode schreitet mutig, aber blindlings auf den Strom zu. Ob sie die Furt so finden wird? Wünschen wir ihr es!

Die zweite Gruppe geht voll Furcht und Panik. Ihre Methode ist die «Es-Ist-Brand-Gefährlich-Methode».

Voller Angst mit dem Strom mitgerissen zu werden, geht sie nur zögerlich. Sie tastet jeden kleinen Schritt und hat beständig Angst auszugleiten. Sie getraut sich nicht mehr vor die Tür, nicht einmal vor die Balkontüre. Sie schliesst sich ein. In der Wohnung, im Schlafzimmer, im Bett. Angst bestimmt ihren Tag. Wer mit dieser Methode durch die Furt geht, der wird die Krankheit wohl überstehen. Aber werden die ständige Furcht und Angst nicht auf ihre Weise schaden? Wird übermässige Furcht sein Wesen nicht nachhaltig verändern und er am Ende nicht mehr er selbst sein?

Es braucht ein Mittelmass. Eine gute Balance aus Sorglosigkeit und Angst. Es braucht eine Haltung, wo mit offenen Augen für die Gefahr und Herausforderung das Nötige tut und manmit Gottvertrauen durch die Furt geht.

So wie es Jakob tut. Auch sein Weg führt ihn durch einen wilden Strom. Doch muss er hindurch. Mitten im Fluss stellt er sich seiner Furcht. Er kämpft mit der Gefahr und seiner Angst. Er kämpft mit seinem Bild von Gott. Er ringt mit ihm. Denn es soll nach seinem Kopf gehen. Jakob will Gott besiegen. Er will sich der Frage nach dem Warum entziehen. Er will die Frage, wo Gott in seiner Bedrängnis bleibt, loswerden in dem er Gott überwindet. Er will Herr von seinem Schicksal sein. So kämpft er.  Er kämpft mit seinem Schicksal. Er kämpft, wie auch wir mit der Herausforderung durch das Virus kämpfen müssen.

Jakob verliert den Kampf nicht. Er gewinnt ihn aber auch nicht. Er ist weder Herr seines Schicksals noch dessen Knecht. Er ist fähig und abhängig zugleich. Er hat Macht und ist zugleich ohnmächtig.

In dem Moment, in dem er dies akzeptiert, empfängt er Gottes Segen. Er geht aus dem Kampf, weder als Sieger noch als Verlierer. Sondern als Kämpfer, der um Gott an seiner Seite weiss.

Sein Kampf bleibt nicht ohne Spuren. Er hinkt. Er ist verletzt. Er trägt eine Narbe davon. Doch ihm geht die Sonne eines neuen Tages auf! Gottes Segen ruht auf ihm. Gott geht mit.

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