Ein Kletterseil und die göttliche Liebe

Denn ich bin mir gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Geschöpf vermag uns zu scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
Röm 8,38f.

In Gottes Liebe zur Gemeinschaft gerufene Menschen

Zehn Kräfte und Mächte zählt Paulus auf, die unseren Glauben bedrohen können. Alle zehn sind durchaus geeignet, das Vertrauen auf einen liebenden Gott zu erschüttern.

Ist es wohl Zufall, dass es gerade zehn Bedrohungen sind? Zumal sie doch zum Teil recht seltsam formuliert sind. So, als ob sie alle denkbaren Bedrohungen umschliessen sollen und zugleich genau zehn aufgezählt werden sollen.

Dabei kommt die Zehn in der Bibel auch immer wieder vor. Es sind zehn Plagen, die den Pharao dazu bewegen sollen, den israelitischen Sklavenfamilien die Freiheit zu schenken. Wobei das mit der Freiheit so nicht ganz stimmt. Eigentlich soll er ihnen ja nur die Erlaubnis geben, für einen Festgottesdienst in die Wüste zu ziehen – eine Gelegenheit, die Gott nutzen will, damit sie fliehen können … Zehn Plagen, die die Abhängigkeit vom göttlichen Pharao lösen sollen, damit das Volk sich dem wahren Gott anvertrauen kann.

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Bestellen den Garten deines Herzens

Wieder anderes fiel auf guten Boden und brachte Frucht: das eine hundertfach, das andere sechzigfach, das dritte dreissigfach.
Matthäus 13,8

In Gottes Liebe verbundene Menschen

Jesus lädt uns ein, guter Boden zu sein. Wir sollen weder Weg noch Fels oder Dornengestrüpp sein, sondern guter Boden. Doch was ist guter Boden? Was macht ihn fruchtbar? Was braucht es, damit der Boden unseres Herzens offen wird für das Wort Gottes und der Glaube in ihm wachsen kann?

Es ist ein altbekanntes Gleichnis, das wir heute Morgen gehört haben. Der Sämann streut den Samen. Ein Teil fällt nicht auf fruchtbaren Boden. Nur ein Teil geht auf. Doch was Frucht bringt, übertrifft den Verlust der vielen Samenkörner, die nicht aufgehen.

Es ist ein Gleichnis – so sagt es Jesus selbst. Eine kurze Geschichte, die etwas ganz Alltägliches erzählt: vom Säen eines Bauern im Frühling. Doch eigentlich handelt sie von etwas anderem. Von einer tieferen Wahrheit. Von einem Geheimnis, das sich in einer Geschichte weitersagen lässt.

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Coaching auf dem Lebensweg

Was ist Seelsorge? Kurz gesagt: ein professionelles Gesprächsangebot – in vielem ähnlich dem, was heute oft „Coaching“ genannt wird. Seelsorge begleitet Menschen dabei, das eigene Leben zu sortieren, Entscheidungen zu klären und in schwierigen Phasen wieder Tritt zu fassen. Häufige Anlässe sind Lebensübergänge und herausfordernde Situationen: ein neuer Lebensabschnitt, Konflikte, Überforderung, Krankheit, Arbeitsbelastung, Rollenwechsel in Familie oder Beruf – oder einfach das Gefühl: Ich möchte mich selbst besser verstehen.

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Das Kreuz als salomonisches Urteil

Ein römischer Hauptmann mit seinen Soldaten
bewachte Jesus.
Sie sahen das Erdbeben und alles, was geschah.
Da fürchteten sie sich sehr und sagten:
»Er war wirklich Gottes Sohn!«
Mt 27,54

Von Gottes Liebe ummantelte Gemeinschaft

Kennst du die Geschichte vom König Salomo? Georg Friedrich Händel hat sie in einem Oratorium vertont. Ein paar Chorpartien hören wir heute vom SMW im Chor. Wunderbare Musik. Sie lobt Salomo als idealen Herrscher und gerechten Richter. Sie erzählt in Erhabenheit von Gott. Als Herrscher über der Geschichte thront er in einem fernen Himmel. Heilig und rein. Vollkommen und gerecht.

Ein scharfer Gegensatz zur Lesung, die wir heute Morgen gehört haben. Sie ist fast unerträglich, ob der Brutalität, dem zur Schau gestellten Hohn und der Grausamkeit des Spottes über diesen elenden Mann, der da am Kreuz zu Tode gefoltert wird. Empörung über das Geschehen ist das Erste, was ich empfinde, wenn ich mir den Bericht von der Kreuzigung anhören muss. «Warum lässt Gott das zu?», ist die erste Frage, die sich mir aufdrängt. Der erhabene, gerechte und allmächtige Gott aus der Salomo-Geschichte lässt das zu? Gott Vater, der seinen Sohn am Kreuz im Stich lässt? Der nicht einmal wie eine verzweifelte menschliche Mutter unter dem Kreuz um seinen Sohn klagt und trauert. Ein Gott, der im Sterben seines Sohnes den Tempel und damit die Welt verlässt – aber dann doch vom apokalyptischen Erdbeben ablässt und nicht das Ende der Welt anbrechen lässt. Ein Gott, der sich gerade im Anblick des Kreuzes als schwach zeigt. Der den Ohnmächtigen seiner Ohnmacht und den Leidenden seinem Leid überlässt.

Wie kann das zusammenkommen?

Ein Gedanke – das Urteil Salomos. Das Urteil, das sprichwörtlich geworden ist. Das Urteil, das Wahrheit offenbart.

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Wunder mit Ausrufe- und Fragezeichen

Stell dir vor, dir würde die Möglichkeit angeboten, eine biblische Geschichte zu bereisen. Du dürftest also dabei sein, wenn Mose das Volk aus Ägypten befreit. Du könntest Augenzeuge des Kampfes zwischen David und Goliath werden. Du könntest bei der Bergpredigt dabei sein oder mit Paulus übers Meer fahren.

Doch du könntest nicht alles machen. Du müsstest dich für eine Geschichte entscheiden. Was würdest du wählen? Was würde deine Entscheidung leiten?

Ich gestehe: Mir würde die Wahl nicht leichtfallen. Da gäbe es so viel Spannendes! Einiges wäre wie eine Zeitreise – anderes wie das Betreten einer ganz anderen Welt: einer Welt von Sagen, Mythen und Märchen. Beides hätte seinen Reiz. Denn beides ist auf seine Art «wirklich».

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